Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Fernwärme für Eigenheime?

Das lohnt sich nicht, sagt aktuelle Studie zur Wärmeversorgung

Geldscheine
Foto: Rainer Große

Bei den Heizkosten sparen – das möchte wohl jeder Hausbesitzer. Doch was läßt der Geldbeutel an Investitionskosten für die Heizungsmodernisierung zu und welches System paßt am besten zu den individuellen Gegebenheiten des Hauses?

Pauschallösungen dafür wird es nicht geben. Für den VDGN steht deshalb fest: Nur bei einer technologieoffenen Auswahlmöglichkeit kann die Wärmewende auch im Eigenheimbereich kosteneffizient und sozialverträglich umgesetzt werden. Eine politische Bevorzugung bestimmter Heizsysteme und jeglicher Anschlußzwang beschneiden indes den Spielraum der Eigenheimbesitzer und hemmen deren Investitionsbereitschaft und -möglichkeit. Unterlegt wird dieser Standpunkt jetzt durch eine aktuelle Studie zur Wärmeversorgung von Wohngebäuden, die von sechs Verbänden – darunter der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) und das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) – in Auftrag gegeben wurde. Ihr Fazit: Mit sanierten Einzelheizungen lassen sich die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung günstiger erreichen als mit Nah- und Fernwärmenetzen. Zugleich ist die Fernwärme für die Verbraucher in der Regel mit höheren Heizkosten verbunden. Eine generelle politische Bevorzugung von Wärmenetzen sei daher nicht gerechtfertigt. Derzeit werde der Wärmenetzausbau immerhin jährlich mit 250 Millionen Euro gefördert, hieß es bei der Präsentation der Studie Mitte September in Berlin.

Der Ausbau von Wärmenetzen sei nur in bestimmten Fällen bei hoher Siedlungsdichte sinnvoll, lautet ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung, die von wissenschaftlichen Teams um Prof. Bert Oschatz vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG) sowie um Prof. An-dreas Pfnür von der TU Darmstadt erstellt wurde.

Unbestritten ist auch die Effektivität von Anlagen, bei denen ohnehin anfallende Abwärme für Wärmenetze genutzt wird. Bezogen auf den deutschen Gebäudebestand mit 18 Millionen Häusern und in besonderem Maße für Eigenheime seien Wärmenetze aber weder aus Sicht des Klimaschutzes noch aus finanziellen Erwägungen eine massentaugliche Lösung.

Einzelheizung für Hausbesitzer fast 15.000 Euro günstiger
Die Autoren rechnen vor, daß die Modernisierung einer Einzelheizung im Falle eines unsanierten Einfamilienhauses über einen 20-Jahres-Zeitraum um fast 15.000 Euro günstiger als die Fernwärme-Variante wäre. Das sind mehr als 61 Euro pro Monat. Daraus ergibt sich, daß bei dezentralen Systemen pro eingesetztem Euro in der Regel auch mehr CO2-Emissionen eingespart werden als mit dem Einsatz von Wärmenetzen. Eine Feststellung, die vor allem auch für den Eigenheimbereich angesichts des begrenzten Investitionsvolumens wichtig ist. Wörtlich heißt es in der Studie: „Selbstnutzer von Immobilien spüren die Auswirkungen der jeweiligen Modernisierungsvariante unvermittelt, da sie persönlich die Investitionen tragen und die resultierenden Wärmekosten zahlen. Sie können die Wärmekosten aktiv durch Modernisierungen oder den Wechsel des Heizsystems beeinflussen. Sie profitieren bei niedrigen Zinsniveaus doppelt von der dezentralen Erneuerung ihres Wärmesystems. Hingegen würde ein Anschluß an ein Wärmenetz die Wärmekosten gegenüber dem Status quo der alten Heizung deutlich erhöhen.“

Kritik auch von Verbraucherschützern
Aufgrund dieser Ergebnisse sollten nach Einschätzung der Autoren die Rahmengesetzgebung sowie die bestehende Förderpolitik überdacht werden. Von übermäßigen Regulierungen und technologischen Einschränkungen für Gebäudeheizungen raten sie ab.

Die Berechnungen der Studie stützen zudem frühere Untersuchungen des Kartellamts und der Verbraucherschutzzentralen, die aufzeigen, daß monopolistische Marktstrukturen in der Fernwärme die Wärmeversorgung für Verbraucher nicht nur intransparent gestalten, sondern auch spürbar verteuern. Bereits Anfang 2016 hatte auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen eine kritische Untersuchung zur Fernwärme vorgelegt. Demnach beziehen 14 Prozent aller deutschen Haushalte Fernwärme, im Eigenheimbereich sind es derzeit etwa 500.000 Gebäude. Rund 35 Prozent der Privatkunden sind durch einen unbefristeten Anschluß- und Benutzerzwang zum Fernwärmebezug verpflichtet. Darauf sollte grundsätzlich verzichtet werden, fordern die Verbraucherschützer.

Hagen Ludwig

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