Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Verweigerung aus gutem Grund

Warum der Südbrandenburgische Abfallzweckverband keine Biotonne einführt

„Unser Verband hat den Klimaschutz in den Vordergrund gestellt, und deshalb will er keine Biotonne!“  Daß er mit diesem Satz Widerspruch provoziert, weiß Lutz Pätzold, Verbands-chef des Südbrandenburgischen Abfallzweckverbandes (SBAZV), nur zu gut. Seit dem 1. Januar 2015 soll das Getrenntsammeln von Bioabfällen in ganz Deutschland Pflicht werden. Das schreibt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz vor. So hat man auch beim Land Brandenburg Konzepte erarbeitet, wie das bis zum Jahr 2020 zu schaffen ist.
Anders als oft wiedergegeben, müsse die Biotonne nicht flächendeckend eingeführt werden, betont jedoch Lutz Pätzold. Das Gesetz lasse sehr wohl Ausnahmen zu: „Bioabfall getrennt zu erfassen und zu verwerten, fordert der Gesetzgeber nur dann, wenn damit ein ökologischer Vorteil für Mensch und Umwelt erreicht werden kann. Mit der Biotonne ist das in unserer Region nicht der Fall.“

In einer modernen Restabfallbehandlungsanlage in Niederlehme, einem Ortsteil von Königs Wusterhausen, wird der gesamte Hausmüll aus der Region Dahmeland-Fläming und dem Nachbarkreis Oder-Spree – samt seiner organischen Bestandteile (Bioabfälle) – aufbereitet. Daraus wird Brennmaterial für das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz gewonnen. Pätzold: „Es ersetzt dort Rohbraunkohle, den größten Klimakiller.“

Der SBAZV sieht keinen Grund, das zu ändern. Zumal die Investition in eine neuartige Biomüll-Verwertungsanlage große Summen verschlingen würde, die die Gebührenzahler letztendlich berappen müßten. Lutz Pätzold: „Effiziente Vergärungsanlagen, die aus dem Biomüll nutzbares Gas, Wärme und Strom produzieren könnten, existieren bisher kaum in Brandenburg!“ Bleibe noch das Kompostieren, wobei nützlicher Humus und Phosphate anfallen; bei offenen Kompost-Mieten aber auch Methan, das in die Atmosphäre entweicht.
Bioabfall zusammen mit dem Restmüll zu verwerten, wie es in Niederlehme geschieht, sei deshalb „momentan das Beste für uns und den Klimaschutz“, unterstreicht der Chef  die Position des Abfallzweckverbands. Gutachten, die der Verband in Auftrag gegeben hatte, bestätigten dies. Auch wirtschaftlich sei die Biotonne zu hinterfragen  – jedenfalls im Verbandsgebiet des SBAZV, erklärt Lutz Pätzold. Sie müßte 14täglich geleert werden, allein von Küchenresten werde der braune Behälter nicht voll. Vermutlich würden dann Grünabfälle aus dem Garten und Reste, die man früher auf den eigenen Komposthaufen gegeben hätte, darin landen.

Die Gebühr müsse sich etwa in Höhe der Restmülltonnen-Gebühr bewegen, da sonst eine Wanderung zum günstigeren Angebot einsetze. Mit 10 bis 12 Euro pro Einwohner und Jahr rechnet Pätzold für die Biotonne. Eine Preissteigerung von immerhin 20 Prozent – bei durchschnittlich 40 Euro Müllgebühren, die zur Zeit beim SBAZV pro Einwohner und Jahr fällig werden!

Ein weiterer Grund, weshalb die Verbandsversammlung des Abfallentsorgers (dort sind Vertreter der angeschlossenen Landkreise vereint)  am 11. Dezember 2014 die Biotonne auf absehbare Zeit ablehnte. Sie beschloß aber auch ein Konzept, wie andere Bioabfälle, so zum Beispiel Laub, Rasenschnitt, Zweige und Geäst besser gesammelt und verwertet werden können.

Das Konzept hat der SBAZV im Januar der Landesregierung zukommen lassen.  Pätzold ist gespannt, wie es aufgenommen wird. Im schlimmsten Falle kann das Land den Entsorger zur Biotonne zwingen.

Kerstin Große

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