Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Haushalten droht Minusgeschäft

VDGN fordert: Einbau von intelligenten Stromzählern nur auf freiwilliger Basis

Alle privaten Haushalte sollen ab 2020 mit einem neuen sogenannten intelligenten Stromzähler ausgerüstet sein. So jedenfalls sieht es der Entwurf des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende vor, der Anfang November 2015 vom Bundeskabinett beschlossen wurde und jetzt im Bundestag beraten wird. Das Gesetzgebungsverfahren soll im Mai 2016 abgeschlossen sein.

In Kombination mit einem variablen Stromtarif sollen die Haushalte dann von den Schwankungen des Großhandelspreises profitieren können. Die reizvolle Vision: Der intelligente Stromzähler, auch Smart Meter genannt, kommuniziert zum Beispiel mit der Waschmaschine und läßt sie in der Nacht oder wenn gerade viel Strom aus Wind- und Solaranlagen zur Verfügung steht – der Strompreis also am günstigsten ist – arbeiten. Doch vor allem Verbraucherschützer warnen. So sieht der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) kaum Nutzen für Privathaushalte und fordert: Verbraucher müssen bei Tarifen und Meßgeräten wählen können. Eine Zwangsdigitalisierung sei nicht der richtige Weg. Diesen Standpunkt vertritt auch der VDGN: „Energiesparen ja, Zwangsmaßnahmen nein: Diese Devise vertreten wir bereits seit Jahren, wenn es um die energetische Sanierung von Eigenheimen geht. Hauseigentümer dürfen nicht zu Investitionen gezwungen werden, die ihnen ausrechenbare Verluste bescheren“, sagt VDGN-Präsident Peter Ohm.

Daß ein Minusgeschäft zu befürchten ist, belegt eine aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) im Auftrag der Verbraucherzentrale. Das Ergebnis: Für den Großteil der Verbraucher lohne sich der Umstieg auf intelligente Meßsysteme finanziell nicht. Da intelligente Meßgeräte mit erheblichen Mehrkosten von jährlich bis zu 100 Euro verbunden sind, die selbst in Kombination mit einem variablen Stromtarif nicht kompensiert werden können, würden die meisten Haushalte sogar mehr als vorher zahlen. Wirklich Geld sparen können nur Großverbraucher“, so Klaus Müller, Vorstand des vzbv. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, daß staatlich regulierte Bestandteile wie Steuern, Entgelte und Umlagen derzeit etwa 75 Prozent des Strompreises ausmachen. Nur 25 Prozent gehen auf das Konto von Stromerzeugung und Vertrieb und sind damit Basis des schwankenden Großhandelspreises.

Profitieren könnten von den neuen Regelungen laut WIK-Studie lediglich Betreiber von Speicherheizungen und zum Teil auch von Wärmepumpen. In der Perspektive trifft das sicher auch auf Haushalte zu, die Power to Heat nutzen. Stromüberschüsse im Netz könnten mit dieser Technik, wie berichtet, preisgünstig genutzt werden, um zum Beispiel in Eigenheimen mit Hybridheizungen Wasser für die Heizung sowie den Warmwasserbedarf zu erhitzen oder um Wärmepumpen anzutreiben.

Ein zweites Problemfeld ist der Datenschutz. Wie genau erfolgt die Verbrauchserfassung, und sind durch eine detaillierte Auswertung Rückschlüsse auf die Lebensführung der Stromkunden möglich?

Diese Bedenken teilt nun auch der Bundesrat in einer Stellungnahme vom Dezember 2015. Die Länderkammer plädiert in der Konsequenz dafür, die Anreize für eine freiwillige Nutzung intelligenter Meßsysteme zu erhöhen. Endverbraucher mit einem Jahresstromverbrauch von bis zu 6.000 Kilowattstunden sollen die Einbindung ihres Meßsystems in ein Kommunikationsnetz ablehnen können. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland verbraucht etwa 3.500 Kilowattstunden.

„Es bleibt zu hoffen, daß die Stellungnahmen der Länderkammer und Verbraucherverbände im weiteren Gesetzesverfahren Eingang finden“, betont VDGN-Präsident Peter Ohm. Auf keinen Fall dürfe mit dem neuen Gesetz in die Verbrauchersouveränität eingegriffen werden.

Hagen Ludwig

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