Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Blitz zerstörte Rotorblatt – und nun?

Frankfurt (Oder): Herrenloser Windrad-Flügel verschandelt Landschaft und stellt Risiko dar

Im Oktober 2014 wurde dieser Windradflügel bei einem Gewitter von einem Blitz zerstört. Man nahm ihn ab und montierte einen neuen. Das Windrad nahe Frankfurt (Oder) dreht sich also wieder. Doch das kaputte Teil liegt seither herrenlos in der Landschaft und gefährdet Passanten, vor allem spielende Kinder Foto: Lothar Blaschke

Zukunftsweisende Technologie, modernste Fertigung, und doch so anfällig – das Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst vergammelt an einem Frankfurter Feldrain. Spaziergänger, Naturfreunde und Reiter aus dem nahen Pferdedorf Hohenwalde schütteln seit Wochen nur noch die Köpfe. Sogar Radtouristen werden neuerdings auf geführten Touren dorthin gebracht. Seit Monaten lagert hier, dilettantisch auf Holzpaletten gestützt und stück-chenweise mit inzwischen zerfetzter Folie umwickelt, ein gewaltiger Flügel eines Windrades. Zerfleddert von Naturgewalten und inzwischen wohl auch von Menschenhand, liegt er am Feldrain, nicht gesichert und sogar von innen begehbar. Nicht ausdenkbar, wenn den in der herrlichen Natur spielenden Kindern dort etwas passieren würde.

Alt oder kaputt – was passiert damit?
Mehr als 24.000 Windräder stehen in Deutschland mit einer genehmigten Laufzeit von meist 20 Jahren. In Brandenburg sind es nach verläßlichen Angaben allein mehr als 3.000. Ziel der Brandenburger Landesregierung ist es, die zur Verfügung zu stellende Fläche für Windkraftanlagen bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln. Was passiert mit den Altanlagen?

Spiegel Online überschreibt einen Artikel vom 3. Februar 2015 zur Entsorgung ausgedienter Windräder mit „Sprengen und verbrennen“. 30.000 Tonnen Rotorblätter müßten zukünftig entsorgt werden. Mit welcher Technologie, und wer trägt die Kosten? Wurde bei der Erteilung von Baugenehmigungen in jedem Fall eine Sicherheitsleistung für den Rückbau vereinbart? In vielen Bundesländern ist diese Verpflichtung erst sehr verspätet in die Baugenehmigungen eingeflossen. Liegt den Landesregierungen ein Zeitplan zum Rückbau vor? Auf eine parlamentarische Anfrage der CDU antwortete das Brandenburger Innenministerium, daß es dazu keine Erkenntnisse gebe. Die Kosten für den Rückbau trage der Betreiber der Windkraftanlagen, unter Umständen könne auch der Eigentümer des Grundstücks in Anspruch genommen werden.

Eine weitere detaillierte Anfrage liegt nun der Landesregierung zur Beantwortung vor, in der u. a. die Befürchtung geäußert wird, daß Investoren kurz vor Auslaufen der Nutzungsdauer Windkraftanlagen an ein neues Unternehmen veräußern könnten, um die Rückbaukosten im eigenen Unternehmen zu umgehen.

Wer kommt für Rückbau auf?
Die WattenPresse in Ost-Friesland berichtet von einem Windpark, indem bereits vor fünf Jahren Altanlagen abgebaut und gegen neue ersetzt wurden. Die Fundamente der Altanlagen wurden jedoch nur bis unterhalb von zirka einem Meter unter der Erd-oberfläche entfernt. Die Altfundamente, nur oberflächlich abgekratzt, verblieben im Boden. Ein Mitarbeiter der zuständigen Kreisverwaltung begründete den nicht vollständigen Rückbau laut dem Zeitungsbericht tatsächlich mit der finanziellen „Verhältnismäßigkeit“, die bei der Entsorgung der alten Betonfundamente für den Betreiber zu beachten sei. Es steht zu befürchten, daß der Grundstückseigentümer, der bis dahin lukrativ für mehrere zehntausend Euro Pacht im Jahr an Windkraftbetreiber verpachtet und verdient hat, letztendlich für den kompletten Rückbau zur Verantwortung gezogen wird. Was mit einem „vergessenen“ Rotorblatt beginnt, kann für uns alle in Zukunft teuer werden, wenn nicht die, die mit unglaublichen Renditeversprechungen das Geld scheffeln, konsequent zu ihrer Verantwortung, gegen-über dem Gesetz, der Natur und der Menschen gezwungen werden.

Lothar Blaschke

 

 

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