Verband Deutscher Grundstücksnutzer

In guten Tagen vorzusorgen, ist fürsorglich

Regeln was zu regeln ist: So können Nahestehenden Konflikte erspart bleiben

Zur Zeit ist die Vorsorgeregelung im Fokus der Politik, der Gesetzeshüter und der Journalisten. Auch ein Beitrag im Berliner Kurier vom 31. August 2016, S. 5, nahm sich des Themas an: Dort wurde der Fall eines Ehepaares geschildert, das glaubte, für die Zukunft alle Regelungen getroffen zu haben – und trotzdem lief alles schief. Rückblick: 2014 unterschrieb das Ehepaar eine Vorsorgevollmacht. Die Frau hatte jedoch bereits vorher einen Schlaganfall mit leichten (zeitlich begrenzten?) geistigen Einschränkungen erlitten. Später wurde sie sehr krank und es stand die Frage im Raum, ob sie wieder nach Hause kann oder in eine Pflegeeinrichtung geht. Wie man dem Beitrag entnehmen kann, waren die Kinder für die Pflegeeinrichtung, anders als der Ehemann und die Betroffene selbst es wollten. Ein Gericht entschied und setzte einen Betreuer ein. Auch die Vollmacht, wonach der Ehemann in solch einer Situation entscheiden sollte, half nicht. Sie war zu spät – erst nach dem Schlaganfall der Frau – erteilt worden.

Nun muß der Ehemann beweisen, daß die gesundheitlichen Einschränkungen seiner Frau einer Erstellung der Vorsorgevollmacht nicht im Wege standen. Das wird nicht einfach!

Leider wird häufig erst nach einem einschneidenden Vorfall über eine solche Regelung nachgedacht. Wer mitten im Leben steht, fühlt sich „noch zu jung dafür“. Und Gedanken, etwas regeln zu wollen für die Zeit am Ende unseres Lebens, machen den meisten von uns zu schaffen. Die schieben wir lieber weit, weit weg. Aber dieses Gefühl wäre gestern, ist heute und auch dann da, wenn dieser Schritt unausweichlich ist! Nur mit dem Unterschied, daß es irgendwann zu spät ist, „mit Sicherheit“ selbst bestimmen zu können, was geschehen soll.

Bei meiner Pflegearbeit am Menschen habe ich viele Situationen erlebt, die ich mir für die Hinterbleibenden (oder sollte ich Entscheider sagen) anders gewünscht hätte. Wer seine Kinder immer behüten wollte und Ängste ausgestanden hat, kennt das Grummeln im Bauch bei zig Gelegenheiten im Alltag. Nur zwei Beispiele: Dem Kind wird ein Helm aufgesetzt für die Fahrradtour, weil es stürzen könnte. Und wenn die längst erwachsenen Sprößlinge sich nicht rechtzeitig von ihrer Ankunft am Urlaubsort melden, sind Eltern oft ärgerlich oder auch unruhig – es könnte ja was passiert sein! Und später? Wer als Betreuer am Bett von Vater oder Mutter steht und über medizinische Maßnahmen entscheiden soll, über die keiner früher nachgedacht geschweige denn sie schriftlich geregelt hat, wird oft von unglaublichen Sorgen und Ängsten geplagt: „Mache ich das so, oder so…? Wie hätte es Mutti gewollt? Was ist richtig?“

Also stellen sich zwei wichtige Fragen:

1. Wollen wir unseren Kindern/ Betreuern so eine große Last, oft für den Rest ihres Lebens, mit auf den Weg geben?

2. Wollen wir die Verantwortung für einen entscheidenden Moment unseres Lebens wirklich delegieren? Sollen, ja können andere über meine Qualen urteilen, auch wenn sie mir nahestehen?

Fürsorglicher, ja verantwortungsvoller wäre es aus meiner Sicht, wenn Eltern sich dem unbeliebten und durchaus langwierigen Prozedere einer Vorsorgeregelung rechtzeitig widmen. Also wenn kein Zwang, keine Not und kein Druck herrscht, sie zu erstellen. In guten Tagen vorzusorgen, ist fürsorglich. Für die Kinder, aber auch den Ehemann, die Ehefrau. Somit können Sie ruhigen und sonnigen Zeiten entgegensehen.

Ute Brach

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