Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Mit Axt und Kettensäge

Ausflüge in die kleine und die große Welt (Folge 15): Im Wald und am Kamin

Von Holger Becker

Computer hin, Dampfmaschine her, die wesentlich wichtigere Innovation in der Geschichte der Menschheit war es, als der Homo habilis vor vielleicht zwei Millionen Jahren für sich das Feuer entdeckte. Indem er es briet oder kochte, machte dieser vormenschliche Mensch das Fleisch von Tieren für sich bekömmlich. Das Feuer bot ihm Schutz vor Kälte, Raubtieren und Insekten sowie Licht in der Dunkelheit.

Allerdings die Geschichte des Feuers zeigt, wie langsam der Mensch lernt. Denn fast zwei Millionen Jahre dauerte es auch, bis man ein Feuer quasi aus dem nichts entstehen lassen konnte. Es waren Chinesen, die im 6. Jahrhundert die ersten Schwefelhölzchen nutzten und so frühzeitig alle Lügen straften, die meinen, Vertreter dieser Nation könnten nur raubkopieren. Doch den großen Durchbruch zum allgemeinen Gebrauchsgegenstand in Europa schafften die kleinen Feuerspender erst, nachdem der Deutsche Rudolf Christian Boettiger 1848 das Sicherheitszündholz erfunden und sein Patent nach Schweden verkauft hatte. In den Zeiten davor durfte in den meisten Herden und Öfen das Feuer nie ausgehen. Die Glut im Ofen zu erhalten, gehörte zu den Kulturtechniken. So pflegen noch heute Bewohner der Shetland-Inseln den Brauch, beim Umzug in eine neue Wohnung ein Teil der Glut aus dem Ofen der alten mitzunehmen.

Churchill und die Streichhölzer
Aber wie gesagt, zum Glück ist das nicht mehr nötig. Auch das Streichholz hat die Welt nachhaltig verändert. Was übrigens auch für die Grenzen in Europa gilt. Als Stalin auf der Konferenz von Teheran 1943 bei Churchill eine Verschiebung der Grenzen der Sowjetunion, Polens und Deutschlands anfragte, legte der drei Streichhölzer auf den Tisch, die genau diese drei Länder symbolisierten. Das Streichholz rechtsaußen drückte er nach links und schob die beiden anderen in dieselbe Richtung.

Obwohl das Feuer durch Krieg und anderweitig entzündete Brände auch Leid ohne Ende hervorgerufen hat, übt es auf die meisten Menschen bis heute eine faszinierende Wirkung aus. Warum sonst versammeln sich Familien und Freunde so gern zu abendlicher Stunde am Feuer im Freien, sind die Baumärkte voll von durchaus überteuerten Feuerschalen in den verschiedensten Grö-ßen? Warum sonst finden sich Kaminöfen in unterschiedlichen Größen und Stilen in immer mehr Häusern und Wohnungen? Sicher, so lassen sich Heizkosten sparen. Aber es haut nur richtig rein, wenn einer das Holz nicht fix und fertig beim Händler kauft, sondern selbst schlägt, sägt, spaltet, stapelt und trocknet. Die Preise für Öl und Gas jedenfalls verharren seit Jahren auf demselben Niveau.  Und die dazugehörigen Heizungen verwerten ihr Futter auf immer bessere Weise.

Wahrscheinlich steckt in uns allen noch ein Stück genetischer Erinnerung an den Homo habilis, wobei das „habilis“ hinter „Homo“ soviel wie „geschickt“ oder „fähig“ bedeutet. Und bestimmte Fähigkeiten dieses und anderer Vorfahren müssen wir wieder entwickeln, wenn es mit dem  Feuer so richtig Freude machen soll. Da kommt uns der Norweger Lars Mytting gerade recht. Er hat ein Buch geschrieben, das jetzt hierzulande unter dem Titel (Feministinnen seien beruhigt, auch Frauen kommen vor) „Der Mann und das Holz. Vom Fällen, Hacken und Feuermachen“ erschienen ist. Vorläufig ist es als die Bibel des Kaminofenbesitzers oder sonstigen Holzverfeuerers zu betrachten.

Rund um das Holz und seinen Zweck, ein Feuer zu nähren, läßt Mytting kaum eine Frage offen. Die vordringliche, welches Holz man denn nehmen solle, beantwortet er mit einem Kapitel, das die Rolle der einzelnen Holzarten in der norwegischen Kultur der Holzfeuerung beschreibt. An erster Stelle steht bei ihm die Birke als „Königin der nordischen Wälder“. Sie hat zwar nicht den höchsten, aber einen guten Brennwert, läßt sich ob der Eigenschaften ihrer Rinde leicht entzünden, schickt keine Funken in die Gegend und bildet eine langglimmende Glut. Selbstverständlich lobt er Buche, Eiche und Esche, die in der Brennwerttabelle die Spitzenplätze einnehmen (nur überflügelt von eher exotischen Brennhölzern wie Stechpalme, Eibe und Hainbuche). Auch die Fichte verachtet Mytting nicht, weil ihr Holz schnell brennt und so äußerst zügig Wärme spendet. Deshalb nimmt man Fichtenholz, um einen Raum schnell zu erwärmen. Selbst der Kiefer weist er einen Platz unter den Spendern von Heizholz zu. Ihr Holz, so es denn richtig trocken ist, verbrenne mit so schönen hohen hellen Flammen, daß ganze Räume Erleuchtung finden. Allerdings hinterlasse das Harz der Kiefern sehr viel Ruß. Der Grund, warum viele auf Kiefernholz lieber verzichten. Mytting rät, den Schuppen mit mehreren Holzarten zu bestücken: mit leichtem und einfach zu spaltendem Holz zum Anfeuern und für milde Tage und mit großen, schweren Hartholzscheiten für Zeiten größerer Kälte.

Oder: Wie bekommt man den Ofen am besten in Gang? Na klar, man nimmt Kohleanzünder, entzündet darüber liegende dünne Scheite (am besten aus Fichte), die wiederum darübergeschichtete größere Stücke zum Brennen bringen. Das ist die übliche Methode. Die in Norwegen wissenschaftlich erforschte Alternative dazu heißt „Anfeuern von oben“. Dabei kommen ein bis drei Lagen größerer Scheite in den Ofen, darüber liegt, mit Kohlenanzündern gemischt, ausreichend kleines Anzündeholz. Das Feuer frißt sich hier von oben nach unten, was den Vorteil bietet, die Rauchgase im oberen Teil des Ofens – in ihnen steckt viel Energie – besser zu verbrennen.

Zwei Scheite müssen es sein
Oder: Wie soll das Holz nachgelegt werden? Mindestens zwei Scheite müssen es jeweils sein, die bei guter Luftzufuhr neu in den Ofen kommen. Bei nur einem Scheit droht das Feuer zu verlöschen, während bei zweien der eine aus dem anderen die Rauchgase zieht und sie ihre Flammen gegenseitig nähren.

Oder: Wie trocken muß Holz sein, damit es in den Ofen darf? Gutes Holz sollte nicht mehr als 17 bis 18 Prozent Feuchtigkeit enthalten, auch 20 Prozent gehen noch an. Man kann das selbst mit einem Feuchtemeßgerät nachprüfen, das es im Versandhandel schon unter 10 Euro gibt. Ansonsten zeigt das, was oben aus dem Schornstein kommt, an, wie das beschaffen ist, was unten brennt. Graue Rauchschwaden lassen auf feuchtes Holz schließen. Das Ideal ist weißer Rauch, wie er bei einer erfolgreichen Papstwahl aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle in Rom aufsteigt, noch besser aber ein unsichtbarer Rauch. Das hilft – neben wirksamen Filtern, für die es in Deutschland inzwischen Vorschriften gibt – den Anteil von Feinstaub in den Kaminabgasen zu verringern. Nicht unwichtig, denn der in die Luft gewirbelte Feinstaub ist das einzig Gefährliche daran, Holz zu verbrennen.

Ansonsten wächst mit dem Holz ein Brennstoff nach, gegen den selbst die Angehörigen jeglicher Kampfverbände gegen die Existenz des Kohlendioxids nichts sagen können dürften. Denn ein Baum bindet in seiner Lebenszeit soviel Kohlendioxid, wie ihm nach deren Ende wieder entweicht. Dabei ist es so schnurz wie piepe, ob sein Holz verbrennt oder vermodert. Es muß nur die Balance gehalten werden, nicht mehr Holz zu schlagen, als in den Wäldern gerade neu entsteht.

Den meisten Gewinn aber bringt Myttings Buch, das sogar einen Holzumschlag hat, all jenen, die ihr Holz tatsächlich selbst aus dem Wald holen. Systematisch und unterhaltsam belehrt es über Dinge, die sicher jeder Waldarbeiter gelernt hat, die aber für den holzaffinen Laien  in einer noch unbekannten Welt liegen. Wann soll das Holz geschlagen werden? Wie schnell muß es aus dem Wald geholt, gesägt und gespalten werden? Welche Werkzeuge braucht der Holzarbeiter und auch welche Nahrung? Was ist von hydraulischen Holzspaltern zu halten? Welche Möglichkeiten gibt es, Holzstapel anzulegen? Wie schnell trocknet das Holz?

Rossini im Holzstapel
Es macht Spaß, sich von Mytting an die Hand nehmen zu lassen, mit ihm in die Wälder zu ziehen, von Familien zu erfahren, in denen ein Streit, welches die beste Marke bei den Kettensägen ist, ganze Feiern sprengt, mit dem Autor um einen Holzstapel zu streichen, der den Komponisten Gioacchino Rossini darstellt, oder die Geschichte eines Mannes zu lesen, der wieder Lebensmut bekommt, weil er einen neuen Vorrat an Holz anlegt. Und man will es kaum glauben: Sogar am Hauklotz gibt es Neuigkeiten: Der Finne Heikki Kärna ließ sich 2005 eine Axt patentieren, deren Kopf seitlich vom Axtstiel liegt. Das lenkt die Kraft der aufschlagenden Schneide zur Seite weg. Die Axt wirkt so ähnlich wie ein Brecheisen. Der Klotz wird deshalb nicht mehr in seiner Mitte gespalten, sondern das Werkzeug bricht das Holz Stück für Stück von der Kante her weg.

Wenn wir Myttings Buch den Status einer heiligen Schrift nur vorläufig zubilligen können, dann liegt das nicht am Autor. Mytting hat für Norweger geschrieben, der Verlag es aber versäumt, es um die für hiesige Verhältnisse nötigen Informationen zu ergänzen. Es würde den Wert des Buches erhöhen, wenn es beispielsweise Auskunft über einige Gegebenheiten der regelungsfreudigen Bundesrepublik gäbe – wie die Termine für die Nachrüstpflicht von Kaminen mit Feinstaubfiltern oder Auskünfte, wer wo wann einen sog. Kettensägenführerschein braucht, wenn er sich sein Holz im Wald selber schneiden will.

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