Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Sind Sie geimpft, Herr Czaja?

Fragen an den Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja zum Thema Masern und Impfen

Sind Sie, geboren 1975 im Osten Berlins, gegen Masern geimpft?
Ja, natürlich.
 
Haben Sie Ihren Impfstatus überprüft?
Ja, das habe ich kurz vor der Geburt unserer Tochter vor zwei Jahren noch einmal getan. Denn die ganz Kleinen können ja noch nicht geimpft werden und wenn der sogenannte „Nestschutz” nachläßt, haben wir Erwachsenen eine besondere Verantwortung.

Berlin hat mit dem größten Masernausbruch seit langem zu kämpfen. Was tun Sie und wie können die Berliner selbst helfen, um daraus keine Epidemie werden zu lassen?
Masernausbrüche gab es leider immer wieder. So auch jetzt in Berlin. Der aktuelle Ausbruch begann im Oktober vergangenen Jahres. Er ist der größte seit langem in Berlin und ein Ende noch nicht abzusehen. Gerade Babys und Jugendliche sind von  diesem Ausbruch besonders stark betroffen. Daher haben wir die Bevölkerung zur Impfung aufgerufen. Sie ist der einzig sichere Schutz vor dieser gefährlichen Infektionskrankheit. Ich setze mich dafür ein, daß die Bedingungen für das Impfen vereinfacht werden. So sollten Kinderärzte auch Erwachsene, die mit ihren Kindern den Kinderarzt aufsuchen, impfen können. Berlinerinnen und Berliner sollten jetzt dringend ihren Impfstatus bei ihrem Hausarzt überprüfen lassen und sich gegebenenfalls impfen lassen. Es bestehen noch große Impf-lücken, die unbedingt geschlossen werden müssen. Wir haben dazu auch den Berliner Impfbeirat als Expertengremium einbezogen.


Sie stehen, wie man las und hörte, einer Masern-Impfpflicht positiv gegenüber – wie Bundesgesundheitsminister Gröhe oder auch der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach –, sehen aber momentan keine Möglichkeit das politisch durchzusetzen?  
Für eine Impfpflicht gibt es bei uns keine parlamentarische Mehrheit. Daher müssen wir auf Prävention und Aufklärung setzen, gerade bei Erwachsenen mit hoher Bildung, denn bei dieser Bevölkerungsgruppe sind die Impflücken am größten. Auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sollen ihre Patientinnen und Patienten aus Anlaß des momentanen Masernausbruchs vermehrt auf die vorhandene Impfung hinweisen. 

Es gibt neben einer Impfpflicht auch andere Instrumente, um die Impfraten weiter zu verbessern. Diese nutzen wir in Berlin. Wir starten regelmäßig Impfaufrufe, die zum Teil über die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission hinausgehen. Viele Berlinerinnen und Berliner holen derzeit eine Masernimpfung nach. Wie schon gesagt, setze ich setze mich auch für ein fachübergreifendes Impfen ein. Dazu bin ich im Gespräch mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung, der Ärztekammer und den Kassenvertretern.  
 
Welche Voraussetzungen müßten denn dafür geschaffen werden? Es gibt doch bereits das Infektionsschutzgesetz, das einen Impfzwang schon jetzt unter bestimmten Bedingungen erlaubt?
Die Bedingungen, die im Infektionsschutzgesetz dazu aufgeführt sind, liegen bei dem Masernausbruch nicht vor. Jetzt müssen wir für einen besseren Impfschutz der Bevölkerung auf andere Mittel setzen wie noch mehr Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit und bessere Rahmenbedingungen. Dazu gehört auch das Präventionsgesetz, das derzeit auf Bundesebene verhandelt wird. Mit dem Präventionsgesetz plant die Bundesregierung  zumindest erste Nachbesserungen in Sachen Impfschutz. So wird das Gesetz mit zur Schließung von Impflücken beitragen, denn es soll Eltern verpflichten, daß sie bei Aufnahme ihres Kindes in eine Gemeinschaftseinrichtung eine Bescheinigung vorlegen müssen, aus der hervorgeht, daß sie zu notwendigen Impfungen beraten wurden. Auch bestimmte Einzelmaßnahmen sind ein gangbarer Weg, einen besseren Durchimpfungsgrad zu erreichen. Schon jetzt ist klar, daß das WHO-Ziel, Masern und Röteln zu eliminieren, nur dann zu erreichen ist, wenn alle Akteure mit viel Beharrlichkeit und Engagement gemeinsam daran arbeiten.
 
Die jüngste Masernwelle in Berlin soll ihren Ausgang in einer Flüchtlingsunterkunft genommen haben. Welche Vorkehrungen werden getroffen, damit das nicht wieder passiert?
Die gesundheitliche Versorgung der Flüchtlinge werden wir weiter verbessern. So laufen im Moment die Vorbereitungen für die Einrichtung einer Zentralen Impfstelle beim Landesamt für Gesundheit und Soziales, bislang wollten das vor allem die Bezirke nicht aus der Hand geben. Die Ankommenden können dann gleich zentral dort geimpft werden. Ich möchte aber betonen, daß die größten Impflücken unter der deutschen Bevölkerung bestehen und leider nur daher aus den wenigen Masernkranken in den Flüchtlingsheimen nun ein solch starker Ausbruch wurde.


Fragen: Kerstin Große

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