Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Kein Wundermittel

Baustein im Kampf gegen Einbrecher – Erfahrungen mit künstlicher DNA in Kleinmachnow

Nein, ein Wundermittel im Kampf gegen Einbruch und Diebstahl ist die künstliche DNA (KDNA) sicher nicht. Doch in Kombination mit anderen Präventionsmethoden kann sie ein Baustein sein, um Wohnhäuser vor Einbrüchen zu sichern. Mit dem nahezu  unsichtbaren, synthetisch hergestellten Lack  werden wertvolle Gegenstände im Haus markiert. Jede Abfüllung enthält ganz spezifische künstliche DNA-Stränge und sogenannte Microdots. Die entsprechende Produktnummer wird nach der Markierung in eine Datenbank eingetragen. Mittels UV-Licht kann die Polizei den schwer zu entfernenden Lack dann bei Bedarf auf dem Diebesgut erkennen und es damit zweifelsfrei dem Eigentümer zuordnen. So werden die markierten Gegenstände für die Einbrecher zum Risiko.

Auch Polizeisprecherin Sandy Fenger von der Direktion West in Brandenburg an der Havel glaubt an den Abschreckungseffekt, vor allem wenn Aufkleber am Hauseingang zeigen, daß Einrichtungsgegenstände markiert worden sind.

„Das kann dazu führen, daß mutmaßliche Täter von einem Diebstahl ablassen. Denn wo genau die die KNDA angebracht wurde, weiß in der Regel nur der Eigentümer“, sagt Fenger.

Ein Vorreiter in Sachen KDNA ist die Gemeinde Kleinmachnow im sogenannten Speckgürtel der Bundeshauptstadt, bekannt als Einbruchshochburg. Die Gemeinde kaufte im Jahr 2013 im Zuge eines von der Polizei begleiteten Pilotprojekts 1000 Markierungs-Pakete mit KDNA und gab sie zum Vorzugspreis von 45 Euro an interessierte Bürger ab. Insgesamt 70 .000 Euro hat die Gemeinde in das Projekt investiert, inklusive Werbung. Unter anderem wurden an den Ortseingängen Schilder mit der Information angebracht, daß in der Gemeinde künstliche DNA zum Einsatz kommt.

Doch bei den Bewohnern hat das Projekt nicht so eingeschlagen wie erhofft. Die fühlen sich zwar genervt ob der vielen Einbrüche in ihre Häuser und der Pkw-Diebstähle. Doch die Gemeindeverwaltung hat heute immer noch etwa 350 dieser Sets auf Lager, wie Sprecherin Martina Bellack sagte. Deshalb gibt es die Sets jetzt sogar zum Sonderpreis von30 Euro im Ordnungsamt. Ein Angebot, das übrigens nicht nur für Einwohner Kleinmachnows gilt. Sonst kostet eine Packung, mit der man bis zu 50 Gegenstände markieren kann, etwa 80 Euro. „Wir haben gedacht, daß uns die Sets aus den Händen gerissen werden  und sind schon enttäuscht über die relativ geringe Nachfrage“, sagt Bellack. Zuvor sei immer wieder gefordert worden, daß die Gemeinde etwas tun müsse. „Und so viele Möglichkeiten haben wir ja als Kommune nicht“, so die Sprecherin.

Statistisch läßt sich der Nutzen der KDNA allerdings auch in Kleinmachnow bisher kaum nachweisen. „Da das Anbringen von KNDA freiwillig und nicht flächendeckend erfolgt, läßt sich ein valider Rückschluß auf den Nutzen als Diebstahlsvorbeugung nicht ziehen“, erklärte Polizeisprecherin Fenger auf Anfrage. Immerhin: Die Zahl der Einbrüche in Kleinmachnow ist insgesamt zurückgegangen. So wurden im Jahr 2013 96 Wohnungseinbrüche im Ort angezeigt, im Jahr 2014 waren es nur noch 77. Und vielleicht hat der besondere Lack dabei auch eine Rolle gespielt. Nach Erkenntnissen der Polizei war in keiner der aufgebrochenen Wohnungen KDNA aufgebracht. In der Gemeindeverwaltung hat man indes zumindest von einem Fall gehört. Passiert so etwas, zahle die Herstellerfirma den Preis für das Set zurück. „Das ist natürlich nur ein kleines Trostpflaster, aber eine schöne Geste“, so Gemeindesprecherin Bellack.

Auch andere Kommunen setzen mittlerweile auf KDNA. So markiert die brandenburgische Gemeinde Schönwalde-Glien seit Mai 2015 die technischen Geräte des Bauhofes und der Feuerwehr mit dem besonderen Lack, und örtliche Betriebe folgen dem Beispiel. Ziel sei es, mutmaßlichen Tätern von vornherein zu zeigen, daß dort ein Einbruch keinen Sinn macht, erklärte Bürgermeister Bodo Oehme (CDU).

Hagen Ludwig

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