Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Leck in der Leitung?

Wie undichte Abwasser-Hausanschlüsse erkannt und saniert werden


Nach Schätzungen der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. werden bundesweit ca. 900.000 km Abwasserleitungen auf privatem Grund und Boden betrieben. Darunter befindet sich ein großer Anteil von Abwasserleitungen auf privaten Grundstücken zur Entwässerung von Einfamilienhäusern über die auf der anliegenden Straße verlaufende Kanalisation. Man geht davon aus, daß bundesweit ca. 40 Prozent der Grundstücksleitungen Schäden haben und somit das ungereinigte Abwasser versickern kann.

Warum müssen die Anlagen zur Grundstücksentwässerung dicht sein? Hier geht es um den Schutz der Umwelt, denn undichte Anlagen verschmutzen das Erdreich und das Grundwasser.

Den wesentlichen rechtlichen Rahmen bildet das Wasserhaushaltsgesetz (WHG ) des Bundes in Verbindung mit den Landeswassergesetzen (LWG), den jeweiligen Abwassersatzungen der Verbände und Kommunen sowie den in DIN-Normen und anderen Regelwerken festgeschriebenen sog. allgemein anerkannten Regeln der Technik.

Für die Untersuchung und den Nachweis der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen im privaten Bereich sind insbesondere die DIN 1986 Teil 30“ Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Instandhaltung „ sowie die DIN EN 1610 „Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen“ relevant.

Grundsätzlich sind alle auf dem Grundstück im Boden verlegten Leitungen inklusive evtl. vorhandener Schächte zu prüfen, die zeitweilig oder ausschließlich Schmutzwasser (z. B. aus WC, Dusche, Waschbecken) oder Mischwasser (d.h. Schmutzwasser mit Niederschlagswasser gemischt) führen oder führen können. Dabei sind sämtliche Anlagen auf dem Grundstück inklusive aller Seitenstränge zu berücksichtigen, auch die unter der Bodenplatte oder im Keller des Gebäudes.

Ob die Prüfverpflichtung an der Grundstücksgrenze, am Hausanschlußschacht oder erst im öffentlichen Bereich am Sammelkanal endet, ist in den zuständigen kommunalen Abwassersatzungen festgelegt und variiert somit von Verband zu Verband.

In Berlin z. B. sind die Grundstückseigentümer für sämtliche hinter dem Hausanschlußschacht gelegenen Grundleitungen vollständig selbst verantwortlich.

Gerade bei diesen Hausanschlußleitungen werden häufig Schäden festgestellt. Anders als beim Bau kommunaler Kanäle erfolgt beim Bau privater Leitungen in der Regel keine Bauabnahme mittels TV-Kamera oder Dichtheitsprüfung. Oft wurden Leitungen durch den Hauseigentümer oder in „Nachbarschaftshilfe“ verlegt. Das Ergebnis sind nicht selten Undichtigkeiten wegen fehlerhafter Rohrverbindungen, Material- und Dimensionswechsel, nicht verschlossene Altabzweige und vieles mehr. Darüber hinaus entstehen in den Jahren der Nutzung Schäden wie Rißbildung, Rohrbrüche, Ablagerungen in den Rohren, Korrosion und Wurzeleinwüchse.

Grundsätzlich muß man je nach Schadensbild entscheiden, ob ein Neubau oder eine Sanierung sowohl technisch als auch finanziell der gangbarste Weg ist.

So wurden in den letzten Jahren mehrere Verfahren entwickelt, um Kanäle grabenlos sanieren zu können. Wurzeln und harte Ablagerungen können z. B. herausgefräst werden. Dabei entstandene undichte Stellen werden mit Inlinern saniert. Hierbei wird ein Schlauch über die gesamte Länge oder teilweise in die Leitung eingeklebt. Nach dem Einbau des Inliners werden Seitenabläufe mit Hilfe eines Fräsroboters geöffnet. Undichte Schächte und Abwassergruben können durch Beschichtung abgedichtet werden. Durch Flutungsverfahren können Leitungssysteme, die sonst schwer zugänglich sind wie z. B. Leitungssysteme unter einer Gebäudeplatte, mit einem 2-Komponentengel abgedichtet werden.

Es gibt grundsätzlich kein universelles Sanierungsverfahren. Für die Planung einer Sanierung muß klar sein, welcherart Schäden vorliegen. Dann kann entschieden werden, welches Verfahren technisch und kostenmäßig geeignet ist. Daher muß das Leitungssystem in jedem Fall zunächst gereinigt und auf Dichtheit geprüft werden. Grundsätzlich ist zu beachten, daß eine Reinigung der Anlagen im Vorfeld der Kamerauntersuchung immer zwingend erforderlich ist. Ein Inspektionsangebot ohne vorherige Reinigungsleistung ist als unvollständig zu werten.

Wenn Sie die Leitungen auf Ihrem Grundstück überprüfen lassen wollen oder müssen, sollte eine Grundvoraussetzung dafür sein, daß das ausführende Unternehmen über die erforderliche Technik und entsprechendes qualifiziertes Personal, insbesondere ausgebildete TV-Inspekteure, verfügt.
Denn aktuell mehren sich die Fälle von unseriösen Anbietern, die zunächst billige Inspektionen an der Haustür anpreisen, um dann anschließend eine überteuerte Reinigung zu verkaufen. Oftmals wird anschließend mit Kamerabildern von sogenannten Kanaluntersuchungen operiert, die angeblich dokumentieren, wie marode die Leitungen auf Ihrem Grundstück sind. Die Fotos, die den angeblich schlechten Zustand Ihrer Leitungen zeigen, können von irgendeinem Grundstück stammen und haben dann mit Ihrem Grundstück nichts zu tun. Ein überstürztes Handeln und der Abschluß solcher Verträge an der Haustür sind weder erforderlich noch sinnvoll und bergen die Gefahr in sich, nicht fachgerechte Leistungen zu überhöhten Preisen einzukaufen.
Über die Fachgruppe Wasser / Abwasser und den Unternehmenspool des VDGN sind wir dabei, einen Firmenkreis aufzubauen, der zugelassen ist für notwendige Sanierungsarbeiten an Rohrleitungen, vor allem auch in Trinkwasserschutzgebieten.

Peter Beisert, Ilonka Rettig

Wenn Sie Fragen zu dem Problemkreis haben oder Kontakt mit uns oder einer zugelassenen Firma aufnehmen wollen, wenden Sie sich bitte an folgende Telefon -Nummern: 030 65 66 11 715 (Fachgruppe Wasser /Abwasser) oder 030 65 66 11 720 (Unternehmenspool).

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