Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Der lange Weg zum Kanal

Düsseldorfer Kleingärtner erkämpften sich Anschluß ans öffentliche Abwassernetz

Der lange Weg zum Kanal – damit ist nicht etwa die Entfernung zum nächsten Kanalanschluß gemeint, sondern der lange Weg der Überzeugungsarbeit für einen solchen. Im Jahr 1997 gaben die Delegierten der Mitgliedsvereine im Stadtverband Düsseldorf der Kleingärtner e.V. einstimmig dem Vorstand des Verbandes den Auftrag: „Der Vorstand möge eine Möglichkeit schaffen, die Kleingartenanlagen an das öffentliche Kanalnetz anzuschließen“. Vorbild hierfür war der Stadtverband in Essen, der schon einige Kleingartenanlagen an eine saubere und umweltgerechte Abwasserentsorgung angeschlossen hatte.

Wie war es in Düsseldorf? Jährlich wurden lange Schläuche zu den Entsorgungsfahrzeugen durch die Kleingartenanlagen gezogen, um die Abwassersammelgruben zu entleeren. Ein großer Aufwand, der sich noch vergrößerte, wenn Pächter nicht anwesend waren. – Was lag also näher, die gesamte Kleingartenanlage an das öffentliche Kanalnetz anzuschließen? Wir wollten das Abwasser der einzelnen Gartenlauben über eine internes Rohrnetz an das öffentliche Kanalnetz entsorgen, vergleichbar den Wohnungen in einem Mietshaus.

Ämter stellten sich quer
Der Stadtverband Düsseldorf war bereits 1997 aus dem Landesverband der Kleingärtner ausgetreten, weil er sich durch diesen Verband nicht ordentlich vertreten fühlte. Dieser Austritt wurde dann bei vielen Verhandlungen mit der Politik und Verwaltung zum Vorwurf gemacht. Die ersten Sondierungsgespräche führte man mit dem damaligen Kanal- und Wasserbauamt. Es kam immer die gleiche Argumentation: „Das Bundeskleingartengesetz verbietet das!“ Die Antwort des Stadtverbandes war auch immer gleich: „Zeigen Sie uns einen Paragraphen im Bundeskleingartengesetz, der den Kanalanschluß untersagt!“

Im gesamten Gesetzestext findet man keine Stelle, die eine umweltgerechte Entsorgung verbietet. Es wird immer alles von der Gartenlaube in einfacher Ausführung abgeleitet.

Als nächsten Hinderungsgrund legte man die Kosten des Kanalanschlusses dar: Sechs Mark und fünfzig Pfennig je Quadratmeter Kleingartenfläche seien als Kanalanschlußbeitrag in einer Summe zu entrichten. Die Argumentation des Stadtverbandes, daß der Anschluß eines Mehrfamilienhauses mit mindestens sechs Wohnungen weitaus weniger kosten würde als der Anschluß einer Gartenlaube auf einer Fläche von dreihundert Quadratmeter, wurde mit der Bemerkung abgetan, daß man die Entsorgungssatzung eben nicht ändern könne.

Seitens der Politik wurde Unterstützung signalisiert. Aber man könne nicht so ohne weiteres die Entsorgungssatzung ändern ... Man befürchtete Klagen der anderen Nutzer, wenn man den Kleingärtnern einen Sonderstatus einrichten würde.

Hilfe kam durch die Verwaltungsreform. Das Kanal- und Wasserbauamt wurde privatisiert. Es wurde umbenannt in „Stadtentwässerungsbetrieb“. Von nun an mußte dort nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gearbeitet werden. Damit war der Weg für den Kanalanschluß endlich frei.

Im Jahr 2003 schlossen die Stadt Düsseldorf und der Stadtverband Düsseldorf der Kleingärtner e. V. einen Entsorgungsvertrag für die Kleingartenanlagen auf Grund und Boden der Stadt Düsseldorf ab. Auf Grundlage dieses Vertrages war es nun möglich, Kleingartenanlagen an das öffentliche Kanalnetz anzuschließen. Der Vertrag sieht vor, daß die Stadt Düsseldorf gegenüber dem Stadtentwässerungsbetrieb in Vorleistung geht und die Kleingärtner das über einen Zeitraum von zwanzig Jahre zurückzahlen. Das ergibt eine Summe von rund vierundfünfzig Euro je Kleingartenparzelle im Jahr. Darin sind alle Gebühren einschließlich einer pauschalen Abwassergebühr enthalten. Nur so war es möglich, daß bis heute über achtzig Prozent der Kleingartenanlagen einer umweltgerechten und sauberen Abwasserentsorgung zugeführt werden konnten.

Abwehr aus eigenen Reihen
Aber es kam auch Druck aus dem Bereich der Mitgliedsvereine des Stadtverbandes selbst. Ältere Vorstände wollten von dem 1997 gefaßten Beschluß nichts mehr wissen. „Es hat doch immer auch ohne Kanalanschluß funktioniert, es fällt kein Abwasser an, da man zu Hause auf die Toilette geht, und viele Pächter werden kündigen, weil das alles zu teuer wird.“ So kommentierten einige Vereine.

Plötzlich kam viel Gegenwind aus den eigenen Reihen auf. Dennoch: Ein Verein machte den Anfang. Fachleute waren Mitglied, und so wurde mit vereinten Kräften der Kanalanschluß hergestellt. Nach der Fertigstellung gab es viele Kommentare, die alle nur eines aussagten „Warum haben wir das nicht schon früher gemacht?“

Die Herstellung der internen Rohrnetze wurde von den Kleingartenvereinen und ihren Mitgliedern selbst bezahlt. Zertifizierte Unternehmen konnten für die Herstellung der Rohrnetze und des Übergabeschachtes zu kostengünstigen Konditionen gewonnen werden. Kündigungen gab es wegen des Kanalanschlusses so gut wie keine, sondern fast nur aus Altersgründen. Auch die Kosten, die auf den einzelnen Pächter entfielen, waren bei weitem nicht so hoch, wie von einigen „Verhinderern“ vorausgesagt wurde.

Es wäre wünschenswert, wenn auch bei den Landesverbänden und dem Bund Deutscher Gartenfreunde ein Umdenken hin zu einem modernen Kleingartenwesen einsetzen würde. Wer sich Natur- und Umweltschutz auf die Fahne schreibt, der kommt an einer sauberen Abwasserentsorgung nicht vorbei. Und wer da glaubt, daß in den Kleingartenanlagen keine Sickergruben mehr existieren, wo das Abwasser unbehandelt in das Erdreich versickert, der verschließt seine Augen vor der Wirklichkeit.

Zusammenfassend ist festzustellen: Alle Gartenfreunde, deren Gartenlauben an das Abwassersystem angeschlossen wurden, möchten diese Art der Entsorgung nicht mehr missen. Die Zeit der „Sickergruben“ ist vorbei. Es wird gesetzmäßig, sauber und umweltgerecht entsorgt.

Peter Vossen, Stadtverband Düsseldorf der Kleingärtner e.V.

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