Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Den alten Kessel checken

VDGN-Telefonforum zum Thema Heizung

Müssen die alten Heizungen nun vom Netz? Was hat es mit der Energiesparverordnung und der Pflicht zum Kesseltausch auf sich? Im VDGN-Telefonforum beantwortet die Fragen der Anrufer Dipl.-Ing. (FH) Birgit Holfert, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt.

Was hat es mit der Pflicht zum Kesseltausch auf sich?
Deutschland hat sich verpflichtet, langfristig Energie und CO2 einzusparen. Das geht zum einen durch Dämmung der Gebäude, aber auch durch den Einsatz effizienter Heiztechnik.

Mit der Energieeinsparverordnung EnEV 2014 wurden nunmehr vom Gesetzgeber Regelungen zum Austausch von Heizkesseln vorgegeben, die vor 1985 in Betrieb genommen wurden. Heizgeräte, die keine Niedertemperatur- oder Brennwertkessel sind und vor 1985 in Betrieb genommen wurden, dürfen seit Januar 2015 nicht mehr betrieben werden. Ausgenommen sind Ein- und Zweifamilienhäuser, bei denen mindestens eine Wohnung am ersten Februar 2002 vom Eigentümer selbst bewohnt wurde. Bei einem Eigentümerwechsel ist diese Nachrüstpflicht dann von den neuen Eigentümern innerhalb von zwei Jahren zu erfüllen.

Wir haben ein Heiz-Leitungssystem aus den 1970er Jahren, müssen wir es denn jetzt austauschen?
Nein. Die Austauschpflichten betreffen nur den Kessel. Es kann aber sinnvoll sein, auch die Rohre zu erneuern. Vor allem, wenn man vorher eine Schwerkraftheizung (ohne Pumpe) hatte. Bevor man den Auftrag an den Heizungsbauer erteilt, ist es sinnvoll, die Anlage von einem unabhängigen Energieberater begutachten zu lassen – zum Beispiel mit einem Detailcheck der Verbraucherzentrale.

Wann lohnt es sich, eine Heizung auf Solarenergie umzustellen?
Es lohnt sich, wenn man das Haus gedämmt hat und dadurch die Heizungsvorlauftemperatur abgesenkt werden kann, wenn man bereits über eine Fußbodenheizung verfügt oder wenn man im Zuge einer Gebäudesanierung eine Fußboden- oder Wandheizung einbaut.

Wir haben keinen Erdgasanschluß und überlegen, ob Gas oder Öl die bessere Variante ist?
Erdgas ist grundsätzlich preiswerter als Heizöl, etwa 30 Prozent, und benötigt keinen Tank. In ländlichen Regionen hat man jedoch oft keinen Erdgasanschluß oder muß hohe Anschlußkosten dafür bezahlen. Hier sollte man eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung über etwa 10 Jahre machen und auch andere Möglichkeiten wie Flüssiggas, Holz oder eine Wärmepumpe in Betracht ziehen. Ein Energieberater der Verbraucherzentrale hilft bei der Entscheidungsfindung.

Müssen wir beim Einbau einer neuen Heizung etwas beachten oder können wir einfach die wählen, die für uns am günstigsten ist?
Eine neue Heizung sollte auf den realen Energiebedarf des Gebäudes abgestimmt sein. Alte Heizungen waren oft überdimensioniert. Wenn Sie in der Zwischenzeit Veränderungen am Gebäude vorgenommen haben, zum Beispiel durch neue Fenster, kann der neue Heizkessel möglicherweise eine kleinere Leistung haben als der alte.

Unser Heizungsinstallateur hat uns eine Wärmepumpe angeboten. Wäre sie sinnvoll?
Wenn Sie im Haus schon eine Fußbodenheizung haben und das Haus bereits gedämmt ist, wäre das möglicherweise sinnvoll. Auch hier sind mehrere Randbedingungen zu beachten, sonst hat man hinterher höhere Heizkosten, als mit einer Gasheizung.

Wie lange hat man Garantie auf einen neuinstallierten Brenner?
Das ist eine juristische Frage, die konkret einem Rechtsanwalt gestellt werden müßte. Aber ich habe eine Gerichtsentscheidung zu dem Thema gefunden: Gerichtsentscheidung aus Mai 2011: LG Frankfurt/Main, 2/09 S 52/10. Darin heißt es, die fünfjährige Gewährleistungsfrist nach § 634a Abs. 1 Nr. 2 BGB gilt auch dann, wenn nach dem Einbau einer kompletten Heizungsanlage innerhalb dieser Frist nur der Brenner ausgetauscht werden muß, weil er mit Mängeln behaftet war, aber die übrige Anlage weiterhin mangelfrei ist.

Manchmal springt unser neuer Brenner nicht an, wir fragen uns, was wir falsch machen? Gibt es Erfahrungen, woran das liegen kann? Wir können es uns nicht erklären?
Oft ist eine falsche Zündeinstellung die Ursache. Bei Ölkesseln kann auch ein verschlammter Ölfilter die Ursache sein. Wenn es ein neuer Brenner ist, sollte man den Handwerker nochmals kommen lassen zur Mängelbeseitigung.

Wir haben ein Ferienhaus und überlegen, welche Heizungsvariante für uns die beste ist, damit die Rohre im Winter – wenn wir nicht da sind – nicht einfrieren. Haben Sie eine Idee?
Hier kommen Solarluftkollektoren in Frage. Die funktionieren ohne Wasser und erwärmen über einen Solarkollektor Luft, die mit einem Ventilator in das Gebäude eingeleitet wird. Es gibt auch Solarluftkollektoren mit solarstrombetriebenen Ventilatoren. Dann brauchen Sie für Ihre Beheizung nicht einmal Strom, sondern sind komplett autark. Man kann diese Anlagen aber auch zum Kühlen nutzen. Dann benötigen Sie jedoch einen Stromanschluß.

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