Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Klempner und Seelsorger

Firmenporträt: Wenn das Wasser versiegt oder die Heizung streikt – Meister Rainer Wist hilft

Installateurmeister Rainer Wist und Ehefrau Sabrina managen seit zehn Jahren erfolgreich das Familienunternehmen in Berlin-Bohnsdorf

Kurz vor Weihnachten rief die ältere Dame beim Klempnermeister Wist an und bat, doch mal im Sanitärbereich nach dem Rechten zu sehen. Ehefrau Sabrina Wist war am Telefon und fragte die lang-jährige Kundin, was denn kaputt sei. Schließlich rückte die mit dem wahren Grund ihres Anrufs heraus: Sie vermisse die alljährliche Weihnachtskarte von der Firma Wist. Ob es daran liege, daß sie dieses Jahr deren Dienste gar nicht in Anspruch genommen habe? Die Kundin konnte beruhigt werden, sie bekam ihre Karte noch.

„Wir sind oft auch Seelsorger“, meinen Rainer und Sabrina Wist schmunzelnd zu der kleinen Geschichte. Und wenn es noch so stressig ist – die Zeit für ein Gespräch, gerade bei den älteren, oft langjährigen Kunden, nehmen sie sich. In Bohnsdorf im Berliner Süden hat die 2005 gegründete Firma Wist ihren Sitz. Die City ist hier im Siedlungsgebiet mit den Ein- und Zweifamilienhäuschen samt Gärten weit entfernt, wie auf dem Dorf kennt und grüßt man sich, plauscht miteinander.

Der 47jährige Meister für Gas-, Wasser- und Heizungsinstallation erledigt mit seinem kleinen Unternehmen überwiegend Reparatur- und Wartungsaufträge, so vor allem für Heizungsanlagen: „Das hat sich zu unserem Hauptgeschäftsfeld entwickelt. Wir sind langjähriger Fachpartner von BUDERUS, führen für das GASAG-Programm „Bärenheizkomfort“ Aufträge aus und sind im Installateurverzeichnis der Berliner Wasserbetriebe gelistet“, erklärt Rainer Wist. Dazu kommt hin und wieder der Neubau altersgerechter Bäder oder auch „nur“ der Einbau einer neuen Dusche oder eines modernes Bidets. „Bei größeren Aufträgen arbeiten wir mit unseren langjährigen Geschäftspartnern zusammen. Da weiß man, was man hat. Wir wollen uns aufeinander verlassen können“, betont der gestandene Handwerker, der zu Beginn seiner Selbständigkeit auch hin und wieder schlechte Erfahrungen mit windigen Firmen und zahlungsunwilligen Auftraggebern machen mußte.

Neben Rainer Wist kümmert sich Sabrina Wist als gelernte Sekretärin und Buchhalterin vor allem ums Büro. Die Mutter von zwei Töchtern engagiert sich auch im Vorstand des Fördervereins einer ortsansässigen Schule. Vor allem bei der Berufswahl und -orientierung besteht viel Nachholbedaf, stellt die 43jährige fest. „Die Kinder wissen gar nicht, wie viele kleine Handwerksbetriebe hier ansässig sind. Bei der Suche nach einem Praktikum werden die oft übersehen.“ Und Rainer Wist, seit einiger Zeit in der Handwerkerinnung aktiv, ergänzt: „Das Handwerk liegt am Boden! Überall beklagt man Nachwuchssorgen. Aber die Schüler – gerade die praktisch orientierten – werden bisher nicht an solche Berufe herangeführt. Da muß sich dringend was ändern.“

Das Unternehmen feiert sein zehnjähriges Jubiläum in diesem Jahr. Doch die Wists machen davon nicht viel Aufhebens, vermutlich würde ihnen auch die Ruhe zum Feiern fehlen. Denn immer gibt es irgendwas zu tun: „Selbst und ständig“, zitiert Rainer Wist den beliebten Spruch ungezählter Firmeninhaber. An Sonn- und Feiertagen klingelt oft genug das Havarietelefon, erwartet man unverzügliche Hilfe. Dafür hat Wist Verständnis: „Was wir sofort in Ordnung bringen können, wird gemacht, keine Frage.“ Doch mitunter müssen Ersatzteile bestellt werden, und bis sie eintreffen, kann es schon mal ein, zwei Tage dauern. Gerade bei jüngeren Kunden vermißt er dann ein wenig „Demut und den Willen, einmal auf die gewohnte Dusche oder das Vollbad zu verzichten – oder sich mit nur einem beheizten Zimmer in der Wohnung zu begnügen, bis die Anlage wieder richtig funktioniert“.

Selbst in die Jahre gekommene Gas-Au-ßenwandheizer, die ih-ren Geist aufgeben; Spülkästen unbekannter Herkunft, für die es keine Ersatzteile gibt, können den Mann mit den zwei goldenen Händen nicht schrecken. Schon sein Vater war Sanitärinstallateurmeister und zu DDR-Zeiten Vizechef einer hauptstädtischen PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks). „So manches können wir mit ein bißchen Erfindungsgeist wieder zum Laufen bringen“, erzählt der bärtige Handwerksmeister. „Doch manchmal hilft keine Bastelei mehr, dann muß es ein neues Teil sein.“  Was manchem Kunden schwerfällt einzusehen...

Seit 2005 gehört das Familienunternehmen auch dem Unternehmenspool des VDGN an. Bevor der gelernte Gas-Wasser-Installateur seinen Meister und sich selbständig machte, war er in verschiedenen Firmen tätig, so als technischer Betriebsleiter. „Das war damals viel ungewohnte Schreibtischarbeit, auf Dauer nicht das Richtige für mich“, betont der Unternehmer. Später, als angestellter Mitarbeiter einer Sanitärfirma, hielt er es nicht lange aus. Und wer ihm zuhört, ahnt schnell, warum: „Es gibt Installateure, die mögen überschaubare Aufgaben. Denen erklärst du Schritt für Schritt, was sie tun sollen. Und das erledigen sie dann auch prompt. – Und es gibt Leute, die lieben die Herausforderung, jeden Tag ein anderes Problem vor Ort in den Griff zu bekommen.“ Keine Frage, welcher Spezies sich Rainer Wist zugehörig fühlt!

Kerstin Große

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