Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Kesselwerte prüfen!

Telefonforum zum Thema Heizsysteme und staatliche Förderungen

Pellet, Öl oder Gas? Wie sehen optimierte Heizsysteme aus? Was vor dem Heizungseinbau zu bedenken ist, wofür es staatliche Förderungen gibt und wie man die Energieeffizienz am besten überprüfen lassen kann, erklärte Birgit Holfert, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, im VDGN-Telefonforum.

Ich möchte meine Heizung modernisieren und anstatt der bisherigen Kachelöfen eine moderne, energiesparende Heizung einbauen – allerdings keine Ölheizung. Ein Erdgasanschluß ist für mein Haus nicht möglich. Was kommt für mich infrage und welche Förderung gibt es dafür?
In diesem Fall bietet sich eine Pelletheizung an. Pellet sind Holzpreßlinge, die automatisch über eine Fördereinrichtung vom Pelletlager zum Kessel transportiert und verbrannt werden. Pelletkessel arbeiten vollautomatisch und auch der Ascheanfall ist relativ gering. Der Aschebehälter muß je nach Modell und Witterung oft nur einmal wöchentlich oder gar nur einmal monatlich geleert werden. Die Lagerung der Pellet kann im Keller in sogenannten Gewebetanks erfolgen oder bei feuchten Kellern in geschlossenen Kunststofftanks. Pellet werden aus Holzabfällen unter anderem der Möbelindustrie gefertigt und zählen zu den nachwachsenden Rohstoffen. Das Bafa fördert den Einbau solcher Kessel in seinem „Marktanreizprogramm - MAP“. Für den Einbau eines Pelletkessels mit Wärmespeicher gibt es einen Zuschuß von mindestens 3500 Euro. Zusätzlich werden Optimierungsmaßnahmen am Heizsystem, etwa der Ausbau der Altheizung einschließlich deren Entsorgung, Einbau von Thermo-statventilen und Durchführung des hydraulischen Abgleichs und anderes mehr mit bis zu 1750 Euro gefördert. Detailinformationen gibt es im Internet unter www.bafa.de/bafa/ de/energie/erneuerbare_energien oder in den über 400 Beratungsstellen der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Sie können telefonisch einen Termin vereinbaren unter der kostenlosen Hotline 0800-809 802 400.

Wir möchten unser Dach dämmen. Wie dick muß die Dämmung sein und bekomme ich dafür Förderung vom Staat?
Die Dämmstärke hängt davon ab, welches Dämm-Material mit welcher Wärmeleitgruppe Sie verwenden. Sie sollten jedoch prüfen lassen, ob es nicht sinnvoller ist, die oberste Geschoßdecke zu dämmen – das ist eine geringere Fläche und deshalb meist preiswerter. Ich empfehle, zuerst einen Gebäudecheck der Verbraucherzentrale machen zu lassen. Der Energieberater schaut sich das gesamte Haus hinsichtlich des bestehenden energetischen und baulichen Zustandes an und kann die für Sie sinnvollste günstigste Dämmung empfehlen.

Für sogenannte Einzelmaßnahmen gibt es Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zum einen „Energieeffizient Sanieren“ mit einem Investitionszuschuß. In der Programmnummer 430 werden zehn Prozent der Sanierungskosten gefördert, maximal 5.000 Euro pro Wohneinheit. „Energieeffizient Sanieren – Kredit, Einzelmaßnahmen (Programmnummer 152)“. Hier gefördert werden zinsgünstige Darlehen. Die Förderung beträgt bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit für einzelne Sanierungsmaßnahmen wie Dachdämmung. Dazu kommt ein Tilgungszuschuß von 7,5 Prozent der Kreditsumme. Der Antrag auf Förderung muß über einen „Energieeffizienzexperten“ jeweils vor Beginn der Dachdämmung eingereicht werden. Erst nach Erhalt der Förderzusage kann gebaut werden.

Mein Heizkessel ist bereits über 20 Jahre alt und ich überlege, ihn auszutauschen. Gibt es dafür eine Förderung und wie bekomme ich diese?
Seit April 2016 gibt es von der KfW eine erhöhte Kesseltauschförderung in Form eines 15prozentigen Zuschusses zu den förderfähigen Baumaßnahmen. Sie müssen vor Baubeginn über einen Energieeffizienzexperten einen Antrag bei der KfW einreichen mit Angabe der Bausumme, Sie müssen also ein Angebot einer Heizungsbaufirma einholen. Folgende Vorgehensweise ist empfehlenswert: Im Internet aus der DENA-Liste einen Energieexperten aus Ihrer Region suchen, der zum Beispiel prüft, welche Kesselleistung und Umbaumaßnahmen bei Ihnen tatsächlich erforderlich sind und der den Förderantrag bei der KfW für Sie einreicht.

Dann von Ihrem Heizungsbauer ein Angebot zum Kesseltausch einholen, in dem unter anderem die Durchführung des „hydraulischen Abgleichs“ enthalten ist. Das ist die Voraussetzung für die Förderung.

Sollte das bei Ihnen nicht möglich sein, weil die derzeitigen Thermostatventile nicht dafür geeignet sind, dann müssen diese ebenfalls ausgetauscht werden.

Nach Vorlage der Förderzusage durch die KfW kann der Kesseltausch vorgenommen werden. Nach erfolgtem Kesseltausch muß die Rechnung mit einem Prüfvermerk des Energieexperten bei der KfW-Bank eingereicht werden und dann wird der Zuschuß ausgezahlt.

Wie finde ich einen autorisierten Energieexperten?
Eine vollständige Liste der gelisteten Energieexperten aus Ihrer Region erhalten Sie unter dem Link www.energie-effizienz-experten.de/energieeffizienz-experten-fuer-foerderprogramme-des-bundes/ – dort gibt es eine Rubrik „Hier finden Sie einen Experten in Ihrer Nähe“, und unter der Angabe Ihrer Postleitzahl erhalten Sie die Kontaktdaten eines lokalen Energieexperten.

Wie kann man am Ende sicher sein, daß die Kesselwerte dann stimmen?
Nach erfolgter Installation eines neuen Brennwertkessels sollte ein Heiz-Check der Verbraucherzentrale durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob die neue Kesselregelung optimal funktioniert. Dabei werden zum Beispiel die Kondensatmenge sowie die Vor- und Rücklauftemperatur über 24 Stunden gemessen und die Regelungseinstellungen am Heizkessel überprüft. Sollte der Energieberater bauliche Mängel finden, können Sie diese noch während der Garantiezeit von Ihrem Heizungsbauer beseitigen lassen. Die Kosten für diesen Check liegen bei 40 Euro.

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