Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Bauministerium muß handeln

Gedanken zur Podiumsdiskussion über den „Dämmwahn“

Immer noch gibt es Diskussionen zum Klimawandel. Ist er vom Menschen verursacht, wie es die Wissenschaft sieht, oder ist die gegenwärtige Entwicklung des Klimas ein Ereignis in der Entwicklung der Erde, unabhängig vom Handeln des Menschen?

Es schadet aber Deutschland und der Menschheit nichts, wenn sie zu begrenzenden Maßnahmen davon ausgeht, daß der Klimawandel vom Menschen gemacht ist. Dann ist man nicht auf der falschen Seite. Wenn alles getan wird, um die Folgen des Klimawandels abzuwehren oder möglichst gering zu halten. Dazu gehört vor allen Dingen die Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch Einsatz anderer Energieformen, vor allem aber durch die Erhöhung der Energieeffizienz. Eine dieser Maßnahmen ist die staatlich geförderte bessere Dämmung aller Gebäude.

Fischer legte in der Veranstaltung von VDGN und VfU am 21. Juni dar, daß nach seinen Erfahrungen bei der Sanierung von 400 Häusern die Dämmung der Gebäude prinzipiell falsch sei, insbesondere die Wanddämmung mit Styropor, aber auch die Dämmung zum ungeheizten Dachgeschoß und der Kellerdecke. Für mich war weiterhin nicht deutlich gesagt worden, ob das auch für die Feuchtigkeit durchlässige Mineralwolle gilt.

Ziel der Dämmung ist die Einsparung von Heizenergie, eine größere Behaglichkeit in den Wohnräumen und nicht zuletzt die Senkung der Heizungskosten. Herr Fischer behauptet in seinem Vortrag, daß er kein Gebäude kennt, das nach der Dämmung weniger Energie verbrauchen würde als vorher. Die Millionen Kubikmeter Styropor, die jährlich vor alten Fassaden in Deutschland angebracht werden, führten nach seiner Meinung nicht zum Schutz der Gebäude, sondern durch Ansammlung von Feuchtigkeit zwischen Dämmung und Außenwand zu einer Durchfeuchtung des Mauerwerks und damit zur Verschlechterung der Wärmedurchgangswerte und letztlich zu ihrer Zerstörung. Die ganze „Dämmerei" hätte deshalb nur einen Nutzen für die Dämmstoffindustrie und für das diese Stoffe verarbeitende Gewerbe.

Kann es sein, daß die Darlegungen des Architekten zutreffend sind? Kann es sein, daß unter den Augen der vielen einschlägigen wissenschaftlichen Institute und Fachleute ein ganzer Industriezweig bewußt im Profitinteresse Mißbrauch mit dem Gebäudebestand treibt und damit der deutschen Volkswirtschaft einen unermeßlichen Schaden zufügt? Im Ausland soll über den deutschen Dämmwahn gelacht werden, wie auch über die deutsche Ingenieurskunst beim Bau des BER oder der Hamburger Oper.

In Brüssel bestand die Absicht, die Krümmung der Bananen zu regulieren, lächerlich genug! Für ein volkswirtschaftlich und klimaschutzmäßig überaus großes Problem wie die Gebäudedämmung findet sich keine unabhängige Institution, die ausgehend von objektiven bauphysikalischen und wirtschaftlichen Erkenntnissen feststellt, was richtig ist.

Nach dieser Veranstaltung habe ich mich im Internet um Klarstellung – auch im eigenen Interesse – bemüht. Die dort geführten Diskussionen – vor allem auf der Website des Deutschen Architektenblattes – sind von Ausnahmen abgesehen, nicht am Problem orientiert, sondern von Haß und persönlichen Anwürfen geprägte Meinungen. So wird keine für die Bausubstanz, die Energieeffizienz und die Einsparung von Energie erforderliche Klärung erreicht.

Da es sich hier um ein entscheidendes volkswirtschaftliches Problem handelt, muß eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende gesetzliche Grundlage geschaffen werden, d.h., das Bauministerium muß endlich handeln.

P.S.: In der Sonderbeilage der Berliner Zeitung vom 1. Juli 2014 wird Frau Elke Pahl-Weber, Professorin am Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin, mit den Worten zitiert: „teils würden Energieeinsparungen über Dämmungen erreicht, die die Gebäude kaputt machen.“

Karl Holst, Berlin

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