Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Die Zeche zahlt der Verbraucher

Nitrat vergiftet unser Wasser und treibt die Preise hoch

Glasklar, kühl, erfrischend – Wasser: Lebensgrundlage und das älteste Heilmittel der Welt. So sagte jedenfalls Hippokrates, der die positive Auswirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden erkannte. Und auch noch heute schwören Ärzte auf die positiven Effekte von Trinkkuren. Nur, wer weiß, wie lange noch. In zahlreichen Regionen belastet der hohe Nitratgehalt bereits das Grundwasser. Die Wasserwirtschaft bemängelt schon seit geraumer Zeit die alarmierenden Zustände. Und jetzt erwägt die EU-Kommission eine Klage gegen Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof.

Vom Vorreiter zum Schlußlicht
Lange galt Deutschland als Vorkämpfer in Sachen Klima- und Umweltschutz. Doch dieses Image gilt inzwischen als angekratzt. Für den geplanten Bau weiterer Kohlekraftwerke hagelte es Kritik seitens der Umweltverbände und jetzt zetert die Europäische Union (EU), weil in deutschen Gewässern die Belastung durch Nitrat zu hoch ist.

Im Juli vorigen Jahres leitete die EU-Kommission die zweite Stufe im laufenden Vertragsverletzungsverfahren ein und übermittelte eine Stellungnahme. Pressesprecherin Claudia Guske sagt: „Deutschland hat innerhalb von zwei Monaten fristgerecht geantwortet.“ Auch gebe es inzwischen Gesprä-che. Aber: „Ob die Kommission als nächsten Schritt Klage vor dem Europäischen Gerichtshof einreicht, steht noch nicht fest.“

Denn, die Vorgaben der Düngeverordnung, die einen Teil zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie ausmachen, werden nicht eingehalten – Sofortmaßnahmen unterblieben bislang. Und das, obwohl die vorgelegten Zahlen aus 2008 bis 2011 belegen, daß der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter an mehr als der Hälfte aller Meßstellen überschritten wurde. Im Ergebnis bedeutet das, daß im Vergleich zum Zeitraum 2004 bis 2007 an 40 Prozent aller Meßstellen der Nitratgehalt angestiegen ist, anstatt zu sinken. Der letzte EU-Bericht belegt, daß Deutschland im Vergleich europäischer Staaten die Spitze erreicht hat – mit der höchsten Nitratkonzentration im Grundwasser. Abhilfe soll laut Umweltbundesamt die Überarbeitung der Düngeverordnung schaffen. Doch reicht das aus?

Schleichende Vergiftung
Nitrat (NO3) ist rein chemisch betrachtet, eine Verbindung aus Stickstoff (N) und Sauerstoff (O). Beide Stoffe für sich sind lebensnotwendig. Aber zahlreiche Stickstoffverbindungen schädigen – wenn sie in zu hoher Konzentration vorkommen – Umwelt und Gesundheit, wie beispielsweise Stickstoffdioxid (NO2) aus Verkehrsabgasen oder eben Nitrat. Zu viel Gülle, Mineraldünger, Gärreste aus Biogasanlagen und Pflanzenschutzmittel lassen in vielen Regionen die Nitratkonzentrationen im Grundwasser über die Grenzwerte schnellen. Erwünschte Folge ist das rasante Wachstum auf den Feldern. Doch zu welchem Preis?

Eine Analyse des Umweltbundesamtes (UBA) ergab, daß etwa zwei Drittel aller Stickstoffemissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft stammen.
Paradox, daß ausgerechnet die Landwirte, die das Wohl des Menschen stärken sollen, indem sie vorrangig tierische und pflanzliche Erzeugnisse zur Ernährung produzieren, jetzt die schleichende Vergiftung selbiger herbei-führen.
In riesigen Massenställen produziert das eingepferchte Vieh Gülle, sehr viel Gülle. Ein natürlicher Dünger, der aber Nitrat enthält. Für die Ernte der Futter- und Energiepflanze Mais bedeutet das maximale Erträge. Doch die Pflanzen können die Unmengen an Nitrat nicht vollständig aufnehmen – und die Überschüsse der Stickstoffverbindung werden mit dem Regen ins Grundwasser gespült. Selbst die Ostsee weist dank der Überdüngung bereits ein verstärktes Algenwachstum auf.

In vielen landwirtschaftlich geprägten Regionen führt der Dünge-Wahn zu schlechten Werten, zu Werten, die die Grenze von 50 Milligramm Nitrat je Liter zum Teil deutlich überschreiten wie in großen Teilen Schleswig Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns, Niedersachsens, Thüringens, Sachsen-Anhalts, Nordrhein-Westfalens oder Bayerns.

Gelangen diese Schadstoffe dann über das Grundwasser ins Trinkwasser, können die Folgen verhängnisvoll sein. Bei Säuglingen kann Blausucht die Folge sein, bei Erwachsenen eine Krebserkrankung. In Niedersachsen beispielsweise weisen nach Angaben des zuständigen Ministeriums rund 60 Prozent des Grundwassers zu hohe Nitratwerte auf.

Politik steht in der Pflicht
Die Wasserwirtschaft warnt seit Jahren vor den Folgen – vor allem im Hinblick auf die Gefahren für die Trinkwasserversorgung. Bei Belastung von Grundwasser, welches zu Trinkzwecken bestimmt ist, mischt die Wasserwirtschaft nitratbelastetes Wasser mit unbelastetem. Andere Maßnahmen sind aufwendiger wie Aufbereitungsverfahren in Großanlagen. Wenn das nicht mehr hilft, müssen die Wasserversorger neue Brunnen bohren. All diese Maßnahmen kosten Geld und führen letztendlich zu steigenden Trinkwasserpreisen, die der Verbraucher zahlt – nicht der Verursacher.
Die Betreiber von Wasserwerken befürchten, daß künftig die Grenzwerte für Nitrat im Grundwasser nicht mehr eingehalten werden können. Hier steht die Politik in der Pflicht. Bislang verhinderte die Landwirtschaftslobby erfolgreich strengere Regelungen. Doch die Zeit drängt. „Die Belastung des Grundwassers ist nicht schlagartig umkehrbar. Wenn sie festgestellt wird, dann ist es zu spät. Denn das Grundwasser kann sich im Gegensatz zu Flüssen nur äußerst langsam generieren“, schrieb kürzlich Christa Hecht, Geschäftsführerin der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e. V. (AöW e.V.).

Und so fällt es schwer zu glauben, daß die derzeitige Novellierung der Düngeverordnung zu einer schnellen Lösung des Problems führt. Vielmehr sind konsequente Maßnahmen nach dem Verursacherprinzip gefordert wie beispielsweise die Abschaffung der Subventionierung für den Anbau von Energiepflanzen, eine nährstoffarme Fütterung der Tiere, das Einrichten von breiten Gewässerrandstreifen, wo der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich verboten ist u.v.a.m.

Monika Rassek                              


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