Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Tonnenboys auf Wertstoffsuche

Berlin Recycling sammelt Papier, Glas und Gewerbeabfälle für die Wiederverwertung

Seit vier Jahren ist Stephan Hartramph Vertriebs- und Marketingchef bei Berlin Recycling. Im Hintergrund der alljährliche Firmenkalender, auf dessen Seiten dieses Jahr jeweils eigene Mitarbeiter und Volleyballspieler der BR-Volleys zu sehen sind, deren Nachwuchsarbeit das Entsorgungsunternehmen gern unterstützt: „Wir ermöglichen Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in Sportvereinen wie bei den Berlin Recycling Volleys, beim 1. FC Union oder den Füchsen Berlin.“
"Tonnenboy" bei der Arbeit. Über 100 Fahrzeuge von Berlin Recycling sind in der Hauptstadt unterwegs, entleeren Container, sammeln Papier, Glas und Gewerbeabfälle

„Papier ist kein Gold.“ Knapp und plakativ umreißt Stephan Hartramph, Vertriebs- und Marketingchef bei Berlin Recycling, die Situation auf dem Altpapiermarkt. Zwar sind Karton, Pappe, Papier weiterhin begehrt, werden in Deutschland zum Großteil wiederverwertet. Doch sind die Zeiten vorbei, als man sich mit kostenlos abgeholtem Altpapier ein „goldenes Näschen“ verdienen wollte. Kürzlich geriet ein Berliner Unternehmen deshalb in Schwierigkeiten. Seine Kunden in Siedlungsgebieten, darunter viele VDGN-Mitglieder, warteten wochenlang auf die Leerung. Umsonst, die Blauen Tonnen blieben voll.

Das Entsorgungsunternehmen Berlin Recycling sprang da helfend in die Bresche. Der nach eigenen Angaben größte Entsorger der Hauptstadt für Papier, Glas und Gewerbeabfälle reagierte auf die Nöte. Allerdings: „Eine kostenlose Abholung von Altpapier, das rechnet sich für keinen. Wir machen ein faires Angebot und leeren die 240-Liter-Tonne für 2,38 Euro alle 4 oder 8 Wochen“, erzählt Stephan Hartramph. Das überzeugte nicht wenige Neukunden.

Im Jahr 2000 als hundertprozentige Tochter der Berliner Stadtreinigung BSR gegründet, hat sich Berlin Recycling zu einem „wirtschaftlich stabilen Unternehmen mit exzellenten Zukunftsaussichten“ entwickelt, wie Hartramph betont. „Bei immer knapper werdenden Rohstoff-Ressourcen weltweit kommt der Wiederverwertung von Altstoffen künftig immer größere Bedeutung zu. Wir nehmen die Herausforderung an und sind dabei mindestens auf Augenhöhe mit ALBA und Bartscherer, den beiden anderen großen Mitbewerbern auf dem Berliner Recyclingmarkt.“

Der 40-jährige Diplomkaufmann und Prokurist verweist auf mittlerweile 40.000 private Kunden und 15.000 Gewerbekunden. Was Berlin Recycling sammle, werde später zum Großteil wiederverwertet, bei Papier und Glas seien es fast hundert Prozent. Andere in der Branche haben Sorgen ihre Müllverbrennungsanlagen auszulasten. „Da gibt es deutschlandweit Überkapazitäten. Dieses Problem haben wir gottlob nicht“, erklärt Hartramph. Doch auch Berlin Recycling müsse einen bestimmten Müll-Anteil der thermischen Verwertung zuführen: „Aus technologischen Gründen, daraus werden sogenannte Ersatzbrennstoffe.“

Beim Sammeln und Trennen von Papier und Glas sei Deutschland im internationalen Vergleich einsame Spitze. Und was sagt er Verfechtern der Meinung, Mülltrennung sei völlig überflüssig, weil am Ende sowieso alles zusammengeworfen werde? „Die Legende hält sich hartnäckig und ist doch falsch!“ Er schildert ein Beispiel: Bei der Wiederverwertung von Glas müsse peinlich genau zwischen Weiß- und Grünglas unterschieden werden. Denn am Ende sollen daraus wieder grüne und weiße Flaschen werden. Über Material- und Farbreinheit wachen die Abnehmer in der Getränkeindustrie mit strengem Blick. Kleinste Einschlüsse fremden Materials sind ein K-O-Kriterium, denn sie beeinträchtigen die Bruchsicherheit. „Daher legen unsere Tonnenboys (so die offizielle Bezeichnung der Mitarbeiter vor Ort – d. Red.) auch größten Wert auf sauber getrennten Müll. Hält ein Container ihrer Sichtkontrolle nicht stand, bleibt er stehen und wird mit einem Hinweis-Aufkleber versehen“, beschreibt Hartramph das Vorgehen.

Gerade in Berliner Siedlungsgebieten hat das Unternehmen viele Stammkunden und tut einiges dafür, sie zu halten. Für Eigenheimbesitzer in Mahlsdorf, Kaulsdorf und Biesdorf führte Berlin Recycling 2012 ein Komfortpaket ein, das neben der regelmäßigen Papierentsorgung auch zweimal jährlich Fensterputz mit Rahmenwäsche sowie die Laubentsorgung vorsieht – und den gesamten Winterdienst. „Auch wenn dieser Winter nicht der Rede wert war, schon der nächste kann sich von einer rauheren Seite zeigen. Und dann sind unsere Kunden, gerade viele ältere Menschen, auf der sicheren Seite“, wirbt Hartramph mit den Vorteilen. Die besondere Offerte, die auf Anregung des damaligen VDGN-Präsidenten Eckhart Beleites zustande kam, ist aktuell für 547,50 Euro pro Jahr zu haben.

Den VDGN schätze man als anerkannten und ernstzunehmenden Interessenvertreter von Grundstücksbesitzern, zudem lege man viel Wert auf Nähe zum Kunden. Gute Gründe für die Mitgliedschaft von Berlin Recycling in zwei Vereinen unter dem Dach des Verbands – dem Förderverein örtlicher Unternehmer (seit 2011) und dem Verein zur Förderung und Pflege der städtischen und kommunalen Umwelt (VfU). Der Vertriebs-chef berichtet stolz über die Bewerbung um das VDGN-Zertifikat in der höchsten Stufe „Excellence“. Die Jury nahm kürzlich die Kundenbeziehungen und das Qualitätsmanagement von Berlin Recycling sowie weitere Kriterien genauer unter die Lupe. Noch steht das Ergebnis aus, aber Stephan Hartramph zeigt sich gelassen-optimistisch.

Kerstin Große

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