Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Strom so teuer wie nirgendwo sonst

Brandenburger zahlen mit höchsten Energiepreisen für den Windkraftausbau

In den Ost-Bundesländern ist der Strom viel teurer als in den West-Bundesländern und auch teurer als in Stadtstaaten wie Berlin. An der absoluten Spitze der Preistabelle liegt das Bundesland Brandenburg. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden zahlt hier 1.187 Euro pro Jahr. Das sind 6,2 Prozent mehr gegenüber dem Jahrespreis von 1.114 Euro eines vergleichbaren Haushaltes in Baden-Württemberg.

Woran liegt das? Die bundesweit erhobene EEG-Umlage für die Förderung der sog. Erneuerbaren Energien, so ärgerlich sie für die Stromkunden ist, kann hieran nicht schuld sein. Denn diese wird bundesweit einheitlich erhoben. Es sind vielmehr die Netzentgelte, die solche Preisdifferenzen bewirken. Sie werden von den jeweiligen Betreibern der Stromnetze kassiert und letztlich über die einzelnen Versorger den Endkunden in Rechnung gestellt. Und diese Netzentgelte sind gerade in den Ost-Bundesländern besonders hoch. Der Musterhaushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bezahlte in Brandenburg 2013 beim Netzentgelt den deutschen Spitzensatz von 345 Euro. In Baden-Württemberg dagen waren es nur 234 Euro.

Richtig interessant wird es nun, wenn man beide Bundesländer in Sachen Windkraftnutzung vergleicht. Da gehört das zu großen Teilen „verspargelte“ Brandenburg mit einer installierten Leistung von 5.047 Megawatt zu den Spitzenreitern deutschlandweit, während das Baden-Württemberg des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann auf gerade 533 Megawatt kommt.

Was das mit den Netzentgelten zu tun hat? Viel. Denn in diese Entgelte fließen gerade auch die Investitionskosten für den Netzanschluß von Windkraftanlagen ein. Brandenburg hat hier von 2012 zu 2013 einen Zuwachs an installierter Leistung um 231 Megawatt erlebt, in Baden-Würtemmberg waren es ganze 32 Megawatt. Und nicht zu vergessen: Auf das Netzentgelt wirkt sich auch aus, wenn sich die Windmühlen vollkommen sinnlos drehen, weil ihren Strom niemand braucht. Dann bekommen die Windkraftbetreiber eine Entschädigung, die von den Stromkunden ihrer Region bezahlt werden muß. Außerdem wirkt sich die besonders dünne Besiedlung Brandenburgs mit seinen vergleichsweise wenigen Verbrauchern auf die Höhe des Netzentgeltes aus.

So ergibt sich eine perverse Situation. Menschen, die mit einer enormen Landschaftszerstörung durch Windparks, Gesundheitsrisiken und dem Wertverlust ihres Eigentums in der Nähe von Windrädern leben müssen, werden dafür noch kräftig zur Kasse gebeten. Bundesländer wie Baden-Württemberg profitieren davon doppelt. Für ihre energiebedürftige Wirtschaft beziehen sie zunehmend Strom aus dem Norden, ohne ihre eigene Bevölkerung allzu stark mit Windpark-Monstern und hohen Netzentgelten zu belasten. Während Brandenburgs hohe Strompreise als eine starke Bremse für die Gewerbeansiedlung wirken und selbstverständlich die Kaufkraft der Einwohnerschaft schmälern. Brandenburg liegt hier mit 18.684 Euro pro Einwohner deutschlandweit recht weit hinten, Baden-Württemberg mit 22.760 Euro recht weit vorn.  

Brandenburgs derzeitige Regierungsparteien SPD und LINKE kümmert das alles nicht. Sonst würden sie es zum Thema der diesjährigen Wahlkämpfe gemacht haben und längst eine Bundesratsinitiative für bundesweit einheitliche Netzentgelte auf den Weg gebracht haben. Die SPD verspricht im Entwurf ihres Programms für die Landtagswahl vielmehr einen weiteren „Ausbau der Windkraft“, 2 Prozent der Landesfläche sollen mit Windrädern zugestellt werden. Der Begriff „Netzentgelt“ aber kommt gar nicht vor. DIE LINKEN geben als Ziel eine „Versorgung der gesamten Region Berlin-Brandenburg mit Strom aus erneuerbaren Energien“ an, ohne irgendwo die Preisfrage nach den Netzentgelten zu stellen.       

Holger Becker

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