Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Weniger Streß, mehr Bewegung

Fragen und Antworten zum Thema Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist ein bedrohlicher Ernstfall für die Gesundheit. Was tun bei einem Schlaganfall? Wo gibt es Hilfe? Und was kann man selbst vorbeugend tun? Experten der Deutschen Schlaganfallhilfe beantworteten im Telefonforum des VDGN Fragen zum Thema Schlaganfall.

Wie soll denn nun ein gut eingestellter Blutdruck aussehen?
Heutzutage wird in jeder Altersgruppe ein Zielblutdruckwert von 120 bis 125 mmHg systolisch empfohlen, um das Risiko für vaskuläre Ereignisse wie Schlaganfall oder Herzinfarkt zu vermindern. Besonders bei jüngeren Menschen wird die Bedeutung eines zu hohen Blutdrucks häufig unterschätzt. Aus diesem Grunde ist es unbedingt empfehlenswert, schon im jungen Erwachsenenalter regelmäßig den Blutdruck zu kontrollieren. Die früher landläufige Meinung, daß bei älteren Patienten ein höherer Blutdruck toleriert werden kann, ist heute überholt.

Was sind die Warnzeichen für einen Schlaganfall?
Die Warnsymptome für einen Schlaganfall treten in aller Regel plötzlich auf. Diese Symptome sind z. B. Bewußtseinstrübungen oder -störungen, Sprachstörungen, Lähmungen, insbesondere halbseitige Lähmungen ebenso Sehstörungen aber auch unspezifische Störungen, wie z. B. Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Des Weiteren kann eine undeutliche Sprache auftreten. Auch, wenn sich diese Anzeichen nur kurzfristig zeigen und schnell wieder eine Besserung eintritt, sollten Sie trotzdem den Rettungsdienst 112 alarmieren.

Welche Notfallnummer soll man wählen, 112 oder 110?
Als einheitliche Notrufnummer wird europaweit die 112 angestrebt. Leider ist sie in der Bundesrepublik noch nicht flächendeckend umgesetzt. In manchen Bereichen gilt noch die Rufnummer 19222. Hier erfolgt eine Weiterleitung zu der Rettungsleitstelle. Bei Wahl der 110, die die Notrufnummer für polizeiliche Hilfesuchende ist, kommt es möglicherweise zu einer verzögerten Hilfe.

Ist es richtig, daß man nach einem Schlaganfall keine genaue Diagnose stellen kann? Meine Schwester hat im Juli diesen Jahres einen schweren Schlaganfall erlitten. Die Schädeldecke wurde entfernt. Die Ärzte können nichts Konkretes sagen.
Ihre Schwester hat offensichtlich einen sehr schweren Schlaganfall erlitten. Aufgrund des erhöhten Drucks im Schädelinneren mußte ein Teil der Schädeldecke entfernt werden. Dies ist eine in der modernen Schlaganfallmedizin übliche Form der Behandlung, um den durch den Schlaganfall erfolgten Gewebeschaden möglichst klein zu halten und das Leben der betroffenen Patienten zu retten. Die von Ihnen verständlicherweise gewünschte Aussage bezüglich der Prognose kann auf der Grundlage Ihrer Angaben nicht sicher beantwortet werden.

Mein Bruder liegt mit Schlaganfall im Krankenhaus. Als Schwester bekomme ich keine Auskünfte. Ist das rechtens?
Das Recht auf Auskünfte bezüglich des Gesundheitszustandes und der Prognose steht grundsätzlich nur dem Patienten selbst und seinem gesetzlichen Betreuer zu. Als Schwester haben Sie leider kein gesetzliches Anrecht auf eine Information durch die behandelnden Ärzte.
 
Alle reden von einem Zeitfenster, das nicht größer als drei Stunden sein soll, nur unser Hausarzt meinte, es sei keine Eile. Was ist richtig?
Das Zeitfenster für die Lyse-Behandlung ist sehr klein, so daß sofort und dringend gehandelt werden muß. Generell ist dies der Grund, warum beim Auftreten von Schlaganfall-Symptomen nicht der Hausarzt aufgesucht werden sollte, sondern direkt der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden muß. Lediglich, wenn die Symptome schon länger bestehen, ist die weitere Therapie nicht mehr in diesem Maße zeitdringlich.

Die von Ihnen angesprochene Thrombolyse-Behandlung vermag in vielen Fällen ein Blutgerinnsel in einer verschlossenen Hirnschlagader aufzulösen und dadurch die Gehirndurchblutung wieder herzustellen. Das verabreichte Medikament ist mit natürlich vorkommenden Blutbestandteilen, die jeder Mensch in sich trägt, sehr verwandt. Zum Zeitpunkt der Behandlung und wenige Stunden nach Behandlungsende besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen. Das Risiko der Behandlung ist jedoch wesentlich geringer als der zu erwartende Nutzen für den betroffenen Patienten.

Was bedeutet Dissektion?
Bei einer Gefäßdissektion handelt es sich um eine Verletzung einer Schlagader, bei der es in die Schlagaderwand einblutet. Dieses sogenannte Wandhämatom kann so groß werden, daß die komplette Schlagader hiervon abgedrückt und dadurch verschlossen wird. Kommen solche Gefäßdissektionen an den hirnversorgenden Schlagadern, z.B. den Halsschlagadern vor, so besteht ein hohes Risiko für Schlaganfälle. In vielen Fällen geht einer Dissektion einer Halsschlagader ein Unfall voraus. Häufig kann man allerdings keine sichere Ursache finden. Grundsätzlich ist besonders in den ersten Wochen und Monaten nach einer Dissektion von einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko auszugehen.


Ich bin 62 Jahre alt, treibe Sport und meine Frau kocht gesund.  Habe ich ein Schlaganfall-Risiko?
Offensichtlich sind Sie sehr um Ihre Gesundheit bemüht und treiben lobenswerter Weise regelmäßig Sport und ernähren sich ausgewogen. Dadurch haben Sie bereits sehr viel getan, um das Risiko für Blutgefäßerkrankungen zu senken. In Ihrem Alter findet man jedoch nicht selten eine Artherosklerose, die sich durch Ultraschalluntersuchung nachweisen läßt.

Was sind Risikofaktoren für einen Schlaganfall?
Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck, der nicht ausreichend behandelt wird, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, also Zuckerkrankheit sowie familiäre Belastung. Außerdem sind die weitgehend bekannten Risikofaktoren Übergewicht, Nikotinsucht und Bewegungsmangel zu nennen.

Warum muß die Thrombolyse-Behandlung so schnell gemacht werden?
Grundsätzlich muß man davon ausgehen, daß Nervenzellen im Gehirn nur sehr kurze Zeit ohne eine ausreichende Durchblutung überleben können. Bei einem bereits mehrere Stunden bestehenden Blutgefäßverschluß ist davon auszugehen, daß alle von diesem Blutgefäß versorgten Nervenzellen bereits zugrunde gegangen sind.

Würde man zu diesem Zeitpunkt das verschlossene Blutgefäß wieder eröffnen, so würde die verloren gegangene Hirnfunktionsstörung nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Im Gegenteil: Durch eine Thrombolysebehandlung zu einem solch späten Zeitpunkt müßte mit einem sehr hohen Risiko für eine lebensbedrohliche Blutung in das vom Schlaganfall betroffene Hirngewebe gerechnet werden. Aus diesem Grunde verbietet sich eine Thrombolysebehandlung in solchen Fällen.

Stimmt es, daß sich beim Schlaganfall Belag in einer Ader löst?
Ihre Schilderung entspricht genau dem Mechanismus, der vielen Schlaganfällen zugrunde liegt. Der genaue Ablauf verhält sich wie folgt: Durch über eine lange Zeit einwirkende Risikofaktoren wie z. B. Bluthochdruck, kommt es zu einer Schädigung der Blutgefäßwand und in deren Folge zu einer Arterienverkalkung (Artherosklerose). Bei einer stark ausgeprägten Artherosklerose können sich in bestimmten Situationen Teile der verkalkten Arterienwand ablösen und mit dem Blut in das Gehirn gespült werden. Dort können diese Gerinnsel eine kleine Hirnschlagader verstopfen und dadurch die Blutversorgung verhindern.


Kann Streß zumSchlaganfall führen?
Streß führt sehr häufig zu einem erhöhten Blutdruck und der vermehrten Ausschüttung sogenannter vasoreaktiver Substanzen, die in der Zusammenschau das Risiko für eine Gefäßerkrankung erhöhen.


Muß man einen Schlaganfall-Patienten auf eine besondere Weise lagern, wenn man auf den Notarzt wartet?
In den allermeisten Fällen wird es sinnvoll sein, den Patienten mit erhöhtem Oberkörper und geradem, nicht geneigtem Kopf, zu lagern. Dies verbessert den Blutabfluß aus dem Gehirn und ist deshalb beim Schlaganfall anzuraten. Einschränkend könnte man sagen, daß bei extrem erniedrigten Blutdrucken diese Lagerung nicht geeignet wäre. Aber das wird nur selten der Fall sein. Wenn es zu einer Lähmung gekommen ist, sollte der z. B. betroffene Arm weich gelagert werden, da der Patient bei Ausfall der Sensibilität mögliche Schädigungen der Haut oder der Weichteile selbst nicht wahrnehmen würde. Bevor diese spezifischen Maßnahmen durchgeführt werden, alarmieren Sie in jedem Falle den Rettungsdienst.


Kann auch eín Laie einen Schlaganfall erkennen? Hilft Mund-zu-Mund Beatmung?
Es gibt einen in Amerika entwickelten Kurztest (FAST-Test), der auch Laien durchaus sicher in die Lage versetzt, einen Schlaganfall zu diagnostizieren. Dabei sind folgende Maßnahmen durchzuführen: Der Patient sollte aufgefordert werden zu lächeln. Geht dies nicht, wäre dies ein Hinweis auf einen Schlaganfall.
Das Gleiche könnte vermutet werden, wenn er einen einfachen Satz nicht nachsprechen kann. Außerdem kann man den Patienten auffordern, beide Arme zu erheben und erhoben zu halten. Das Herabsinken einer der beiden Arme könnte auf einen Schlaganfall hinweisen. Zudem sollte er die Zunge herausstrecken. Dabei wäre deren Abweichen zu einer Seite ebenfalls ein Hinweis auf das Vorliegen der genannten Erkrankung.

Die von Ihnen angesprochene Mund-zu-Mund-Beatmung ist eine Maßnahme, die nur bei Atemstillstand empfohlen werden kann. Dieser wiederum tritt bei der überwiegenden Zahl aller Fälle nur zusammen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf, so daß hier eine Wiederbelebung durchgeführt werden müßte.

Die von Ihnen genannte Unpäßlichkeit wäre sicherlich nur bei einer bewußtseinsklaren Person zu vermuten, diese wiederum hätte sicherlich auch keinen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Hin und wieder habe ich beim Arbeiten am PC Händekribbeln. Ist das ein Vorbote für einen Schlaganfall?
Bei denen von Ihnen geschilderten „Kribbelmißempfindungen” der Hände handelt es sich sicherlich nicht um die Symptome eines drohenden Schlaganfalls. Es ist geradezu klassisch, daß bei längerer Arbeit an Computertastaturen Taubheitsgefühle in bestimmten Bereich der Hände und Finger auftreten, welche sich durch einfache Maßnahmen wie „Handausschütteln” zurückbilden.

In den meisten Fällen liegt dem eine Bedrängung eines Nervs im Bereich des Handgelenkes (Nervus medianus) zugrunde. Gegebenenfalls wäre es sinnvoll, wenn Sie bei einem Neurologen die Nervenleitung in diesem Bereich messen lassen und sich über Vermeidungsstrategien solcher Symptome informieren lassen.

Wie gefährlich sind kurzzeitige Durchblutungsstörungen? Meine Frau hat sie schon dreimal gehabt.
Kurzzeitige Durchblutungsstörungen äußern sich häufig in vorübergehenden neurologischen Ausfallerscheinungen. Grundsätzlich geht man heute davon aus, daß das Risiko für einen bleibenden Schlaganfall bei solchen vorübergehenden Ausfallserscheinungen besonders hoch ist. Das allgemeine Risiko eines endgültigen Schlaganfalls beträgt nach einer ersten sogenannten transienten ischämischen Attacke von 12 Prozent in der ersten Woche auf 20 Prozent nach drei Monaten. Aufgrund dieser dramatischen Zahlen müssen vor allem wiederholte Attacken als absolutes Warnsignal verstanden werden. Ihre Frau, die ja schon drei Mal solche Attacken hatte, sollte unbedingt nach einem Risiko für Schlaganfälle schauen lassen und zudem einen Neurologen aufsuchen.

Wie ist das mit dem Alter für einen Schlaganfall? Jung oder alt, ist das entscheidend?
Der Schlaganfall ist nicht eine Erkrankung speziell alter Menschen, sondern kann in jedem Lebensalter auftreten. Grundsätzlich steigt aber das Risiko für einen Schlaganfall mit zunehmendem Alter, da negative Faktoren über längere Zeit einwirken konnten.

Funktioniert die Notfallkette, die erforderlich ist, damit alles im Sinne des Patienten klappt, überall?
Der Rettungsdienst ist in Deutschland Ländersache und deswegen in verschiedenen Teilen des Landes unterschiedlich strukturiert. In der Tat ist es so, daß die optimale Behandlung eines Patienten nur funktioniert, wenn alle Glieder der so genannten Rettungskette ineinander greifen. An der ersten Stelle steht der Patient bzw. dessen Angehöriger, der die Schlaganfall-Symptome rechtzeitig deutet und den Rettungsdienst alarmiert.

Für die weitere Versorgung des Patienten sind in vielen Rettungsdienstbereichen Behandlungspfade von den ärztlichen Leitern festgelegt worden, denen Absprachen mit speziellen Behandlungseinrichtungen in Kliniken (Stroke Units) zugrundeliegen. Es ist davon auszugehen, daß hier eine optimale Zusammenarbeit stattfindet. Zumindest aber stattfinden sollte.

Kann man immer von Schlaganfall ausgehen bei Orientierungslosigkeit und Sprachverlust?
Für den medizinischen Laien ist es sehr schwer zu unterscheiden, ob eine Sprachstörung oder eine Orientierungslosigkeit auf einen Schlaganfall zurückzuführen ist. Solche Symptome können bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen auftreten und sind nicht beweisend für einen Schlaganfall. Das plötzliche Auftreten spricht jedoch für einen Schlaganfall als Symptomursache und sollte dazu veranlassen, bis zum Beweis des Gegenteils einen Schlaganfall zu vermuten und die Rettungskette zu alarmieren.

Es ist immer besser, den Rettungsdienst einmal zu viel zu alarmieren als einen möglichen Schlaganfall nicht als solchen ernst zu nehmen und auf spontane Verbesserung der Symptome zu warten.

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