Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Selbst ist der Mann

Aus dem Leben eines rüstigen Rentners

Schneeschiebender Rasenmäher

Normen, Paragraphen, Richtlinien sind gut – aber taugen Sie für jeden? Die DIN 18040-2 beschreibt die Anforderungen zur Herstellung von Barrierefreiheit in Wohnungen. Doch längst nicht jede Wohnung bietet die Voraussetzung, diese Anforderungen auch umzusetzen. Zu wenig Platz und zu hohe Kosten sind meist Gründe, warum es alternative „abgespeckte“ Lösungen geben muß. Die konkreten Bedingungen vor Ort entscheiden über Möglichkeiten und Grenzen, über Nutzen und Machbarkeit von barrierearmen Umbauten.

Es soll von einem Beispiel berichtet werden, das zeigt, daß barrierearmer Umbau jenseits von Vorgaben im Einzelfall helfen kann, sich den Umzug ins Pflegeheim zu ersparen.

Handwerkliches Geschick und pragmatisches Handeln sind die Erfolgsfaktoren des 84-jährigen Rentners. Er meistert sein Leben – inzwischen allein in seinen vier Wänden. Er ist durch sein Engagement in der Regionalgruppe des VDGN gut bekannt und so können wir seine Geschichte erzählen. Herr T. lebte bis vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Frau in einem 112 Jahre alten Einfamilienhaus in Berlin-Mahlsdorf.

Seine Frau erkrankte vor Jahren schwer und wurde gehbehindert. Ein Umzug aus dem trauten Heim kam nicht infrage. Also mußten Barrrieren abgebaut werden. Leichter gedacht als getan. Die Türen waren zu schmal, um den Rollator frei zu bewegen. Es gab Schwellen zu überwinden. Die Lichtschalter waren zu hoch angebracht. Der Gasherd stellte aufgrund fortschreitender Altersdemenz eine potentielle Gefahr dar. Die Gartenarbeit fiel zunehmend schwerer.

Herr T., von Beruf Elektriker und handwerklich begabt, überlegte nicht lange, sondern legte Hand an. Aus normalen Türen wurden Schiebetüren. Die Schwellen wurden herausgerissen. Die Lichtschalter wurden tiefer verlegt. Lampen wurden mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Eine Induktionsplatte ersetzte das Kochen mit Gas. Der Wohnzimmertisch bekam Räder, um ihn leicht beiseiteschieben zu können. Der Nachttisch erhielt einen Rand, damit die Utensilien nicht heruntergestoßen werden konnten. Die pfiffige Lösung bestand darin, daß es sich dabei um eine Art Haube handelte, die einfach über den Nachttisch gestülpt wurde und jederzeit wieder abgenommen werden konnte. In der Toilette wurden Griffe montiert, nicht neben die Toilette, wie sonst üblich, sondern aus Platzgründen an der gegenüberliegenden Wand. An die Innenseite der Wohnungstür kam eine Erinnerungsliste „Handy, Hörgeräte, Brille, Geld, Schlüssel dabei?“. Ein Rasenmäher funktioniert als rollbare Gartenbank für die Beetpflege und als Schneepflug.

Hilfsmittel lassen sich auch selbst herstellen aus handelsüblichen Produkten, die um zusätzliche Funktionen ergänzt werden, ohne an Komfort und Sicherheit einzubüßen. Wenn es nicht der hochdesignte Teewagen sein soll, tut es auch ein reduziertes Modell zum Viertel des Preises.

Frau T. starb vor zwei Jahren. Herr T. hatte schwer damit zu kämpfen, konnte sich aber nach der Trauerzeit an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf ziehen, wie er betonte.

Mit dem Nachbarn ist er übereingekommen, daß dieser für ihn Mittagessen mitkocht. Ein Bekannter nimmt ihn mit dem Auto zu Besorgungen mit. Für die schnelle Information an den Nachbarn hat er eine Ampel gebaut und in das Fenster gestellt. Leuchtet grünes Licht, ist alles in Ordnung, leuchtet rotes Licht, ist der Notfall eingetreten. So kann der Nachbar mit einem Blick aus seinem Fenster bereits erkennen, ob Hilfe benötigt wird.

 

 

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