Verband Deutscher Grundstücksnutzer

19.09.2019

Modern sieht anders aus

Alles soll so bleiben, wie es ist - Studie aus Bundesinstitut verweigert sich der wirklichen Probleme im Kleingartenwesen

Mit einer aufwendigen Studie unter dem Titel "Kleingärten im Wandel" widmet sich das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) der Entwicklung des Kleingartenwesens in Deutschland. Doch diese Studie gibt leider keine Impulse für einen wirklichen Wandel. Sie setzt darauf, die jetzigen Rahmenbedingungen für die Kleingartennutzung starr beizubehalten statt eine Anpassung an die Lebenswirklichkeit anzustreben.

Aus Sicht des VDGN und einer großen Zahl von Kleingärtnern ist diese Anpassung bitter nötig. Sie muß über Änderungen des Bundeskleingartengesetzes erfolgen. Dabei geht es darum, die Vorgaben für die Bewirtschaftung der Kleingärten und für die Größe der Lauben und anderer Baulichkeiten sowie deren Ausstattung zu lockern. Zudem sollten Möglichkeiten für die Versorgung mit Strom und Wasser sowie die Abwasserentsorgung heutigen Bedürfnissen angepaßt werden. Das würde dem teilweise dramatischen Leerstand von Kleingartenparzellen in kleinen und mittleren Städten - insbesondere im Osten Deutschlands - entgegenwirken, aber auch Rechtssicherheit für die Kleingartenpächter in den Ballungszentren schaffen, bei denen zumeist nicht mehr der Eigenanbau von Obst und Gemüse im Vordergrund steht. Über die Bedeutung florierender Kleingärten in Stadt und Land für das Klima und als Oase für Bienen und andere Insekten besteht Einigkeit. Das beutet aber auch, daß eine Vielfalt insektenfreundlicher Pflanzen statt nur Gemüsekulturen angebaut werden sollte.

Die BBSR-Studie verschließt sich de realen Problemen und dringt in ihren Handlungsempfehlungen auf konsequente Umsetzung des Bundeskleingartengesetzes in seiner derzeitigen Gestalt, wobei sie explizit die Einhaltung der jetzigen Bestimmungen zur kleingärtnerischen Nutzung, zur Laubengröße und zu den Ver- und Entsorgungsmedien zum Dreh- und Angelpunkt erhebt. Methodisch geht die Studie bewußt einseitig vor, indem sie das Kleingartenwesen in "verdichteten Räumen" in den Fokus nimmt. Das Großproblem des Leerstands in der Fläche wird damit ausgeblendet. Wie akut es ist, zeigt die Forderung der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern nach einer Novellierung des Bundeskleingartengesetzes - eben aus den vom VDGN vertretenen Gründen.

Den in den großen Städten vom Verlust ihrer Parzellen bedrohten Kleingartenpächtern leistet die Studie einen Bärendienst, indem sie zur Kompensation das Konzept der "Nachverdichtung" empfiehlt. Das heißt: Die Kleingärtner sollen das Plattmachen von Kleingärten zum Zwecke der anderweitigen Bebauung - oft genug mit Luxuswohnungen - akzeptieren und sich selbst behelfen, indem sie die vorhandenen Gärten teilen. Es wächst die Gefahr, daß dieses Verfahren jetzt zur Leitideologie der Kleingartenverbände im Bund Deutscher Gartenfreunde wird, sowie das in Hamburg schon geschehen ist.

Wo die Studie Bezug nimmt auf aktuelle Trends wie die Gestaltung von Kleingartenparks, die Öffnung der Kleingartenanlagen für alle (die allerdings seit jeher Vorschrift ist) oder den Städtischen Gartenbaus (neudeutsch: Urban Gardening), ist dagegen nichts einzuwenden. Mit dem Kernproblem allerdings, der Weltfremdheit einiger Bestimmungen des Bundeskleingartengesetzes hat es nichts zu tun.