Verband Deutscher Grundstücksnutzer

14.09.2017

Mindestens 3 Milliarden Euro für Tegel-Schallschutz nötig

VDGN: Anwohner müssen vor krankmachendem Lärm bewahrt werden – das gilt aber auch für den BER in Schönefeld

Für den Fall, daß der Flughafen Berlin-Tegel offengehalten wird, rechnet der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) mit Kosten für den Lärmschutz der betroffenen Anwohner von mindestens 3 Milliarden Euro.

„Genau kann das niemand sagen. Aber wir gehen davon aus, daß dann für die Tegel-Betroffenen mindestens dieselben Schutzstandards erstritten werden, die für den BER in Schönefeld gelten“, sagt VDGN-Präsident Peter Ohm. „Am BER müssen jetzt für den Schallschutz durchschnittlich 28.000 Euro für jeden betroffenen Haushalt aufgewendet werden. Würde man das auf Tegel umrechnen, käme bei 300.000 Betroffenen eine Summe von 8,4 Milliarden Euro heraus. Da im Falle Tegel aber wesentlich mehr Menschen in Wohnungen des Geschosswohnungsbaus leben, liegen die Kosten pro Wohneinheit wesentlich niedriger als am BER. Wir setzen vorsichtig ca. 10.000 Euro als Durchschnittswert an. Immerhin wurden schon bei den Tegel-Schallschutzmaßnahmen zwischen 1975 und 1983 ca. 5000 Euro pro Wohneinheit aufgewendet.

Fluglärm macht krank. Es ist schön, daß nun auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) in der Diskussion um die Offenhaltung Tegels diese Wahrheit ausspricht. Sie gilt allerdings auch für den BER Schönefeld. Der VDGN kämpft hier seit Jahren dafür, den Betroffenen den ihnen rechtlich zustehenden Schallschutz zu gewähren. Leider haben wir in Sachen BER bei der Gesundheitssenatorin sowie beim gesamten jetzigen Berliner Senat bisher kein Engagement für die gesundheitlichen Belange der lärmgeschädigten Anwohner in immerhin 26.000 Haushalten (Tag- und Nachtschutz) beobachten können.

Real ist am BER – entgegen den Erfolgsmeldungen der Flughafengesellschaft FBB – im Tagschutzgebiet erst in ganzen 118 von 14.500 Wohneinheiten Schallschutz eingebaut und bezahlt worden. Nachzulesen ist die Zahl im monatlichen Schallschutzbericht der FBB, Stand 31. Juli 2017. Zum Jahresbeginn waren 117 Wohneinheiten. Sieben Monate sind vergangen und nur eine einzige weitere Wohneinheit im besonders betroffenen Tagschutzgebiet am BER wurde geschützt – das ist die bittere Bilanz, die auch die auch der Senat endlich wahrhaben sollte.“

Für den Schallschutz am BER hatte der VDGN schon im Jahr 2011 Kosten in Höhe von 750 Millionen Euro prognostiziert (siehe Journal "Das Grundstück" 11/12-2011). Die Flughafenbetreiber gingen damals von 140 Millionen Euro aus. Derzeit liegen die Angaben über die Kosten des Schallschutzes am BER bei 730 Millionen Euro.