Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Hausbesitzer zahlen die Zeche

Digitale Stromzähler werden für viele Haushalte teuer – die Kostenersparnis ist gering

Wieder einmal sollen vor allem die Hausbesitzer und andere Privathaushalte die Zeche für die von der Bundesregierung propagierte Energiewende zahlen. Für den Einbau und den Betrieb digitaler Stromzähler kommen auf sie in den nächsten Jahren Kosten in bis zu vierstelliger Höhe zu. Ein Mitbestimmungs- oder Vetorecht haben die Hausbesitzer nicht.

Wie berichtet, plant die Bundesregierung, ab 2020 auch für Privathaushalte einen solchen „intelligenten“ Zähler vorzuschreiben. Mittlerweile hat der Bundestag das entsprechende Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet und sich dabei über zahlreiche Einwände unter anderem von Verbraucherschützern und dem VDGN hinweggesetzt. Im Gegenteil: Im letzten Moment wurde der Entwurf noch einmal zuungunsten der Verbraucher geändert.

Dabei hatte eine Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) bereits im vergangenen Jahr belegt, daß der Einbau von intelligenten Stromzählern kaum Nutzen für Privathaushalte bringt und in der Aufrechnung mit den Kosten zu einem Minusgeschäft wird.

Die unrealistische Vision: Der „intelligente“ Stromzähler, auch Smart Meter genannt, kommuniziert zum Beispiel mit der Waschmaschine und läßt sie in der Nacht oder wenn gerade viel Strom aus Wind- und Solaranlagen zur Verfügung steht – der Strompreis also am günstigsten ist – arbeiten. Doch dieses Zukunftsmärchen wird schon deshalb nicht funktionieren, weil staatlich regulierte Bestandteile wie Steuern, Entgelte und Umlagen derzeit etwa 75 Prozent des Strompreises in Deutschland ausmachen. Nur 25 Prozent gehen auf das Konto von Stromerzeugung und Vertrieb und sind damit Basis des schwankenden Großhandelspreises. Unter diesen Bedingungen lohnen sich Smart Meter selbst bei variablen Tarifen nur für Großabnehmer, im günstigsten Fall noch für Betreiber von elektrischen Speicherheizungen.

Der VDGN hatte deshalb ebenso wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen auf das Prinzip der Freiwilligkeit beim Einbau der Intelligenten Stromzähler in Privathaushalte gepocht. Und selbst der Bundesrat hatte in einer ergänzenden Stellungnahme zum Gesetzentwurf dafür plädiert, die Anreize für eine freiwillige Nutzung intelligenter Meßsysteme zu erhöhen. Endverbraucher mit einem Jahresstromverbrauch von bis zu 6.000 Kilowattstunden sollten zudem die Einbindung ihres Meßsystems in ein Kommunikationsnetz ablehnen können, hieß es. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland verbraucht etwa 3.500 Kilowattstunden.

Die Bedenken wurden jedoch hinweggefegt, der Gesetzentwurf unmittelbar vor der Verabschiedung im Bundestag sogar noch einmal verschärft – nach Informationen der Berliner Morgenpost auf Wunsch von Lobbyisten der Stromriesen.

Demnach wurde die noch im Gesetzentwurf enthaltene Regelung gestrichen, daß die Einbaukosten einschließlich der Installationsvorrichtungen vom Meßstellenbetreiber – in der Regel ein Stadtwerk oder ein Energiekonzern – getragen werden.

Die Folge: Der Verbraucher zahlt nicht nur für den neuen Stromzähler und dessen Betrieb – laut vzbv 23 bis 100 Euro pro Jahr. Er bezahlt auch sämtliche Installations- und Umbauarbeiten. Dazu gehört unter anderem ein neuer Schaltkasten, der in vielen Fällen notwendig wird. Nach Kalkulationen der Morgenpost könnte so schnell eine vierstellige Euro-Summe anfallen.

Doch der Einbau für Haushalte mit einem Verbrauch unter 6.000 Kilowatt bleibe ja „freiwillig“, hatte es im Vorfeld immer wieder zur Beruhigung geheißen. Wie zum Hohn wurde jetzt jedoch gesetzlich festgelegt, daß der zuständige Meßstellenbetreiber und der Vermieter die Verbraucher zum Einbau der Smart Meter verpflichten können. Ein Vetorecht für die Verbraucher: Fehlanzeige.

Dazu erklärt VDGN-Präsident Peter Ohm: „Der Bundestag hat sich über alle Bedenken aus Sicht der Verbraucher hinweggesetzt und de facto eine Zwangsdigitalisierung beschlossen. Eine breite gesellschaftliche Zustimmung für die Energiewende erreicht man so mit Sicherheit nicht.

Doch dahinter steckt System. Die Privathaushalte werden geschröpft, wo es nur geht, sei es beim Abkassieren für den Ausbau einer Straße vor dem Haus, für Abwasseranschlüsse, die teilweise schon bis zu hundert Jahre alt sind, und nun auch für Stromzähler, mit denen Industrie und Handwerk ein Geschäft in Milliardenhöhe machen werden.“

Der VDGN fordert deshalb noch einmal eindringlich, die Hausbesitzer vor unsinnigen Vorgaben zum Einbau eines digitalen Stromzählers zu schützen. Politik und Energiewirtschaft sind zuallererst in der Pflicht, endlich nachzuweisen, daß die Verbraucher unter anderem über ein funktionierendes Modell variabler Stromtarife auch einen geldwerten Nutzen aus der sogenannten Energiewende und deren zunehmender Digitalisierung ziehen können.

Hagen Ludwig

 

 

zurück