Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Hessen läßt Hausbesitzer nicht im Regen stehen

Land geht mit Partnern gegen „Vernässung“ vor Fragen zu zwei Projekten an Dr. Martina Bodem vom Regierungspräsidium Darmstadt

Intelligente Lösungen im Darmstädter Westwald: Um die Siedlungen der Umgebung vor Nässe zu schützen, wird das Wasser dorthin geleitet, wo es gebraucht wird bzw. keinen Schaden anrichtet - auf landwirtschaftliche Flächen oder in Waldgebiete
Wasser im Keller zerstört Mauerwerk

Frau Dr. Bodem, Sie stellten kürzlich auf der ersten Berliner Grundwasserkonferenz Ihre Erfahrungen im Umgang mit hohen Grundwasserständen in Südhessen vor. Vereinfacht gesagt, geht es darum, Wohnbebauung vor der Nässe zu schützen und das Wasser dorthin zu leiten, wo es gebraucht wird bzw. keinen Schaden anrichtet: in den Wald, auf landwirtschaftliche Flächen oder in Gewässer. Das Land Hessen – konkret, das Regierungspräsidium Darmstadt – hat bei den zwei vorgestellten Modellprojekten die Federführung. Was waren für Sie die Gründe, hier aktiv zu werden? Welche Partner holten Sie mit ins Boot?
In meinem Vortrag hatte ich zwei Projekte angesprochen: 1. Das Gesamtkonzept zur Vermeidung von Vernässungen im Hessischen Ried, 2. Der Darmstädter Westwald. Das Gesamtkonzept zur Vermeidung von Vernässungen im Hessischen Ried hatte die Hessische Landesregierung im Jahr 2002 als umfassendes Maßnahmenpaket speziell zur Vernässungsproblematik beschlossen. Neben einer intensiveren Öffentlichkeitsarbeit, der Erfassung und Dokumentation von Vernässungspotentialen sowie eines begleitenden Monitorings im Sinne einer Frühwarnung wurde die Leistungsfähigkeit der Vorflutersysteme verbessert und einige Kommunen haben Brunnen zum Schutz der Gebäude gebaut.
Das Regierungspräsidium Darmstadt wurde vor allem aktiv, weil viele Gebäudevernässungen gemeldet wurden und die Landesverwaltung größtmögliche Unterstützung anbieten wollte. Partner waren das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie, der für die Infiltration verantwortliche Wasserverband Hessisches Ried, die zuständigen Gewässerverbände und die betroffenen Kommunen. Einige Kommunen haben Konzepte zur Begrenzung der Grundwasserstände im Bereich vernässungsgefährdeter Gebiete erarbeitet und umgesetzt.
Das Projekt „Darmstädter Westwald“ wurde von den Forstbehörden aufgrund von Waldschäden angeregt. In einem Waldgebiet zwischen Darmstadt und den Nachbarkommunen Weiterstadt und Griesheim sind die Grundwasserstände aufgrund von Grundwasserförderungen vor einigen Jahrzehnten abgesunken, so daß der Grundwasseranschluß der Baumwurzeln verloren ging und damit Waldschäden entstanden. In der Folgezeit dehnten sich die Kommunen Weiterstadt und Griesheim auf umgebende Flächen aus, ohne daß geeignete Abdichtungen Vorkehrungen gegen hohe Grundwasserstände getroffen wurden.
Als die Grundwasserstände witterungsbedingt und durch Reduktion der  industriellen Grundwasserförderung wieder angestiegen sind, entstanden Vernässungsschäden an Bauwerken. In dieser Situation entstand die Idee, Brunnen am Ortsrand der beiden Kommunen zu errichten und das geförderte Wasser im Wald zu versickern. Da in der Umgebung der Waldgebiete noch landwirtschaftliche Beregnungsflächen liegen, war es naheliegend, das Wasser über das Rohrleitungsnetz der Beregnungsverbände in die Waldgebiete zu bringen. Zu diesem Zweck wurden noch zusätzliche Rohrleitungen gebaut.
Zur Organisation dieses Projektes war das Regierungspräsidium Darmstadt als Bündelungsbehörde, in der die obere Wasser-, Forst-, Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden angesiedelt sind, geradezu prädestiniert. Weitere Partner waren die betroffenen Kommunen, Forstämter, Beregnungsverbände sowie die industriellen und kommunalen Grundwasserentnehmer. Ein Planungsbüro, das von den Kommunen Weiterstadt und Griesheim beauftragt wurde, erarbeitete ein Steuerungskonzept mithilfe eines Grundwassermodells.

Das Projekt Darmstädter Wald läuft seit ungefähr zehn Jahren. Grundwasser-Meßstellen waren einzurichten, lokale Schutzbrunnen wurden in der Nähe von Wohnsiedlungen gebaut, Rohrsysteme und Beregnungsanlagen errichtet, die Gewässer müssen von den Kommunen regelmäßig unterhalten werden – und nicht zuletzt war die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu organisieren. Da stellt sich die Frage, woher kam und kommt das Geld dafür?
Zur Abwicklung des Projekts wurde ein Vertrag geschlossen, in dem die finanziellen Beteiligungen klar geregelt sind. Finanziell beteiligt sind die betroffenen Kommunen, das Land Hessen als Waldbesitzer sowie ein Betreiber einer industriellen Grundwasserentnahme und ein öffentlicher Wasserversorger.

Stichwort Bauleitplanung: Wie werden heute Bauherren informiert, wenn sie in vernässungsgefährdeten Gebieten ein Haus bauen wollen? Was ist unter den sogenannten „Bemessungs-Grundwasserständen” zu verstehen?
Das Regierungspräsidium Darmstadt weist in den jeweiligen Bauleitplanungen auf eine mögliche Vernässungsproblematik hin. Die meisten Kommunen im Hessischen Ried haben bereits Bemessungsgrundwasserstände festgesetzt. Der Bemessungsgrundwasserstand (BGW) ist der Grundwasserhöchststand, der sich witterungsbedingt einstellen kann. Dabei sind die dauerhaft verbindlich festgeschriebenen und die nicht verbindlich festgeschriebenen wasserwirtschaftlichen Maßnahmen zu unterscheiden und mit ihren Auswirkungen auf den Grundwasserstand zu berücksichtigen (zitiert nach Vortrag von Dr. Gerdes bei der Berliner Grundwasserkonferenz, BWK-Regelwerk Merkblatt BWK M8).

Um Wohn-Siedlungen zu schützen, seien Schwachstellen im Gewässersystem beseitigt worden, erläuterten Sie in Ihrem Vortrag auf der Berliner Grundwasserkonferenz. Was meinten Sie damit konkret?
Eine wirksame Maßnahme war die Verbesserung der Abfluß-Situation, um das Wasser bei hohen Grundwasserständen schneller in den Rhein zu bringen. Anhand von Niederschlags-abflußmodellen wurden einige Schwachstellen im Gewässersystem entdeckt, an denen noch kleinere Pumpwerke errichtet und einige Pumpwerke erweitert wurden, so daß das Wasser schneller in den Rhein fließt.   

Wie geht es nun weiter? Und was haben andere Regionen in Hessen davon, in denen vielleicht ähnliche Probleme anstehen?
Das Westwaldprojekt läuft noch bis zum Jahr 2016. Es wurde beim letzten Projekttreffen von allen Beteiligten sehr positiv bewertet. Daher finden zurzeit die ersten Abstimmungen zur Fortsetzung des Projektes statt.
Das Gesamtkonzept zur Vermeidung von Vernässungen im Hessischen Ried ist weitgehend abgeschlossen. Aufgrund der umgesetzten Maßnahmen waren die Auswirkungen in der letzten Naßperiode (2011) deutlich geringer.
Das Hessische Ried ist naturräumlich nicht mit anderen Regionen Hessens vergleichbar. Daher ist aus anderen Bereichen Hessens eine solche komplexe wasserwirtschaftliche Problematik nicht bekannt.

Fragen: Kerstin Große

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