Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Kaum Zweifel an der Unwirtschaftlichkeit

Wohltat oder Wahn? Von der VDGN-Podiumsdiskussion zur Fassadendämmung

Nach den Vorträgen folgte die Podiumsdiskussion zum Thema Fassadendämmung

In der Sache konnte ihm keiner so richtig widersprechen, dem Architekten Konrad Fischer, der mit seinem Vortrag am 21. Juni in in Berlin die von VDGN und VfU organisierte Podiumsdiskussion „Fassadendämmung – Wohltat oder Wahn?" einleitete. Die mit dem Veranstaltungsmotto formulierte Frage beantwortete Fischer eindeutig mit „Wahn". Anhand zahlreicher praktischer Beispiele und wissenschaftlicher Studien legte der Dämmkritiker aus Franken dar, warum Hausbesitzer von der Ummantelung ihrer Gebäude Abstand nehmen sollten: Die versprochenen Spareffekte der Außendämmung (weniger Verbrauch bis zu 70 Prozent) treten keinesfalls ein, so daß sich die Baumaßnahmen nicht amortisieren.

Häuser nehmen Schaden durch Vernässung der Mauern hinter den Dämmfassaden. Auf der Dämmung siedeln sich Algen an, welche mit Bioziden bekämpft werden, die das Grundwasser belasten. Fassadendämmung insbesondere mit Styropor-Platten erhöht die Brandgefahr.

Konrad Fischer trug seine Argumente mit dem Rückenwind zahlreicher Medienveröffentlichungen der letzten Zeit vor, die sich sehr kritisch mit der Fassadendämmung befaßt hatten, so zum Beispiel in der Sendung „Könnes kämpft!" des WDR, der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und der Welt am Sonntag. Führende Dämmstoffhersteller hatten dem zwischenzeitlich eine Kampagne von Fernsehspots und Zeitungsanzeigen entgegengesezt, in der Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert als Kronzeuge für die Aussage dient: „Dämmen lohnt sich." Die Veranstalter der Podiumsdiskussion luden den Autor des Buches „Der Ehrliche ist der Dumme. Über den Verlust der Werte" daraufhin ein. Doch der sagte aus „Zeitgründen" ab.

Das war auch insofern kein Verlust, als sich Peter Junne vom Bundesbauministerium als unterhaltsamer Vertreter seiner Positionen präsentierte. In der Sache ließ er sich nur soweit auf Fischers Vorhaltungen ein, als er betonte, er lebe zufrieden in seinem mit Dämmfassaden versehenen Haus. Und bei den Vorgaben, die der Staat insbesondere mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) für die Dämmung gebe, solle man doch nicht davon ausgehen, „wir seien dumm oder böswillig". Allerdings gab der gelernte Bauingenieur in der späteren Diskussion um die Wirtschaftlichkeit bei der Fassadendämmung bestehender Gebäude zu, man solle derzeit davon wohl lieber die Finger lassen.

Die Debatte um die Wirtschaftlichkeit war auch der Kern der Veranstaltung. So ging aus den Diagrammen, die Justus von Wiedekind von der eigentlich dämmfreundlichen Beratungsgesellschaft co2online vorlegte, hervor, daß sich die Einspareffekte der Fassadendämmung doch erheblich unter den oft versprochenen Werten bewegen. Matthias G. Bumann, der als Bauingenier und Energieberater aus seinen praktischen Erfahrungen schöpfte, bestätigte, wirkliche Effekte beim Energiesparen bringe weniger die Außendämmung, sondern sie entstünden vielmehr durch andere Maßnahmen wie den Einsatz hocheffektiver Heizungssysteme.

Interessante Aspekte brachte Matthias Dunger vom Landesdenkmalamt Berlin in die Diskussion ein. Zum einen beklagte er, daß Außendämmung oftmals wertvolle Fassadenelemente verschwinden lassen, die einem Gebäude Struktur und ästhetischen Reiz verleihen. Zugleich nannte er Beispiele für die gelungene energetische Sanierung denkmalgeschützter Gebäude in Berlin, wie die Siedlung Lindenhof im Süden Schönebergs.

Eine interessante Debatte mit dem lebhaft engagierten Publikum im Saal der Alten Börse Marzahn entspann sich um die Anwendung der EnEV. Die Frage lautete: Wenn mehr als 10 Prozent der Fassade eines Hauses saniert werden sollen, ist es da wirklich so, daß eine Dämmung nach den Bestimmungen der EnEV angebracht werden muß? Konrad Fischer verwies auf den § 25 der EnEV, nach der eine Befreiung gewährt werden muß, wenn der Aufwand innerhalb von zehn Jahren danach nicht erwirtschaftet werden kann. Peter Junne bestritt die 10-Prozent-Regel grundsätzlich. So etwas wäre ein grundgesetzwidriger Vermögenseingriff, so sein eigentlich einleuchtendes Argument, das dennoch bei anwesenden Energieberatern und Bauingenieuren auf großes Erstaunen stieß. Der Frage wird weiter nachzugehen sein.

Das Fazit des Treffens, auf dem sich auch Firmen des VDGN-Unternehmenspools mit ihren Angeboten präsentierten, zog VDGN-Präsident Peter Ohm: Eine Veranstaltung wie diese, die für den VDGN durchaus neuartig sei, könne letztlich nur Anregungen bieten. Entscheidungen müsse schließlich jeder Hauseigentümer selber treffen. Der VDGN aber werde in Zukunft verstärkt dafür eintreten, Zwänge von den Hausbesitzern abzuwenden, in unwirtschaftliche Maßnahmen zu investieren. Die Außenwanddämmung, darin habe die Diskussion bestärkt, sei in diesem Zusammenhang sehr kritisch zu sehen.

zurück