Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Trinkwasser bald aus dem Supermarkt?

Politik muß endlich Farbe bekennen und konsequent gegensteuern

Innerhalb des letzten Jahres gab es in überregionalen Medien um die hundert Meldungen zur Beeinträchtigungen der Wasserqualität in Deutschland. Vielerorts kämpft die Wasserwirtschaft mit ernsthaften Problemen. Aktuell bedroht die wachsende Sulfat-Belastung Brandenburg und bald wohl auch Berlin. Bereits im August wandte sich der VDGN angesichts der alarmierenden Werte (186 Milligramm je Liter) schriftlich an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, das Bundesministerium für Umwelt und an das Brandenburger Ministerium für Umwelt.

Politik bagatellisiert
Im Ergebnis ließ Bundesministerin Barbara Hendricks in ihrem Auftrag lapidar mitteilen, daß es ihr nicht möglich sei aktiv zu werden, da der Gewässerschutz den Ländern obliegt. Und seitens der Länder Berlin und Brandenburg verwies man auf den „Krisengipfel“, der inzwischen am 20. November streng geheim tagte – ohne nennenswertes Ergebnis.

In der Trinkwasserprobe der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) vom 13. Oktober stellte das Wasserlabor einen Sulfatwert von 201 Milligramm je Liter (mg/l) fest. Die Belastung des Spreewassers soll bereits bei 300 mg/l liegen. Rein rechnerisch dürfte damit der Grenzwert von 250 mg/l bei gleich bleibender Entwicklung bereits Ende Januar 2016 auch in Berlin erreicht sein.

Um die Wasserqualität weiter zu gewährleisten, sollte 2015 das Wasserwerk Müllrose (FWA) saniert und Leitungen nach Frankfurt/Oder gebaut werden. Es hakt an der bislang ungeklärten Finanzierung (6,2 Millionen Euro). Die bundeseigene Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sieht noch keinen Handlungsbedarf und drückt sich erfolgreich darum, ihren Anteil in Höhe von 45 Prozent an dem Projekt zu zahlen.

Leichtfertig setzt die Politik die Versorgung und Gesundheit tausender Menschen aufs Spiel und nimmt auch durch Sulfat hervorgerufene materielle Schäden wie die Korrosion an Rohrleitungen oder im Wasser stehenden Betonbrückenpfeilern in noch nicht absehbarer Höhe in Kauf.
Nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe würde eine technische Lösung des Sulfat-Problems allein im Wasserwerk Friedrichshagen etwa 30 Millionen Euro kosten und den dort geförderten Kubikmeter Trinkwasser um ca. 20 bis 50 Cent teurer machen. Und sollte sich die Befürchtung, daß das Wasserwerk Friedrichshagen geschlossen werden muß, bewahrheiten, würden sich auch Berlins Probleme mit steigendem Grundwasser weiter verschärfen.

Klare Vorgaben fehlen
Große Probleme bereiten zudem bundesweit Nähr- und Schadstoffeinträge durch die Landwirtschaft – Böden und Grundwasserkörper sind vielerorts belastet, wie durch Stickstoffeinträge in Form von Nitrat beispielsweise. Seine Verbindungen gelten als krebsfördernd. Das kritisiert auch die EU-Kommission (Das Grundstück, 2/3-2015). Doch die Politik sträubt sich, klare Richtlinien vorzugeben. Das Bundeslandwirtschaftsmi-nisterium blockiert Maßnahmen zur Reduzierung von Nitrateinträgen seit langem. Neben dem VDGN drängten Vertreter der Wasserwirtschaft wie der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) endlich auf klare Vorgaben und eine Novelle der Düngemittel-Verordnung, die den Namen auch verdient. Besonderes Augenmerk muß der strikten Einhaltung des Grenzwertes für Nitrat von 50 mg (Milligramm) pro Liter und einem Bußgeldkatalog für Unbelehrbare gelten.
Und auch die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die am 22. Dezember vor 15 Jahren eingeführt wurde (die Gewässer bis Ende des Jahres 2015 in einen guten ökologischen Zustand zu überführen), hat Deutschland klar verfehlt.

Der VDGN verwies in seiner Stellungnahme zur WRRL im Juni ausdrücklich darauf, daß für Maßnahmen zur Reduktion des Eintrages gewässerbelastender Nähr- und Schadstoffe die Verursacher wie Landwirtschaft und Bergbau in die Pflicht zu nehmen sind und nicht allein die Bürger über die Hintertür durch steigende Preise zur Kasse zu gebeten werden.

Monika Rassek


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