Verband Deutscher Grundstücksnutzer

So viele Einbrüche wie seit 15 Jahren nicht mehr

Alarmierende Statistik von Polizei und Versicherungen

Quelle: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Von Entwarnung kann keine Rede sein. Rund 152.000 Einbrüche haben Polizei und Versicherungswirtschaft 2014 in Deutschland registriert – so viel wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das ist laut Polizeilicher Kriminalstatistik noch einmal ein weiterer Anstieg um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Diebe kamen meist tagsüber und verursachten Schäden von fast einer halben Milliarde Euro. Der durchschnittliche materielle Schaden nach einem Einbruch liegt mit 3.250 Euro auf hohem Niveau.

Vor zehn Jahren belief sich dieser Wert noch auf 2.350 Euro. Dieser Anstieg liege vor allem auch darin begründet, daß sich heute im Großteil der  Haushalte hochwertige Unterhaltungselektronik, Mobiltelefone, Tablet-Computer und Digitalkameras befinden, heißt es.

Stadtstaaten bleiben Einbruchshochburgen
Einbruchshochburgen bleiben die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Im Freistaat Bayern gibt es zwar immer noch deutlich weniger Einbruchsopfer als im Bundesdurchschnitt, jedoch ist der zahlenmäßige Anstieg dieser Straftaten mit 28 Prozent der höchste im Bundesgebiet. Auch Baden-Württemberg und das Saarland verzeichnen laut Versicherungswirtschaft mit jeweils 19 Prozent alarmierende Zuwächse bei den Einbrüchen.

Allerdings hebt die Polizei hervor, daß immerhin 40 Prozent der Einbrüche bereits beim Versuch scheiterten und Sicherungsvorkehrungen wie Spezialschlösser und Fensterverriegelungen bereits ihre Wirkung gezeigt hätten. Angekippte Fenster und Balkontüren würden hingegen wie eine Einladung auf Einbrecher wirken.

Fast die Hälfte der Einbrüche
in den dunklen Monaten
Fast 50 Prozent aller Einbrüche erfolgen laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)  in den vier Monaten Oktober bis Januar. Mehr als die Hälfte (57,9 Prozent) wurde in der Zeit zwischen 10 und 18 Uhr verübt. Nur jeder siebente Einbruch (14,5 Prozent) fand zu nächtlicher Zeit zwischen 22 und 6 Uhr statt, heißt es in der vom GDV beauftragten Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen. Das Risiko, Einbruchsopfer zu werden, ist in Einfamilienhäusern und Erdgeschoß-wohnungen von Mehrfamilienhäusern besonders hoch. In Einfamilienhäuser wurde im vergangenen Jahr vorwiegend über Fenster und Fenstertüren (81,1 Prozent) eingebrochen. Die Aufklärungsquote lag bei knapp 16 Prozent.

Zahl der Einbrüche in Berlin
seit 2005 verdoppelt
Allein in Berlin hat sich die Zahl der Wohnraumeinbrüche in den letzten zehn Jahren verdoppelt: Wäh-rend im Jahr 2005 in Berlin noch etwa 6.000 Einbrüche gemeldet wurden, waren es 2014 mehr als 12.000, hieß es zur Vorstellung der Berliner Polizeistatistik.

Die meisten Wohnungseinbrüche gab es in Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte. Bei Einfamilienhäusern waren Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf traurige Spitzenreiter. Hier lagen die Fallzahlen teilweise bei über 650 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner. Seltener schlugen die Einbrecher in den südöstlichen Randgebieten wie Bohnsdorf, Friedrichshagen, Grünau oder Müggelheim zu.

Fast die Hälfte der Einbrecher habe laut Polizeistatistik keine deutsche Staatsbürgerschaft. Reisende Tätergruppen werden meist durch Auftraggeber aus dem Heimatland entsandt, um über einen gewissen Zeitraum (mehrere Wochen, teilweise auch Monate) in einem bestimmten Gebiet Einbrüche besonders in Einfamilienhäuser  zu begehen, bevor sie die Weiter- bzw. Rückreise antreten.

„Die Zahlen verdeutlichen, daß es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, wirkungsvoll gegen Einbrecher vorzugehen“, erklärte Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung beim GDV. Wie dramatisch die Folgen für die Opfer sind, zeige die vorgelegte Studie ebenfalls. „Wenn wir wissen, daß Einbruchopfer noch Monate, zum Teil Jahre unter der Tat leiden, ist es höchste Zeit, die Menschen effektiver vor Einbrechern zu schützen“, sagte von Fürstenwerth. So sind Unsicherheitsgefühle und Gefühle der Erniedrigung und Machtlosigkeit häufig emotionale Folgen, die bei fast jedem zweiten  Einbruchsopfer längere Zeit andauern. 46,5 Prozent der Betroffenen fühlten sich auch noch zwölf Monate nach der Tat in ihrer gewohnten Umgebung unsicher.

Staatliche Hilfe für Einbau von
Sicherheitstechnik gefordert
Viele Mieter und Hausbesitzer würden es Einbrechern jedoch gefährlich einfach machen, heißt es aus der Versicherungsbranche. Denn zum Teil sei die an Fenstern und Türen eingebaute Sicherheitstechnik veraltet. Da professionelle Täter in der Regel weniger als 15 Sekunden benötigen, um ein altes Fenster aufzuhebeln, sollte diese Sicherheitstechnik durch modernere ersetzt werden, rät der GDV. Erreicht werden könne dies beispielsweise durch entsprechende Änderungen der Bauvorschriften. „Alle Maßnahmen, die eine Brücke zwischen Beratung und Handeln schlagen, werden von den Versicherern ausdrücklich begrüßt“, sagte von Fürstenwerth. Hierzu gehöre auch der Vorschlag, die Nachrüstung von Wohngebäuden mit Sicherheitstechnik durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) besser zu fördern. Dies wäre aus Sicht der Versicherer ein wichtiger Schritt. Fördermaßnahmen müßten jedoch auch in Zukunft durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für die notwendige Polizeiarbeit und die polizeilichen Beratungsstellen flankiert werden.                        

Hagen Ludwig

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