Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Füreinander einstehen

Von Eckhart Beleites, Vizepräsident des VDGN

Das Problem wurde lange Zeit unterschätzt, aber nun wissen wir es sicher: Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt wesentlich stärker als früher angenommen. 4,42 Millionen pflegebedürftige Personen werden es im Jahr 2060 sein, 221.000 mehr als die bisherigen Prognosen ausgewiesen hatten. So hat es die Krankenkasse Barmer GEK für ihren neuesten Pflegereport ermittelt. Die Studie zeigt auch: Dramatisch wachsen wird der Anteil hochbetagter Pflegebedürftiger. 85 Jahre oder älter werden im Jahr 2060 rund 60 Prozent der pflegebedürftigen Männer und ca. 70 Prozent der pflegebedürftigen Frauen sein. Heute sind es nur 30 bzw. 50 Prozent. Und: Immer mehr der Betroffenen werden ihre Pflege nicht in Heimen, sondern zu Hause in den vier Wänden der Familie erfahren.

Die Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vollziehen wird, ist eine Herausforderung an die gesamte Gesellschaft. Der VDGN stellt sich ihr, nimmt sie ganz bewußt an. Gerade für die Menschen, die im Eigenheim oder einer Eigentumswohnung leben, stellen sich besondere Fragen. Zum Beispiel: Wie kann ich mein Wohneigentum gestalten, daß es für mich auch dann zum Wohnen taugt, wenn ich selbst zu den Pflegebedürftigen gehöre? Denn die Wahrscheinlichkeit, irgendwann selbst pflegebedürftig zu sein, nimmt mit dem Zeitablauf zu. Oder: Wie kann ich vorsorgen, daß von mir geschaffenes Eigentum in der Familie erhalten bleibt? Denn schnell ist der Staat dabei, dies Eigentum anzugreifen, wenn es um die Kosten der Pflege geht. Oder: Wie kann ich sichern, im Zweifelsfall die mir zustehende Pflegestufe oder den meinen körperlichen Gegebenheiten angemessenen Behinderungsgrad zu erhalten? Denn mit der Zahl der Pflegebedürftigen nimmt auch die Zahl der Streitfälle um die besagten Einstufungen zu.

Unser Verband unternimmt seit einiger Zeit die ersten Schritte auf diesem Gebiet. Viel positiven Zuspruch hat die Einführung des VDGN-Pflegerechtsschutzes für unsere Mitglieder und deren nahe Familienangehörige erfahren. Um unsere Kompetenz zu stärken, wurden und werden entsprechende Fachgruppen gegründet, die unser Beratungsangebot zum Leben und Wohnen im Alter sowie zur Pflege unterstützen. Dieses Aufgabengebiet wird sich so zu einer der tragenden Säulen in der Tätigkeit des VDGN entwickeln. Unser Ziel im Sinne und Interesse der Mitglieder: Was in langen Jahren erarbeitet worden ist, muß im Alter und auch für kommende Generationen gesichert, ein Leben in Würde, familiärer Geborgenheit und auch in der gewohnten Umgebung für alle Pflegebedürftigen ermöglicht werden.

Ach was, mag dieser oder jener von den Jüngeren denken, das sind Probleme, die für mich weit in der Zukunft liegen. Wer sich aber in seinem Bekanntenkreis umhört, wird erfahren, wie schnell Familien sich mit großen Herausforderungen konfrontiert sehen, weil eines ihrer Mitglieder plötzlich zum Pflegefall wird. In unserem Verband soll es sein wie in einer guten Familie: Wir stehen füreinander ein. Das entspricht dem Solidargedanken, dem der VDGN seit Beginn seines Bestehens folgt.

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