Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Die Mitglieder stehen im Mittelpunkt“

Wie der VDGN ein selbstbestimmtes Leben im Alter fördert / Fragen an Ute Brach

Diplom-Pflegepädagogin Ute Brach ist Leiterin der Fachgruppe Pflege des VDGN und Vorsitzende des neugegründeten Vereins Wohnen, Leben und Pflege im Alter e.V.

Pflege und Behinderung – das sind Themen, die den VDGN lange Zeit kaum beschäftigten. Was gab den Ausschlag, sich nun intensiver den Fragen rund ums Leben und Wohnen im Alter zu widmen?
Der VDGN ist seit fast 25 Jahren für seine Mitglieder ein zuverlässiger Partner in nahezu allen Fragen rund ums Grundstück, das Haus, die Eigentumswohnung. Viele sind seit langer Zeit Mitglied – und nun werden wir gemeinsam älter. Damit stellen sich neue Fragen. Höchste Zeit, fanden wir, sich dieser Probleme anzunehmen!

Der Anteil Älterer und pflegebedürftiger Menschen in der Gesellschaft wächst deutlich. Was kommt mit dieser neuen Altersstruktur auf uns und den Verband zu?
Die Politik und viele damit befaßte Institutionen stellt dies vor sehr große Herausforderungen, auf die nicht immer befriedigende Antworten gefunden werden. Wir sehen das heute schon an den Mißständen in Pflegeheimen und bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen zu Hause: Überall fehlt es an Personal. Ein Grund ist sicherlich die schlechte Entlohnung. Dazu kommt: Jüngere sind häufig beruflich bedingt weit entfernt von ihrer Familie tätig, kommen so für eine Betreuung ihrer Angehörigen nicht in Betracht. Die Pflegekosten steigen, auch das belastet die Familien.

Der VDGN erkennt diese gesellschaftliche Herausforderung und hat sich entschlossen, diese neue Aufgabe anzunehmen, für seine Mitglieder auch in Fragen des Lebens und Wohnens im Alter da zu sein – mit dem gewohnten Anspruch: sozial und solidarisch, humanitär und unabhängig.

Wie will der Verband dieses Anliegen umsetzen?
Die Fachgruppe Pflege im VDGN widmet sich schon seit einiger Zeit dem neu geschaffenen Aufgabenbereich. Nun haben wir unter dem Dach des VDGN den gemeinnützigen Verein Leben, Wohnen, Pflege im Alter e.V. gegründet. Noch sind wir im Aufbau begriffen. Dazu wollen wir Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen unserer Mitglieder rund um die Themen Pflege und Behinderung noch besser kennenlernen und passende Angebote entwickeln.

Die Fachgruppe berät schon heute rund um Pflege und Schwerbehinderung. So können Betroffene und Angehörige etwas über neue gesetzliche Regelungen sowie deren Konsequenzen erfahren. Darüber hinaus werden Mitglieder dabei unterstützt, gesetzlich garantierte Hilfsangebote zu beantragen und sie zu nutzen. Juristen und Pflegeexperten mit vielen Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet arbeiten zusammen in dieser Gruppe. Alles unterliegt dem Grundsatz, die Lebensqualität in den eigenen vier Wänden zu erhalten und das Wohnumfeld zu sichern.

Zum 1. Januar 2017 wird das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft treten, wir informierten bereits in früheren Ausgaben des VDGN-Journals darüber. Statt der Pflegestufen gibt es dann Pflegegrade. Pflegebedürftige Menschen sollen besonders beim Leben im vertrauten Wohnumfeld stärker unterstützt werden als bisher. Womit können sie rechnen
Ambulant vor stationär – diesem Prinzip folgen die neuen Regelungen. So soll der Abbau von Barrieren im Haus oder der Wohnung intensiver gefördert werden als bisher. Erweitert werden Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie die Leistungen im Bereich der niedrigschwelligen Angebote.

Was bedeutet das?
Wer eine Pflegestufe bzw. ab 2017 einen Pflegegrad hat und Hilfe im Alltag braucht, beispielsweise beim Einkaufen oder beim Putzen der Wohnung, der soll ab 2017 besser unterstützt werden. Dafür stellt der Staat mehr Gelder bereit. Diese müssen beantragt werden und unterliegen besonderen Regularien. Die Fachgruppe Pflege beim VDGN will solche Hilfen künftig den Mitgliedern des Verbandes vermitteln – dank ehrenamtlicher Mitarbeiter (s. auch S. 29).

Noch einmal zu den geförderten Umbaumaßnahmen der Wohnung oder des Hauses: Für wen kommen diese in Betracht?
Wer eine Pflegestufe bzw. ab 2017 einen Pflegegrad hat, kann eine solche Förderung – je nach Erkrankung und räumlichen Möglichkeiten – beantragen. Die Pflegefachgruppe des VDGN hilft hierbei. Ist alles genehmigt, sollen Firmen des VDGN-Unternehmenspools den Umbau dann realisieren – so ist unser Plan. Anders ausgedrückt, von der Beratung und Beantragung bis hin zur Umsetzung werden VDGN-Mitglieder betreut und begleitet. Das Mitglied ist „Bauherr“ und steht im Mittelpunkt aller Überlegungen – das ist übrigens ein genereller Ansatz unserer Arbeit.  

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