Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Gummistiefel ade

VDGN-Fachgruppe ebnete den Weg zum trockenen Grundstück

Gummistiefel
Endlich kann Erika Stenzel beim täglichen Gartenrundgang wieder auf Gummistiefel verzichten Foto: Monika Rassek

Wenn sich Mitglieder an die VDGN-Fachgruppe Wasser/Abwasser wenden, geht es oft um Beitragsbescheide, Wasser- und Abwasseranschlüsse, technische Fragen zu Klein- kläranlagen, örtliche Satzungen, die Dichtigkeit von Leitungen – alles ganz alltägliche Probleme. Aber Wasser kann auch anders: Ohne Wasser kein Leben. Mit Wasser läßt sich Energie gewinnen, Waren werden über Flüsse verschifft, und da es sich bei Meeresrauschen am Strand herrlich entspannen läßt, spielt Wasser auch im Tourismus einen große Rolle. Doch das flüssige Element bringt auch Gefahren mit sich: Angefangen vom tropfenden Wasserhahn über den Rohrbruch und steigendes Grundwasser bis hin zu Flutwellen, Hochwassern, Überschwemmungen.

Und manchmal ist es einfach so, daß Wasser einen Weg gefunden hat, der kaum nachzuvollziehen ist, einige Rätsel aufgibt und die Betroffenen schier zur Verzweiflung treibt. Und genau in diesen Fällen gestaltet sich die Problemlösung oft kompliziert und zieht sich in die Länge – so wie bei diesem Beispiel.

Am 5. März 2016 ging bei der Fachgruppe Wasser/Abwasser eine nicht alltägliche E-Mail ein:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte Sie um Hilfe. Wir wohnen in Oderberg seit 1996. Unser Grundstück war noch nie richtig trocken, aber an der Erdoberfläche hatten wir trotzdem noch nie Wasser. Seit etwa 1 Monat sprudelt das Wasser aus der Erde, mal etwas mehr und mal etwas weniger. Am Anfang dachten wir, daß es auch wieder von allein aufhört, aber das tut es nicht, es wird immer mehr (zu sehen in den Anlagen). Der Garten ist mit Wühl-mausgängen durchzogen. Auf der Wiesenfläche sacken wir immer öfter in Bodenhohlräume ein. Irgendwie brauchen wir Hilfe. Können Sie uns einen Weg weisen, wie das Problem zu lösen ist? Mit freundlichen Grüßen Erika Stenzel“ (Name v. d. Redaktion geändert).

Als Anlage zu diesem Schreiben gingen vier Fotos und die Mitgliedsnummer ein – nicht viel, um per Ferndiagnose eine Lösung zu präsentieren. Zumal die Bilder ein Phänomen darstellten, welches auch die Fachleute so bislang nicht gesehen hatten und deuten konnten. Die genaue Adresse war angesichts der Mitgliedsnummer nicht schwer zu ermitteln und so verschafften sich die Mitglieder der Fachgruppe zunächst anhand von Karten einen Überblick zu den örtlichen Gegebenheiten. Im Rahmen eines Zusammentreffens der gesamten Fachgruppe wurden dann zunächst Vorschläge zur Problemlösung gesammelt, diskutiert, wieder verworfen und wieder neue Ideen entwickelt.

Zehn Tage dauerte die Konstruktion eines Fahrplans mit Punkten, die es abzuarbeiten galt – nicht etwa ein Patentrezept zur schnellen Trockenlegung des Grundstücks. Das bedeutete für Familie Stenzel einen nicht unerheblichen Aufwand, um möglicherweise eine Lösung zu finden. Auslöser der Gartenflutung könnten beispielsweise gravierende Veränderungen in der näheren oder auch weiteren Nachbarschaft, z. Bsp. durch Teiche oder anderer Gewässer sein. Beim örtlichen Wasserver- und Abwasserentsorger galt es, wegen eventuell defekter Leitungen nachzufragen. Auch etwaige Veränderungen bzgl. des Wasserspiegels der Oder mußten bei der Unteren Wasserbehörde abgeklärt werden und, auch die Frage „Haben Wühlmäuse oder Maulwürfe dieses kleine Hochwasser verursacht?“ galt es zu beantworten. Und während Familie Stenzel sich von Punkt zu Punkt des „Katastrophenfahrplans“ hangelte, hieß es für Fachleute des VDGN zunächst abzuwarten. Monat um Monat verging. Eine Rückrufnummer gab es nicht und auch das Telefonbuch hielt keinen Eintrag für die bekannte Adresse bereit. Nach sechs Monaten, als sich fast schon keiner mehr an dieses geflutete Grundstück erinnerte, traf Ende August eine erlösende Mail von Frau Stenzel ein: „Sehr geehrte…, jetzt kann ich Ihnen mit gutem Gewissen eine Antwort geben, denn das Wasser auf der Grundstücksoberfläche ist wirklich verschwunden. Wir sind Punkt für Punkt Ihrer u. s. Antwort nachgegangen. Auch eine Firma für Schädlingsbekämpfung war im April 2016 bei uns. Aber mit dem Wasser hatten die Wühlmäuse nichts zu tun…

… über die untere Wasserbehörde und unser Amt und haben wir eine Firma empfohlen bekommen, die auf Wasserbau spezialisiert ist. Dieser Firma haben wir den Auftrag gegeben, … Dazu muß ich folgendes vorausschicken: in der Mitte unseres Grundstückes befindet sich ein kleiner Teich (zirka 11 Quadratmeter groß). Dieser wird gespeist durch mehrere Quellen, die in diesen Teich münden. Das Quellwasser soll von dem nahe liegenden Hang kommen, eventuell drückt auch der Parsteiner See. Der Abfluß des Teiches verläuft unterirdisch von unserem Grundstück durch das Nachbargrundstück und weiter über Gräben in die Alte Oder. Die Ursache für das Wasser bei uns war dicht am Zaun eine Verstopfung der Rohrleitung auf dem Nachbargrundstück. Diese wurde behoben und fast gleichzeitig mit der Reparatur ist bei uns das Wasser verschwunden, und zwar so heftig, daß sich an den Stellen, wo vorher das Wasser austrat, richtige kleine Krater gebildet hatten… Noch im Herbst kommt eine Schicht Kompost auf diese Stellen und dann ist alles erledigt. Sehr geehrte …, mit Ihrer Mail vom 15.3.2016 haben Sie uns sehr geholfen. Damit hatten wir erst mal den Anfang, wie wir das Problem lösen. Vielen herzlichen Dank. Freundliche Grüße schickt Ihnen Frau Stenzel“

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Wie die Mitglieder der Fachgruppe dann erfuhren, freut sich Erika Stenzel besonders, weil sie endlich anstatt mit Gummistiefeln wieder mit Ihren Garten-Clogs über die Wiese spazieren kann – ade Gummistiefel.

VDGN-Fachgruppe Wasser/Abwasser

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