Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Mit Pellets oder Öl heizen?

Telefonforum zum Thema Heizen

Seit dem 25. September 2015 müssen alle neuen Heizungsanlagen mit einem Energielabel versehen sein, ähnlich den Küchengeräten. Was bedeutet das für unsere alte Heizung? Antworten zu Fragen rund um die Heizung gab Birgit Holfert (im Bild), Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, im Telefonforum des VDGN.

Wie finde ich die richtige Heizung? Welches Heizgerät ist am effizientesten und welches paßt zu meiner Heizungsanlage?
Zuerst sollte man eine Bestandsaufnahme des Hauses machen, um diese Frage beantworten zu können. Wurde das Haus in den letzten Jahren energetisch verbessert, neue Fenster, Dachdämmung o.ä. Wenn ja, dann sollte erst einmal eine aktuelle Heizlastberechnung gemacht werden, bevor man einen neuen Kessel einbauen läßt. Denn ist der Kessel zu groß, also überdimensioniert, kann er nicht so effizient und kostensparend arbeiten, wie ein korrekt auf den Bedarf ausgelegter Kessel. Außerdem ist natürlich die Frage nach dem Brennstoff wichtig: Liegt eine Gasleitung vor der Tür? Oder möchte ich lieber mit erneuerbaren Energien heizen?

Was bringt das neue Heizungslabel?
Das Energielabel für Neue Heizgeräte soll die „Raumheizungsenergieeffizienz” der Geräte vergleichbar machen, der Verbraucher soll sich also für eine möglichst effiziente, schadstoffarme Heiztechnik entscheiden können.

Aber: Die auf dem Etikett ausgewiesene Energieeffizienz ist ein theoretischer Wert, der auf dem Prüfstand ermittelt wurde und kann nicht so einfach auf eine Bestandsanlage übertragen werden. Denn was nützt mir eine hocheffiziente Wärmepumpe, wenn gar keine Fußbodenheizung vorhanden ist und hohe Heizungsvorlauftemperaturen benötigt werden? Dann wäre sehr wahrscheinlich ein Pelletkessel die bessere Entscheidung.

Insofern kann man vom Label allein nicht die richtige Kaufentscheidung treffen. Besser ist es, sich vor dem Einbau einer neuen Heizung ausführlich beraten zu lassen, zum Beispiel durch einen Energieberater der Verbraucherzentrale.

Sind Wärmepumpen, Brennwertkessel oder Pelletöfen damit nun wirklich vergleichbar?
Nein, sind sie nicht. Die Geräte sind nur dann effizient, wenn die Gesamtanlage – also Kessel, Rohre, Regelung und Heizkörper zueinander passen. Deshalb kritisiert die Verbraucherzentrale auch das Energielabel für Neue Heiztechnik – es verwirrt die Verbraucher eher und führt zu noch mehr Beratungsbedarf. Brennwerttechnik und Wärmepumpen benötigen niedrige Heizungstemperaturen, um wirklich effizient arbeiten zu können. Sind die Voraussetzungen hierzu nicht vorhanden, sollte man sich entweder für eine andere Heiztechnik entscheiden, oder man muß am Haus Veränderungen vornehmen, um die Temperaturen absenken zu können.

Wir überlegen, ob wir eine Fußbodenheizung in unser Haus einbauen lassen. Können wir dazu das alte Leitungssystem nutzen oder muß etwas ganz neu installiert werden? Und ist Fußbodenheizen sinnvoll?
Das alte Rohrleitungssystem muß komplett erneuert werden, da sich in den alten Leitungen Schmutz und Kalk an den Rohrwandungen abgesetzt haben, was die Effizienz der neuen Heizung erheblich reduzieren würde. Fußbodenheizungen arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen (unter 40 Grad Celsius) und können hervorragend mit Wärmepumpen und Brennwertgeräten kombiniert werden. Weil der gesamte Fußboden als Wärmespeicher genutzt wird, ist eine sehr gleichmäßige Wärmeverteilung in den Räumen gegeben. Der Nachteil ist, daß sie aufgrund dieses Flächenspeichers nur sehr langsam auf veränderte Bedingungen reagieren (z. B. auf Raumerwärmung durch Wintersonne). Eine ausgeklügelte und gut eingestellte Regelung ist daher unverzichtbar für diese Art der Heizung.

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