Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Ab in die Thermoskanne

Berlin-Adlershof: Neue Power-to-Heat-Anlage wandelt überschüssigen Strom in Wärme um

Foto: BTB

„Während meines Studiums hieß es noch, wer mit Strom heizt, ist verrückt“, sagt der Leiter des Heizkraftwerkes Adlershof, Felix Klinkenberg. Doch jetzt ist vieles im Umbruch. Nach dem Fernheizwerk Neukölln setzt  in Berlin jetzt auch das Heizkraftwerk der BTB mbH in Adlershof auf eine hochmoderne Power-to-Heat-Anlage, in der ein Teil des Wassers für das Fernwärmenetz mit Hilfe von Strom bis auf 115 Grad erhitzt wird. Die Investitionssumme liegt bei gut einer Million Euro, kürzlich ist sie in Betrieb gegangen. Das Ganze  funktioniert nach dem Prinzip des guten alten Tauchsieders. Oder besser noch: „Wie ein Durchlauferhitzer, allerdings in einem viel größeren Maßstab“, sagt Klinkenberg. Strom taugt wieder zum Heizen, doch woher kommt der Sinneswandel?

Mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien wird es künftig zwangsläufig  je nach Wetterlage immer häufiger und stärker zu Frequenzschwankungen im Stromnetz  kommen. Doch ein Überangebot an Strom gefährdet das Netz, deshalb wird heute noch abgeregelt – Windräder stehen still, obwohl eine frische Brise weht. Um das zu verhindern, suchen die Netzbetreiber bereits jetzt händeringend nach Verbrauchern, die in solchen Fällen schnell Leistung aus dem Netz nehmen und sinnvoll nutzen. Etwa 1.000 Mal ist das im vergangenen Jahr in Deutschland der Fall gewesen. Wer den Strom dann auf  Abruf verbraucht, bekommt sogar noch Geld dafür oder erhält ihn zumindest kostenlos.

Hier setzt die Power-to Heat-Technologie (P2H) an. Der ansonsten überschüssige Ökostrom wird mittels dieser Anlagen in Wärme umgewandelt und so für eine gewisse Zeit de facto speicherbar:  Ein einfaches Prinzip, das zu einem wichtigen Schlüssel für den Erfolg der Energiewende werden kann. In Adlershof hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Dort ist man bereit, flexibel auf ein schwankendes Stromangebot zu reagieren und unter dem Strich noch Geld und fossile Energieträger zu sparen, wie jüngst bei einem von der Agentur für Erneuerbare Energien organisierten Vor-Ort-Termin demonstriert wurde.

Voraussetzung war die Schaffung von Speichermöglichkeiten. Bereits vor drei Jahren wurden auf dem Gelände des Heizkraftwerkes Wärmespeicher aufgestellt – fünf 23 Meter hohe Türme mit einer Kapazität von jeweils 400 Kubikmetern, die wie Riesen-Thermoskannen funktionieren. Effektvoll und weithin sichtbar zeigen nachts bunt leuchtende Ringe an, wie viel gespeicherte Wärme in den Türmen steckt. „Damit haben wir nicht nur die Versorgungssicherheit erhöht, sondern auch die Wärme- von der Stromversorgung zeitlich entkoppelt“, so Klinkenberg.

Denn das durch Abwärme bei der Stromerzeugung erzeugte Heißwasser kann nun entweder direkt in das Fernwärmenetz oder auf Reserve in die fünf großen „Thermoskannen“ eingespeist werden. Dort verliere das anfangs 115 Grad heiße Wasser in 14 Tagen lediglich 2 Kelvin an Temperatur, erläutert Diplom-Ingenieur Klinkenberg.

Künftig kann in den Türmen nun auch bei Bedarf das in der Power-to-Heat-Anlage erhitzte Wasser gespeichert werden, wenn es nicht direkt in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Die P2H-Anlage hat eine Leistung von 6 MW. Der Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Strom in heißes Wasser liegt bei nahezu 100 Prozent. „Fachsprachlich nennt man das Bereitstellung von negativer Sekundärregelleistung", erläutert Klinkenberg.

Zudem hat die Netzgesellschaft direkten Zugriff auf mehrere Gas- und Dieselmotoren des HKW Adlershof und kann deren Leistung je nach Strombedarf regulieren. Beste Aussichten also dafür, daß die Adlershofer Anlagenkombination aus P2H-Anlage, Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmespeichern  zu einem – im wahrsten Sinne des Wortes – leuchtenden Beispiel für die flexible Vernetzung von Wärme- und Strommarkt wird.

Hagen Ludwig

Weitere Informationen zum Heizkraftwerk:  www.btb-berlin.de/de/adlershof.html             

 

 

 

 

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