Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Müssen Garagen der BUGA weichen?

Erfurt schreckt mit Gartenschauplänen hunderte Pächter auf – nun spricht man miteinander

Die Nachricht vom Ende des Kündigungsschutzes für Datschen aus DDR-Zeiten hat auch viele Garagenbesitzer alarmiert. Droht jetzt bald die Kündigung, fragen manche Pächter. Sie wissen nicht, daß die Auto-Unterkunft – anders als Erholungsgrundstücke! – weniger geschützt und schon seit dem Jahr 2000 kündbar war.

Damals und auch nach dem Ende der sogenannten Investitionsschutzfrist am 31. Dezember 2007 blieb jedoch die befürchtete Kündigungswelle – auch dank VDGN-Engagements – aus. 

Um Garagenstandorte zu sichern, verhandelte in Thü-ringen der später verstorbene Helmut Schenk, seinerzeit Chef des Erfurter VDGN-Büros, zusammen mit anderen Akteuren mit den Kommunen. In vielen Fällen glückte das. So konnten in Erfurt immerhin für etwa 50 von 100 Garagengemeinschaften Vereinbarungen mit der Stadt geschlossen werden, die den Pächtern zehn Jahre Sicherheit gaben, ihnen sogar die Möglichkeit einräumten, nicht nur das Eigentum an der meist selbst erbauten Garage zu behalten, sondern diese auch vermieten oder verkaufen zu können. Im Gegenzug verpflichteten sich die Garagengemeinschaften, Nutzungsentgelte in Eigenregie einzutreiben, nahmen so der Stadt Verwaltungsaufgaben ab.

Inzwischen aber hat sich die Situation geändert. Während Garagenstandorte auf dem Lande mit Leerstand und sogar Verwahrlosung kämpfen, haben in Innenstädten Stadtplaner und Investoren längst begehrliche Blicke auf solche lukrativen Flächen geworfen. Zum Beispiel in Königs Wusterhausen, einer Kleinstadt im Berliner Speckgürtel: Dort mußten kürzlich zig Garagen neuen Wohnungen weichen. 

Auch Erfurt hat Großes vor: 2021 soll die Bundesgartenausstellung BUGA in der Thü-ringer Landesmetropole stattfinden, die schon zu DDR-Zeiten mit der Internationalen Gartenausstellung IGA ein einzigartiger Anziehungspunkt für Hobbygärtner aus nah und fern war.

Die Vorbereitungen für das Ereignis haben längst begonnen, verschiedene Gestaltungsentwürfe liegen vor, der Sieger wird demnächst gekürt. Die Planer haben Flächen entlang des Flusses Gera einbezogen, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß dort hunderte Garagen stehen. Allein 241 solcher Bauten gehören zu den zwei Garagengemeinschaften am Fuchsgrund und an der Rennbahn, die Mitglied im VDGN sind. Der Stadt könnte zupaß kommen, daß deren 2008 geschlossene Garagen-Verträge Ende 2018 auslaufen. Dann sind noch drei Jahre Zeit bis zum Gartenschau-Beginn.

Von den BUGA-Plänen erfuhren die Garagenbesitzer aus der Zeitung, wie Marco Penndorf, Vorsitzender des VDGN-Mitgliedsvereins „An der Rennbahn“, sich noch heute entrüstet: „Was beschönigend Rückbau genannt wurde, hieß auf gut Deutsch: Unser Standort soll plattgemacht werden!“ Zwar böten die zu DDR-Zeiten errichteten Bauten kein so erfreuliches Bild, räumen Penndorf und auch Wolfram von Heine, Vorsitzender der Garagengemeinschaft „Fuchsgrund“, ein. Doch sind sie begehrt wegen der Nähe zu innerstädtischen Wohnquartieren. Leerstand gibt es nicht, im Gegenteil, mancher Erfurter würde liebend gern dort sein Auto unterstellen.

Nach lautstarkem Protest und einigem Pressewirbel schenkt man den Garagengemeinschaften jetzt auch im Rathaus Gehör. So verlief ein Gespräch beim 2. stellvertretenden Bürgermeister Alexander Hilge, Beigeordneter für Bürgerservice und Sicherheit, nicht konfliktfrei, aber lösungsorientiert. Penn- dorf: „Zwar müssen wir die bittere Pille schlucken, daß unser Standort der BUGA weichen soll, aber die Stadt überlegt, uns an anderer Stelle Ersatz anzubieten. Bleibt abzuwarten, zu welchen Bedingungen das passieren soll.“ Noch ist das nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer, Penndorf will wachsam bleiben.

Ein vorsichtiges Fazit zieht auch Wolfram von Heine: „Nun heißt es, unser Standort könnte wahrscheinlich bis auf wenige Garagen erhalten bleiben, soll aber schicker werden. Zunächst mal werte ich das als eine Absichtserklärung der Stadt.“ Und er kommt zu dem Schluß: „Wenn wir unsere Garagen renovieren sollen, dann hat das nur Sinn, wenn wir sie auch nach der BUGA weiter nutzen können!“

Dafür müßten rechtzeitig vor Auslaufen der alten Vereinbarungen 2018 neue Verhandlungen aufgenommen werden, sagt von Heine, mit dem Ziel: Die Garagen müssen bleiben.

Kerstin Große

zurück