Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Unschlagbar effizient”

Was für Wärmepumpen und Power to Heat spricht. Interview mit dem Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP), Karl-Heinz Stawiarski

Karl-Heinz Stawiarski

Herr Stawiarski, die Energiewende kommt immer noch nicht so recht voran. Das liegt auch daran, daß Photovoltaik- und Windkraftanlagen nur bei entsprechendem Wetter und vollkommen unabhängig vom Bedarf Strom produzieren. Hier kann das Prinzip Power to Heat Abhilfe schaffen. Mittlerweile gibt es verschiedene Modelle, überschüssigen Strom effektiv in Wärme umzuwandeln und damit speicherbar zu machen. Zentrale und dezentrale Wärmepumpen für Haushalte, Gewerbe, Fernwärme und Industrie könnten in dieser Hinsicht einmal die wichtigste Technologie werden. Zu diesem Schluß kommen Wissenschaftler des Fraunhofer-Institutes IWES im Zuge eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprogramms. Was prädestiniert aus ihrer Sicht die Wärmepumpe für Power to Heat?Drei Dinge sprechen für die Wärmepumpe. Erstens: Wärmepumpen sind bereits heute am Markt verfügbar und technisch ausgereift. Zweitens: Power to Heat mit Wärmepumpen ist unschlagbar effizient. Ein Heizstab erzeugt mit einer Kilowattstunde Strom maximal eine Kilowattstunde CO2-freier Wärme, eine Wärmepumpe hingegen drei bis vier Kilowattstunden. Außerdem ist Überschußstrom nicht immer verfügbar. Die Wärmepumpe ist auch an windstillen und sonnenarmen Tagen die effizientere Lösung. Drittens: Die Energiewende kann nur dann funktionieren, wenn sie auch den Wärmemarkt als größten Klimagas-Emittenten erfaßt. Dies funktioniert am wirtschaftlichsten mit Wärmepumpen und Erneuerbarem Strom, die fossile Heizungen nach und nach ersetzen.

Werden auch Eigenheimbesitzer künftig davon profitieren können?
Technisch wird das in jedem Fall möglich sein. Es kommt hier aber auf die Rahmenbedingungen an. Die Politik muß flexible Strompreise ermöglichen, dann wird es auch attraktive Angebote für Eigenheimbesitzer geben.

Wie weit ist die Technologie, ist sie bereits praxistauglich? Funktioniert sie nur mit einem Wärmespeicher?
Die Technologie ist voll entwickelt und kann jederzeit eingesetzt werden. Was noch fehlt, sind flexible und wirtschaftliche Strompreise. Um möglichst viel Erneuerbaren Strom nutzen zu können, ist ein Pufferspeicher ideal. Aber auch die Fußbodenheizung oder die Gebäudemasse bieten Speicherpotential.

Welchen Vorteil bietet speziell eine Warmwasser-Wärmepumpe?
Mit einer Kombination von Warmwasser-Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage erzielen Sie besonders hohe Eigenstromverbrauchsquoten. Im Sommer können Sie so den Bedarf für Warmwasser vollständig durch Erneuerbare decken.

Sie plädieren für flexible Strompreise. Welche Rahmenbedingungen müßten konkret verändert werden, um Wärmepumpen künftig effektiv für Power to Heat zu nutzen?
Derzeit wird nur ein Drittel des Wärmepumpen-Strompreises am Markt bestimmt, der Rest sind staatlich regulierte Steuern, Abgaben und Umlagen. Diese schaffen einen festen Preissockel, sodaß es Energieversorgern nicht möglich ist, die notwendigen flexiblen Tarife anzubieten. Wir fordern deshalb, Überschußstrom von den staatlich regulierten Preisbestandteilen zu befreien. 

Angenommen, die Rahmenbedingungen werden verbessert: In welchen Zeiträumen könnte sich eine Kombination von Wärmepumpe und Power to Heat für einen Eigenheimbesitzer amortisieren? Für wen könnte es sich besonders lohnen?
Für die Umwelt lohnt es sich sofort, schließlich ersetzen sie mit jeder Wärmepumpe eine fossile Heizung. Wann es sich genau für den Geldbeutel rechnet, hängt wie gesagt maßgeblich davon ab, wie eine Strompreisreform der Bundesregierung aussehen wird. Bei den Strompreisen vor fünf Jahren hatte sich eine Wärmepumpe nach sechs bis acht Jahren amortisiert.

Wird es künftig möglich sein, bereits vorhandene Wärmepumpen für Power to Heat nachzurüsten?
Grundsätzlich wird es möglich sein, Bestandsanlagen mit der notwendigen Regelungs- und Kommunikationstechnik auszustatten. Ob es möglich sein wird bzw. sich lohnt, einen nicht vorhandenen Pufferspeicher aufzustellen, muß im Einzelfall betrachtet werden. 

Wärmepumpen werden bereits heute zum Lastenmanagement eingesetzt. Wie funktioniert das?
Energieversorger nutzen Wärmepumpen schon seit Jahren zum Lastmanagement. In Zeiten knappen Stroms schalten sie die Wärmepumpen für bis zu drei mal zwei Stunden täglich ab. Das geschieht ohne Komforteinbußen für den Kunden.

Gibt es ihrerseits schon Vorleistungen, um die Wärmepumpe in intelligente Netze einzubinden?
Mit der Schaffung der Schnittstelle SG Ready hat unsere Branche diese Zukunftsthematik bereits 2013 aufgegriffen. Ein entsprechendes Label wird an Wärmepumpen-Baureihen verliehen, deren Regelungstechnik die Einbindung der einzelnen Wärmepumpe in ein intelligentes Stromnetz ermöglicht.

Inzwischen sind rund 900 Modelle von 30 Herstellern mit SG-Ready ausgestattet. Auch der Gesetzgeber honoriert unsere Bemühungen inzwischen: Wärmepumpen mit SG-Ready-Label und ausreichendem Pufferspeicher bekommen 500 Euro MAP-Förderung zusätzlich.

Kritiker sagen, für den Betrieb von Wärmepumpen in großem Maßstab müßten auch künftig konventionelle Kraftwerke vorgehalten werden, um Strombedarfsspitzen abzufangen. Wie sehen Sie das?
Das ist Propaganda. Richtig ist erst einmal: Durch Wärmepumpen wird mehr erneuerbarer Strom genutzt, und weniger EEG-Anlagen müssen abgeregelt werden. Daß große Reserven vorgehalten werden müßten, stimmt nicht. Dafür ist der Anteil der Wärmepumpen am Gesamtstromverbrauch viel zu gering, und wird es auch bei einem massiven Zubau bleiben. Und wenn an den sprichwörtlichen zwei Tagen im Jahr, an denen kein Wind weht und keine Sonne scheint, die Wärmepumpen tatsächlich mit Strom aus effizienten konventionellen Kraftwerken betrieben werden, sind sie in ihrer Ökobilanz immer noch fossilen Heizungen weit voraus.

Das Gespräch führte Hagen Ludwig

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