Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„GRÜN-Tarif” für alle!

Wie in Berlin Feinstaubbelastung und Grundwasserspiegel gesenkt werden sollen

Wie kann Berlin es schaffen, die Belastung seiner Bewohner mit Feinstaub in den Griff zu bekommen und zugleich den Grundwasserspiegel zu senken, der so viele Keller und Fundamente in der Stadt bedroht?

Einen realistischen Ansatz, beide Probleme zu lösen, hat der VDGN entwickelt. Er besteht darin, den Bäumen und Sträuchern in Berlin wesentlich mehr Wasser als bisher zu spendieren und so den Wasserverbrauch in der Stadt zu erhöhen. Auf diesem Wege wird mehr von dem Grundwasser verbraucht, das im Berliner Urstromtal im letzten Jahrhundert einen so hohen Stand erreicht hat wie nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Wie soll das vor sich gehen? Als Lösung haben VDGN-Vizepräsident Eckhart Beleites und Berlins Senator für Soziales und Gesundheit, Mario Czaja (CDU), das Modell des „GRÜN-Tarifs“ ausgeknobelt.

Und das sieht so aus: Auf der Basis der Zahlen über den Wasserverbrauch eines Haushalts in den letzten fünf Jahren, die bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) vorliegen, werden der durchschnittliche Wasserverbrauch und die dazugehörige Abwassermenge dieses Haushaltes ermittelt.

Das können beispielsweise 90 Kubikmeter sein. Diese 90 Kubikmeter werden dann dem Haushalt zum normalen Preis für das Trink- und das Abwasser berechnet. Was aber darüber hinaus an Trinkwasser von diesem Haushalt verbraucht wird, gerade auch zum Wässern von Bäumen und Sträuchern an der Straße, wird nach dem „GRÜN-Tarif“ berechnet.

Das heißt: Der Kunde zahlt nur die bei den BWB tatsächlich entstehenden Kosten, etwa 20 bis 30 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser.

Das städtische Grün, das in heißen Sommern stark an Wassermangel leidet, wird davon in jedem Falle profitieren. Die bessere Bewässerung stärkt es in seinem Vermögen, Feinstaub aus der Luft zu filtern. Was nicht unterschätzt werden sollte. Am Beispiel von London hat eine Studie ergeben: Bäume nehmen jährlich bis zu 2.100 Tonnen Feinstaub auf. An der Feinstaubbelastung aber sterben deutschlandweit jedes Jahr 47.000 Menschen vorzeitig.

Die zu erwartende Senkung des Grundwasserspiegels andererseits wird helfen, viele Schäden an Gebäuden abzuwenden, wie sie derzeit noch zu beklagen sind. Nicht nur Besitzer von Eigenheimen sind davon betroffen, sondern auch Wohnhäuser in der Innenstadt, Schulen, denkmalgeschützte Gebäude.

Das Haus des Bundesrates zum Beispiel muß nun schon zum zweiten Mal mit hohen Millionenbeträgen wegen des aufsteigenden Grundwassers saniert werden. Zu erwarten sind außerdem positive Auswirkungen auf das Berliner Stadtklima und auf das System der Wasserleitungen.

Wenn wegen höheren Verbrauchs seltener im Leitungssystem gespült werden muß, kommt kaum noch einmal „braune Brühe“ aus dem Hahn.

Das Ganze ist durchaus keine Zukunftsmusik. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat bereits drei Pilotprojekte für den „GRÜN-Tarif“ beschlossen, von denen eines mit höchster Wahrscheinlichkeit in Marzahn-Hellersdorf stattfinden wird.

Eingesetzt für diese erste wirkliche praktische Maßnahme zur Absenkung des Berliner Grundwassers hat sich auch Liane Ollech aus Biesdorf. Sie gehört der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus an.

Geht es nach dem VDGN, der seinen Sitz in Biesdorf hat, wird das Pilotprojekt „GRÜN-Tarif” im Biesdorfer Siedlungsgebiet starten.

Hat das Modell Erfolg, soll es auch auf andere Bereiche der Stadt ausgedehnt werden, so daß auch Mieter davon profitieren. Auch sie müssen dann nicht mehr über den Stand der Wasseruhr nachdenken, wenn sie das Badewasser öfter als bisher in die Wanne lassen.

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