Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Taubes Berlin, aufmerksames Shanghai

Von Lothar Blaschke, Vorsitzender des Vereins Deutscher Wohnungseigentümer

Manch ein Mieter schaut neidvoll auf die Wohnungseigentümer in seiner Nachbarschaft. Das sind die, die es geschafft haben, die keine Zukunftsängste wegen unbezahlbarer Mieten plagen, die keine Angst haben müssen vor der Vertreibung aus dem vertrauten Milieu.

Wenn alle Bedingungen sich zum Guten fügen, ist das Wohneigentum eine prima Sache, um die eigenen Kinder im gesunden Umfeld aufwachsen sehen zu können, um sich in selbst mitgestaltetes Umfeld zurückziehen zu können und für die Altersabsicherung rechtzeitig gesorgt zu haben. Wohneigentum schafft Sicherheit.

Sicherheit so lange, wie Eigentümer und Verwalter vorausschauend und mit gesundem Menschenverstand, im Fachjargon ordnungsgemäße Verwaltung genannt, die Entwicklung der Gemeinschaft und ihres gemeinschaftlichen Eigentums planen und umsetzen. Desinteresse auf beiden Seiten wird unweigerlich in absehbarer Zeit nicht nur den gemeinschaftlichen Frieden stören, sondern auch die Existenz des einzelnen Wohnungseigentümers aufs Spiel setzen. Eigentum verpflichtet.

Schlecht oder gar nicht ausgebildete Verwalter (das gibt es tatsächlich und ist in Deutschland nach wie vor zulässig) und fehlende Kenntnisse der Eigentümer führen zu Mehrheitsbeschlüssen, die den einzelnen in den Ruin treiben können. Denn das Gesetz fordert, daß jeder Eigentümer seinen Anteil für den Erhalt des Gemeinschaftseigentums zu erbringen hat. Bei einer finanziellen Notlage droht der Verlust der Wohnung.

Der Putz bröckelt an verschiedenen Stellen der Giebelwand. Eine

Modernisierung wird beschlossen, Wärmedämmung muß nun an die Wand, das stehe ja so in den Gesetzen und in jeder Zeitung. Rücklagen der Gemeinschaft sind nur spärlich vorhanden, eine sofortige Sonderumlage muß den Finanzbedarf decken. Der Eigentümer ist am Ende, kein weiterer Kredit wird gewährt, kein eigenes finanzielles Polster ist vorhanden, der Traum von der Altersabsicherung ist plötzlich ausgeträumt.

Wer sagt dem Wohnungseigentümer, daß auch jede vom Gesetzgeber geforderte energetische Sanierung wirtschaftlich vertretbar sein muß, sich in zehn Jahren amortisiert haben muß? Wer rettet ihn vor dem Verlust der Wohnung? Fehlen ihm die Kenntnisse, muß er sich auf seinen Verwalter verlassen können, aber hier ist er leider oftmals verlassen. Da sind sogar die Mieter einen Schritt weiter. Sie haben in Berlin ein Urteil erstritten, nach dem sie als Mieter eine angekündigte energetische Sanierung wegen Unwirtschaftlichkeit nicht dulden müssen. Das sollte vielen Eigentümergemeinschaften zu denken geben.

Vor allem der Gesetzgeber muß etwas tun, damit selbstgenutztes Wohneigentum auch weiterhin Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Doch bei diesem Thema stoßen wir auf taube Ohren. Ganz anders im chinesischen Shanghai, wo wir vor kurzem Gelegenheit hatten, über die Probleme von Wohnungseigentümern zu diskutieren. Vielleicht liegt es daran, daß man im Reich der Mitte sehr darauf bedacht ist, Regelungen zu finden, die der Allgemeinheit wie dem einzelnen nützen.

 

 

 

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