Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wenn das Wasser in den Wänden sitzt

Fragen und Antworten zum Thema Wasserschäden und Schimmel

Feuchteschäden richtig zu analysieren, fällt vielen Hauseigentümern schwer: Wie folgenreich sind die Wasserschäden im Keller? Warum bildet sich an den Wänden Schimmel? Im Telefonforum des VDGN beriet Ingo Thümler (im Bild), Sachverständiger für Feuchte- und Wasserschäden der Otto Richter GmbH Feuchteklinik®, über Ursachen und Lösungen bei Gebäudeschäden durch Feuchtigkeit.

Unsere Wände wurden innen neu verputzt, aber sie trocknen nicht so schnell wie erwartet. Was können wir tun? Und wie lange sollten wir mit der Trocknung warten?
Da in den Sommermonaten durch die warmen Temperaturen die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, trocknen Wände, vor allem im Keller, sehr langsam ab. Hier empfiehlt sich der Einsatz von Kondenstrocknern. Diese entziehen der Raumluft Feuchtigkeit und wälzen die Luft um. Dadurch wird der Trocknungsprozeß beschleunigt. Sind Wände auch in der Tiefe naß, können an diesen Stellen Infrarotheizplatten angebracht werden. Sie erwärmen diese Bereiche, wodurch der Dampfdruck erhöht und die Austrocknung beschleunigt wird. Trocknungsgeräte können zum Eigengebrauch ausgeliehen werden: http://www.feuchteklinik.de/unser-mietkatalog-fuer-2015/

Der Keller unserer Nachbarn steht immer voller Wasser. Beeinträchtigt das die Substanz unseres Doppelhauses? Unser Keller ist trocken.
Doppelhäuser stehen meistens auf einer gemeinsamen Bodenplatte. Damit kann die Feuchtigkeit von einem Keller in den anderen gelangen. Da auf der Bodenplatte meistens eine Dämmung und dann ein Estrich verlegt wurde, ist die Feuchtigkeit nur sichtbar, wenn sie bereits Wände hochzieht.

Besteht der Keller aus Betonwänden, zieht auch hier keine Feuchtigkeit hoch und das Wasser verweilt unbemerkt im Bodenaufbau. In jedem Fall ist eine Feuchtemessung angeraten, um den eventuellen Schaden zu erkennen.

Die Kosten liegen hier etwa bei 150 Euro. Diese lohnen sich jedoch, denn die eingeschlossene Feuchtigkeit setzt einerseits den Dämmwert herab, zum anderen kann sich bei längerem Verweilen Schimmel bilden. Außerdem empfiehlt es sich, die andere Doppelhaushälfte auszutrocknen.

Wir möchten gern ein altes Haus sanieren und haben den Eindruck, es ist ein schimmliger Geruch im Haus. Was sollten wir überprüfen, um sicherzugehen?
Schimmliger Geruch entsteht durch das Freisetzen von gasförmigen mikrobiellen Emissionen (MVOC). Diese deuten auf einen Befall hin, auch wenn dieser auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Es empfiehlt sich eine Raumluftmessung, da diese freigesetzten Mikroorganismen ebenso gesundheitsschädigend wie sichtbarer Schimmelbefall sein können.

Bei einer solchen Messung werden die in der Luft befindlichen Teilchen über ein Sammelmedium gesaugt und von diesem aufgenommen. Im Labor werden diese Stoffe wieder getrennt und die einzelnen Substanzen analysiert und quantifiziert. Meistens erfolgt dies in einem Gaschromatographen. Eine solche Untersuchung dauert bis zu drei Wochen.

Wir haben vor zehn Jahren eine Außenverkleidung an unser Haus anbringen lassen und jetzt bildet sich Schimmel an den Fenstern. Was können wir dagegen tun?
Es ist richtig ein Gebäude zu dämmen, um Energie zu sparen. Aber wie alles im Leben hat auch dieser Eingriff in die Bausubstanz zwei Seiten der Medaille. Es verändern sich auch die bauphysikalischen Verhältnisse hinsichtlich der Raumfeuchte. Kondensat an den Fensterscheiben ist immer ein Hinweis auf zu hohe Raumluftfeuchte. Deshalb sollte besonders intensiv geheizt und gelüftet werden.

Besonders in der kalten Jahreszeit ist der Trocknungseffekt gut sichtbar. Wird das beschlagene Fenster geöffnet, trocknet die Scheibe sehr schnell ab, was dadurch deutlich wird, daß die kleinen Wassertröpfchen auf der Fensterscheibe verschwinden.

Schimmel entsteht, wenn über längere Zeit hohe Luftfeuchten an einem Bereich vorherrschen – auch an den Fensterschenkeln. Die überall in der Luft befindlichen Sporen keimen aus. Besonders gut wachsen sie übrigens auf den Silikonfugen am Fenster, da darin oft Essigsäure enthalten ist und der Untergrund dadurch sauer bis neutral wird. Ein geeigneter Nährboden für Schimmel. Sollte trotz allen Heizens und Lüftens sehr viel Feuchtigkeit am Fenster ausfallen, sollte es in jedem Fall weggewischt werden. Auch könnte die Raumluft über eine Lüftungsanlage entsprechend ausgetauscht werden. Hinweise zu richtigem Heizen und Lüften finden sich unter www.feuchteklinik.de/themen/

Wir haben ein großes Bücherregal an einer Außenwand und erschrocken festgestellt, daß es dahinter schimmelt. Steht das Regal an der falschen Stelle?
Luftfeuchtigkeit dringt in die kleinste Ritze und verteilt sich gleichmäßig in der Raumluft. Auch hinter einem Bücherregal oder im Wäscheschrank. Wärme verteilt sich jedoch in Wellenform. So entsteht ähnlich bei der Sonnenstrahlung ein Schatten. Das Bücherregal verhindert also, daß die Wand dahinter erwärmt wird.

Bleibt die Wand entsprechend kalt, kann hier die Raumluftfeuchte unbemerkt kondensieren und zu Schimmelbildung führen. Außenwände geben mehr Wärme ab als Innenwände. Daher ist es empfehlenswert, große Bücherregale oder Schränke eher an Innenwände zu platzieren. Sollte dies aus Platzgründen nicht möglich sein, können die Außenwände auch zusätzlich mit einer Sockelheizung erwärmt werden. Ein Beispiel findet sich unter www.feuchteklinik.de/objekt-des-monats-mit-einer-fussleistenheizung-schimmel-vorbeugen/

Was sind die häufigsten Bauschäden durch Feuchtigkeit? Was ist zu tun? Worauf zu achten?
Feuchtigkeit tritt einerseits von außen in ein Gebäude ein, zum Beispiel bei einem Schaden am Dach, undichter Fassade oder Fenstern wie auch bei defekter Kellerabdichtung. Andererseits entstehen Feuchteschäden auch im Gebäude durch Rohrbrüche, Rückstauungen der Entwässerung oder durch zu hohe Luftfeuchtigkeit. Die sich daraus ergebenden Schäden sind sehr unterschiedlich. Am häufigsten sind jedoch nasse Keller infolge verstopfter Regenentwässerungen. Diese sollten regelmäßig gereinigt werden. Mehr Infos finden Sie unter www.feuchteklinik.de/experten-empfehlen-herbst-check-schuetzt-vor-winter-frust/

Unser Haus liegt ebenerdig, und wir haben den Eindruck, daß Feuchtigkeit über den Fußboden ins Haus eindringt. Woran kann das liegen?
Steht Wasser von außen am Gebäude an, kann dieses im Bereich des Wand-Boden-Anschlusses eintreten. Dieser Bereich ist besonders sensibel, da hier Schub-, Zug-, Druck- und Scherkräfte auftreten, welche die Abdichtung zerstören können. Bereits kleins-te Risse genügen, um Wasser eintreten zu lassen.

Es empfiehlt sich, das Gelände um das Gebäude so zu gestalten, daß Niederschlagswasser vom Haus weggeleitet wird. Ist die Abdichtung bereits defekt, sollte diese nachgearbeitet werden. Die Ausbildung einer Hohl- oder Flaschenkehle ist nötig, um die Abdichtung „sanft” von der Bodenplatte zur Wand zu führen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.feuchteklinik.de/abdichtung/

Was ist eine richtige Lüftung? Können Sie dazu Tips geben?
Aus hygienischer Sicht empfiehlt sich eine Lüftungsrate von 0,3/h. Das bedeutet, daß die Raumluft in drei Stunden einmal komplett ausgetauscht werden sollte. Für Bäder und Toiletten sollte sie deutlich darüber liegen. Je nach Nutzung zwischen zwei- und sechsmal pro Stunde.

Da ein Gebäude nie komplett dicht ist, erfolgt ein Luftaustausch auch unbemerkt. Wie oft tatsächlich gelüftet werden soll, hängt maßgeblich von der Nutzung und der Ausstattung ab. In jedem Fall ist darauf zu achten, daß die relative Luftfeuchtigkeit im Gebäude unter 60 Prozent liegt, um Schimmelpilzbildung zu vermeiden. Ansonsten empfiehlt es sich, morgens und abends alle Räume ausreichend zu lüften, die sogenannte Stoßlüftung.

In jedem Fall ist darauf zu achten, daß die relative Luftfeuchtigkeit im Gebäude unter 60 Prozent liegt, um Schimmelpilzbildung zu vermeiden. 

Hinweis:

Im Rahmen ihres 25jährigen Firmenjubiläums bietet die Feuchteklinik eine Reihe ganztägiger Veranstaltungen an.

Neben Fachvorträgen wird eine Vielzahl an Sanierungsmöglichkeiten bei Feuchtigkeit im Gebäude praktisch vorgeführt.

Alle Infos finden Sie unter www.feuchteklinik.de/die-otto-richter-gmbh-wird-25-jahre-alt/

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