Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Natur zerstören, um ökologisch zu sein?“

Wandlitzer Bürgerinitiative wehrt sich gegen Pläne für eine gigantische Windparkanlage im Landschaftsschutzgebiet

Der Liepnitzsee direkt vor den Toren Berlins
Im Liepnitzwald - noch unberührte Natur
Sprecher der Bürgerinitiative: Angela Kowalick und Hans-Jürgen Klemm

Seit mehr als 100 Jahren gehört der Liepnitzsee bei Wandlitz zu den attraktivsten Ausflugs- und Erholungszielen für viele Berliner und Brandenburger. Bis zu 20.000 Besucher kommen vor allem im Frühling und Sommer jedes Wochenende hierher. Eingebettet ist der See (im übrigen einer der seltenen Klarwasserbinnenseen Brandenburgs) in einem alten, großflächigen Buchenwald. Von denen wiederum – den Buchenwäldern, gibt es deutschlandweit nur noch 3 Prozent. Die Natur-Idylle ist Teil eines Schutzgebietes im Naturpark Barnim.

Eher am Rande der öffentlichen Wahrnehmbarkeit wurde bekannt, daß im Auftrag des Landes auch die Regionalplaner in Eberswalde auf dieses einzigartige Landschaftsschutzgebiet aufmerksam wurden. Brandenburg sucht nach Flächen für Windparkanlagen, Brandenburg will und muss seinen Teil liefern für den öko-energetischen Umbau Deutschlands. Vor diesem Hintergrund entstanden bereits 2011 erste Pläne, den Wandlitzer Liepnitzwald für  Windenergieindustrieanlagen zu nutzen. Hier einige Details: Im Wald sollen ca. 30 Windkraftwerke entstehen. Dafür, so das Potsdamer Forstministerium, müssen zirka 15.000 Quadratmeter Waldfläche für die Einrichtung der Baustelle kahlgeschlagen werden – pro Windkraftwerk, versteht sich. Im Anschluß verbleiben ca. 7.000 Quadratmeter – wiederum pro Windkraftwerk, dauerhaft ohne Büsche und Bäume. Hinzu kommen über

7 Meter breite, schwerlastfähig ausgebaute Erschließungsstraßen mit 80 Meter breiten Kurvenradien, hinzu kommen Kabeltrassen und die Planierung der im Liepnitzwald bis zu 20 Meter hohen Endmoränen. Daß sich damit das Landschaftsbild in dramatischer Weise verändern wird, liegt klar auf der Hand. Im Ergebnis, so die Befürchtung, entsteht ein Flickenteppich von Waldfragmenten, verbunden mit Luft- und Schallschneisen, über die Stickoxide, Feinstaub und Schallemissionen der nahen BAB 11 in den verbleibenden Erholungswald am Liepnitzsee eindringen werden. Damit dürfte neben dem Landschaftsschutz auch die Erholungsfunktion des Gebietes völlig in Frage gestellt sein.

Hände weg vom Wald!
„Wer sich mit dem Bau von Windenergieindustrieanlagen beschäftigt“, so Hans-Jürgen Klemm und Angela Kowalick von der Bürgerinitiative ‚Hände weg vom Liepnitzwald‘, „muß sich damit auseinandersetzen,  was das für die Menschen vor Ort, was das für die Flora und Fauna bedeutet.“ Was passiert, wenn Anwohner permanent der heutigen Generation von Windanlagen, die bis zu 220 Meter hoch sind, ausgesetzt werden? Welche Auswirkungen auf die Gesundheit haben Lichtschattenschlag, Infraschall, Eisschlag? Wie wirkt sich das auf schutzbedürftige Tierarten aus? Auf Vögel, auf Fledermäuse? Mal ganz abgesehen von solchen „schnöden“ finanziellen Dingen wie Wertminderungen für Grundstücke und Gebäude? Denn anders als beim Braunkohletagebau gibt es beim Bau von Windenergieanlagen keinerlei Entschädigungen. Und wie ist der Brandschutz geregelt, denn eine Schwachstelle vieler dieser Anlagen ist die Gefahr von Anlagenbränden in für Feuerwehren nicht erreichbaren Höhen und noch dazu an Hochspannungsbauteilen.…?

Politik duckt sich ab
„Was ist das für eine schwachsinnige Erfindung – Natur zerstören, um ökologisch zu sein“, schüttelt Angela Kowalick den Kopf. Seit Oktober 2011 kämpft die Bürgerinitiative „Hände weg vom Liepnitzwald“ gegen die Pläne zum Bau der Windparkanlagen. „In der Gemeinde“, so Klemm, „sind alle gegen diese Pläne, einstimmig; im Kreistag gibt es nur wenige Befürworter, im Landtag dagegen ist man dafür.“ So wäre das eben mit der Politik, einfach nur verantwortungslos. Mittlerweile nutzen die BI-Mitstreiter (100 aktive Mitglieder, „in der Spitze bis zu 400“) das gesamte Instrumentarium des Protestes.

Es gibt zahlreiche Unterschriftensammlungen – auch auf der Homepage der BI, es gibt Aktionen vor Ort, vor dem Kreistag, in Ausschüssen, es werden Petitionen geschrieben, Eingaben an die zuständigen Ministerien (Wirtschafts- und Umweltministerium) in Potsdam eingereicht. Doch die Politik ducke sich ab, meint Klemm.

Die BI „Rettet den Liepnitzwald“ ist übrigens auch Gründungsmitglied der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“, in der alle Bürgerinitiativen des Bundeslandes vereint sind. Deutschlandweit, so Klemm, gebe es rund 300 Bürgerinitiativen. Mehr als 50 davon kommen allein aus Brandenburg. Das sage doch was aus über die herrschende politische Kultur im Lande, meint Klemm, „vor allem über die Ignoranz, die Anmaßung und Bürgerferne der heute Regierenden“.

Einsehbar ist der Teilflächenplan „Windenergie, Rohstoffsicherung und -gewinnung” unter www.pro-liepnitzwald.de.

MH

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