Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Was du heute kannst besorgen...

Eine wahre Geschichte und was sie lehrt

Von Eckhart Beleites

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ – fast jeder kennt das Sprichwort, doch nur wenige von uns befolgen es.

Erst recht, wenn sich die ersten deutlicheren Zeichen des Alterns zeigen. Menschlich verständlich, wollen sich dann die meisten beweisen, wie fit und „gut drauf“ sie noch sind. Treten besonders kräftig in die Pedale, nehmen sich trotz schmerzender Knie einen Halbmarathon vor, schieben die vergessenen Termine auf den beruflichen Streß und und...

Verdrängen ist zwar verständlich, doch sollten wir uns – schon allein unserem Ehepartner und den Kindern zuliebe – in einer ruhigen Minute fragen: Sind wir vorbereitet auf einen Tag X, der unser Leben rein theoretisch vollkommen umkrempeln könnte? Was würde passieren, wenn wir urplötzlich ausfallen? Herzattacke, Verkehrscrash, Schlaganfall – solche Dinge passieren täglich, und nicht immer nur den anderen!

Wer sichergehen will, in dieser Ausnahmesituation von einem der engsten Vertrauten, dem Partner, den Kindern oder dem langjährigen Freund, gegenüber Dritten vertreten zu werden, sollte schon in guten Tagen handeln und eine Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung erstellen. Andernfalls könnte ein Gericht einen völlig Fremden zum Betreuer bestellen.

Rund um die Thematik Vorsorgevollmacht haben wir im VDGN-Journal regelmäßig informiert. Bis heute werden die angebotenen persönlichen wie auch telefonischen Beratungen für Mitglieder unseres Verbands rege nachgefragt, gerade wenn es um das Abfassen einer notariell beglaubigten Vorsorgevollmacht – insbesondere bei Grundstücks- oder Wohneigentum – geht. Mancher, der sich beraten läßt, gibt unumwunden zu, mehrmals Anlauf genommen zu haben, „das leidige Thema“ endlich erledigen zu müssen.

Wen bei diesen Zeilen ein schlechtes Gewissen beschleicht, dem gibt vielleicht ein Erlebnis, das sich so tatsächlich zugetragen hat, den nötigen Anstoß, nicht länger zu zögern.

Nach Schicksalsschlag Fremdbetreuer?Was war passiert? Ein älteres Ehepaar gab sein Wohnhaus auf, zog in ein anderes, das seinen altersbedingten Abläufen besser gerecht zu werden schien. Doch schon bald verschlechterte sich der gesundheitliche Zustand des Mannes so stark, daß er in einer Pflegeeinrichtung untergebracht werden mußte.

Für sich genommen schon eine schwerwiegende Veränderung im Leben des Paares, erlitt bald darauf die Ehefrau einen weiteren Schicksalsschlag: Mit einem akuten Herzanfall mußte sie im Krankenhaus intensiv behandelt werden. Und dies blieb nicht ohne Folgen: Die verordneten Medikamente führten – was sich erst später herausstellen sollte – bei der Frau zu geistiger Verwirrung. Sie wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Dort standen die behandelnden Ärzte vor einem ernsten Problem: weder Vorsorgevollmacht noch Betreuungsverfügung lagen vor. Ein rechtlicher Vertreter war in dieser Situation unabdingbar – wer sollte sonst über eventuelle freiheitseinschränkende Maßnahmen entscheiden, die bei einer psychiatrischen Behandlung notwendig werden können?!

So blieb den Ärzten nur, unverzüglich einen Antrag beim zuständigen Amtsgericht für eine gerichtlich verfügte Betreuung zu stellen. (Ein gerichtlich bestellter Betreuer übernimmt die rechtsgeschäftliche Vertretung der Ehefrau in allen Angelegenheiten, in diesem Fall auch, den medizinischen Behandlungsverlauf mit den Ärzten zu besprechen.)

Die Patientin hatte Glück im Unglück: Ein Medikament hatte für ihre Verwirrtheit gesorgt. Nachdem es abgesetzt wurde, normalisierte sich ihr geistiger Zustand zusehends. So konnte sie bald das Versäumte nachholen und eine notariell beglaubigte Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ausfertigen.

Gerade noch rechtzeitig kam man damit einer gerichtlich verfügten Betreuung zuvor.

So nahm das Geschehen eine gute Wendung. Anderenfalls würde die Ehefrau heute durch einen gerichtlich bestellten Betreuer vertreten werden. Ebenso hätte für den zu pflegenden Ehemann ein Fremdbetreuer gerichtlich bestimmt werden müssen – was das Paar so nicht gewollt hätte.

Zum Glück kennen wir alle nicht den Zeitpunkt und den Umstand, der unser bisheriges Leben einschneidend verändern kann. Wer rechtzeitig solche wichtigen Dokumente wie Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung erstellt, ob mit oder ohne Hilfe, überläßt es jedenfalls nicht anderen, über sein Schicksal zu entscheiden. Einmal vollbracht, kann es die Ruhe und Gelassenheit gegenüber dem, was die Zukunft bringen wird, wesentlich steigern.

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