Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„80plus“ – für ein selbstbestimmtes Leben

Von Mario Czaja, Berliner Senator für Gesundheit und Soziales

Eigentlich haben wir Grund zur Freude: Medizinischer Fortschritt, verbesserte Arbeitsbedingungen und gut ausgebaute soziale Sicherungssysteme sorgen für immer bessere Lebensbedingungen und einen kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung. Allerdings steigt mit zunehmendem Alter auch das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Perspektivisch werden immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen sein. Derzeit sind in unserer Stadt 112.500 Menschen pflegebedürftig. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl schätzungsweise auf 170.000 steigen.

Die meisten pflegebedürftigen Menschen wünschen sich, selbstbestimmt in der vertrauten, privaten Umgebung zu leben. Die gute Nachricht ist, daß dies durch Unterstützungsangebote auch überwiegend möglich ist. Rund 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden im privaten Umfeld gepflegt – meist von Angehörigen, aber auch mit Hilfe von ambulanten Pflegediensten.

Das erste Pflegestärkungsgesetz, das seit Beginn dieses Jahres in Kraft ist, bringt deutliche Verbesserungen für die pflegerische Versorgung. Dabei fließt das meiste Geld, das aus der Erhöhung des Beitragssatzes gewonnen wird, in Verbesserungen im Bereich der ambulanten Pflege. Die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wurden ausgeweitet. Pflegegeld für die häusliche Pflege und Pflegesachleistungen wurden erhöht. Zeiten, in denen Pflegebedürftige beispielsweise in einer Einrichtung der Tagespflege betreut werden können, werden ausgeweitet und besser vergütet. Familie, Pflege und Beruf lassen sich durch den neuen gesetzlichen Anspruch auf eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit jetzt besser miteinander verbinden. Für diese Zeit gibt es – wenn gewünscht – ein zinsloses Darlehen. Nicht zu vergessen sind auch die Unterstützungsleistungen für Verbesserungen der eigenen vier Wände: Wird aufgrund von Pflegebedürftigkeit ein Wohnungsumbau nötig, zahlt die Pflegekasse bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme dazu. Beantragen kann man diese Leistung bei der Pflegekasse, Beratung bieten neben den Pflegekassen auch die Berliner Pflegestützpunkte.

Um die Qualität der Pflege langfristig zu sichern, müssen wir uns darauf einstellen, daß insbesondere der Anteil der Hochaltrigen, d. h. der Menschen über 80 Jahre, stetig zunimmt. Daraus ergeben sich ganz eigene Herausforderungen. Weil wir im hohen Alter meist auf Leistungen aus mehr als einem Versorgungsbereich angewiesen sind, müssen z. B. die Übergänge sorgfältig organisiert werden. Wer etwa nach einem Aufenthalt in einer Klinik oder einer Reha-Einrichtung nach Hause entlassen wird, braucht sofort im Anschluß auch in seinen eigenen vier Wänden verläßlich gute Betreuung. Hier ist noch viel zu tun.

Deshalb haben wir für Berlin das Konzept „80plus“ entwickelt. Ziel ist es, die gesundheitliche und pflegerische Versorgung hochaltriger Menschen zu verbessern. Indem wir heute die Weichen richtig stellen, sorgen wir dafür, daß die Berlinerinnen und Berliner auch im hohen Alter gut versorgt werden können. Die Initiative des VDGN, sich verstärkt dem Leben und Wohnen im Alter zu widmen sowie drängende Fragen rund um die Pflege hilfsbedürftiger Menschen aufzugreifen, kommt da gerade zur rechten Zeit. Lange Zeit als Vorstandsmitglied im Verband tätig, weiß ich, daß er dabei nicht nur die Interessen seiner älter werdenden Mitglieder verfolgt. Solches Engagement verdient Wertschätzung und vor allem handfeste Unterstützung durch die Politik.

Denn wir wollen, daß die Lebensbedingungen für alle Menschen in unserer Stadt sich kontinuierlich verbessern – egal ob jung oder alt.

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