Verband Deutscher Grundstücksnutzer

23.07.2019

Mobilität nicht nur für die Innenstadt planen

Oliver Igel, Bürgermeister des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick, im Gespräch mit dem VDGN

Die Außenbezirke Berlins müssen bei der Verkehrspolitik des Senats mehr Beachtung finden. Das hat der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel, bei einem Interview für die VDGN-Zeitschrift "Das Grundstück" gefordert.
Zur Situation beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sagte er: "Der öffentliche Nahverkehr wird vom Berliner Senat organisiert und verantwortet. Das ist auch völlig richtig, denn der Blick muß über die ganze Stadt reichen. Bisher war er allerdings immer innenstadt-zentriert. Ein Beispiel: Der Bezirk Treptow-Köpenick war der letzte Bezirk in Berlin, in dem bis vor zwei Jahren noch die alten Tatra-Straßenbahnen fuhren. Für ältere Menschen, Leute mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer war das selb-ständige Ein- und Aussteigen wegen der Stufen schwer bzw. unmöglich. In der Innenstadt fuhr da schon die x-te Generation von Niederflurbahnen. Und während man dort einen Takt von weniger als zehn Minuten hat, haben wir hier Gebiete, die sind mit dem öffentlichen Nahverkehr nur im 20- oder 30-Minuten-Takt erreichbar. Manche Linien werden nach 18 oder 20 Uhr ganz eingestellt. Die senatsgelenkte Verkehrsorganisation berücksichtigt die Außengebiete zu wenig, gar nicht zu reden von einer Abstimmung mit den Umlandgemeinden. Wir als Bezirk kämpfen seit Jahren darum, die Verkehrsleistung zu erhöhen, so daß die Linien in kürzeren Abständen fahren. Das ist die eine, große Baustelle."
Wie berichtet, hat der VDGN kürzlich ein eigenes Zehn-Punkte Mobilitätsprogramm für Berlin und Brandenburg vorgelegt. Ein Punkt dabei ist der Vorschlag, schrittweise das Ein-Euro-Ticket im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg einzuführen. Oliver Igel hält das für "eine sehr gute, mutige Idee". Unter jetzigen Bedingungen würde jedoch der ÖPNV zusammenbrechen. Deshalb, so Igel, brauche man für solche Modelle einen wirklich großen Plan, den öffentlichen Nahverkehr massiv auszubauen. "Was nicht geht: daß wieder nur die Innenstadt profitiert und wir in den Außenbezirken „Neese“ sind, wie der Berliner sagt", so der Bezirksbürgermeister.

Den vollständigen Text des Interviews, bei dem es auch um die Straßentangente TVO, um marode Brücken und um die Verkehrsanbindung des Stadions des Erstligavereins 1. FC Union an der Alten Försterei geht, lesen Sie hier (bitte anklicken).