Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Künftig weniger Offshore-Windparks?

Einwände gegen Flächen in Mecklenburg-Vorpommern berücksichtigt

Feiner, weißer Sand, Sonnenstrahlen auf der Haut, leichter Wind mit Salzgeruch und der freie Blick auf die wogende Ostsee - Urlaub pur. Nur, wie lange noch?

2011 ging mit „Baltic1“ der erste kommerzielle Offshore-Windpark Deutschlands innerhalb der 12-Seemeilen-Zone in Betrieb, nördlich der Halbinsel Darß/Zingst mit 21 Windrädern und einer Leistung von 50 Megawatt (MW). Anfang Mai diesen Jahres ging „Baltic 2“ ans Netz – mit insgesamt 80 „Windmühlen“, die nordöstlich von Rügen eine Leistung von 290 MW erbringen sollen. In der „Energiepolitischen Konzeption für Mecklenburg-Vorpommern“ (Februar 2015) ist nachzulesen, daß für weitere Windparks wie „Arconabecken Südost“, „Wikinger“ und „Arcadis Ost“ bereits Genehmigungen vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vorliegen. Und die Begehrlichkeiten für den Bau weiterer Parks sind groß.

Mitte April stellte das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommerns (MV) die Fortschreibung des Landesraumentwicklungsprogrammes (LEP) vor, mit den korrigierten Flächen für künftige Offshore-Parks. Waren im ersten Entwurf des LEP noch 580 Quadratkilometer (km²) für mögliche Windparks ausgewiesen, weist der zweite Entwurf nur Flächen für die Planung von ca. 197 km² aus. Rund 60 Prozent weniger als zuvor.

Der Grund für diese Reduzierung ergab sich aus den zahlreichen und hinlänglich begründeten Einwänden im Rahmen des ersten Beteiligungsverfahrens, informierte die Landesregierung per Pressemitteilung. So habe beispielsweise der erste Entwurf vorgesehen, daß Windeignungsgebiete nahtlos an Schifffahrtsrouten angrenzen dürfen – doch das Beteiligungsverfahren habe gezeigt, daß aus Sicherheitsgründen Abstandspuffer benötigt würden. Weitere Einwände kamen seitens der Touristikbranche (Blickachsen zu Sonnenuntergängen sind zu wahren), vom Naturschutz (Berücksichtigung eines Vogelzugkorridors über Rügen) und auch vom Militär (Wirkung von Windkraftanlagen auf Radaranlagen).

Der nun vorliegende Entwurf beinhaltet keine Flächen mehr vor Kühlungsborn und Graal-Müritz. Aus der Planung herausgelöst wurde auch das Seegebiet östlich vom Königsstuhl auf Rügen. Im Bestand der Planungsflächen hingegen bleiben das große Gebiet nördlich vom Darß (Anlage Baltic I), welches noch deutlich vergrößert wird und, ein (jetzt kleineres) Areal vor Warnemünde.

Das Beteiligungsverfahren zum 2. Entwurf des LEP soll im Juni beginnen.

Trotz dieser Reduzierung sieht Energieminister Christian Pegel (SPD) die Ausbauziele für Offshore-Windparks nicht gefährdet: Zunächst müßten die Flächen bebaut werden, die schon geplant sind. Das seien etwa 150 km2 mit 300 Anlagen. Hinzu komme die neue Planung mit Platz für bis zu 400 weitere Windräder.

Während Koalitionspartner CDU und auch die Linksfraktion den geänderten Plänen zustimmten, zeichnete sich seitens der Windkraftbranche Enttäuschung ab. Der Vorstandsvorsitzende des Windenergy Network, Andree Iffländer, sagte u. a., daß die neue Flächenkulisse zu 100 Prozent den Forderungen der Tourismusbranche entspreche.

Also auch weiterhin an den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns ungetrübter Ostseeblick und Urlaub pur?

Das Ergebnis bleibt abzuwarten, denn die Planungen lassen Spielraum und sind noch nicht abgeschlossen. Ab Juni können in der anstehenden Beteiligungsrunde weitere Einwände geäußert werden. Erst 2016 will Minister Christian Pegel abschließende Ergebnisse vorlegen.

Monika Rassek

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