Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Fressen „Heuschrecken“ Glascontainer?

Berlin: Sammelbehälter verschwunden/ VDGN fordert Politik zum Handeln auf

In den Höfen türmten sich die Flaschen und Gläser. Wo gestern noch Sammelbehälter für altes Glas standen, klaffte nun plötzlich eine Lücke. Und nicht nur die Betroffenen in den Wohnanlagen von Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick fragten sich: Was soll das denn?

Quasi über Nacht hatte die Grüne-Punkt-Gesellschaft Duales System Deutschland (DSD) Altglascontainer aus den Höfen von Wohngebäuden in den genannten drei Stadtbezirken wegräumen lassen. Offizielle Begründung: die Qualität des dort gesammelten Altglases sei zu schlecht. Es werde nur nach Weiß- und Buntglas getrennt und nicht nach drei Farben, wie bei den Sammelcontainern auf Straßenland. Erst als die Entfernungsaktion auch westliche Stadtbezirke einbeziehen sollte, setzte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ein Stopzeichen.

Der VDGN wandte sich daraufhin im Januar mit einem Offenen Brief an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses und an die Chefs der dort vertretenen Fraktionen und forderte sie auf, in der Sache aktiv zu werden. Das Berliner Landesparlament müsse es sich zur Aufgabe machen, für die Erfassung und Wiederverwertung des Altglases eine sichere Lösung zu finden, die den Notwendigkeiten nachhaltigen Wirtschaftens und den Interessen der Bürgerinnen und Bürger entspricht. In dem Brief heißt es:

„Die möglichst vollständige Erfassung von Altglas und dessen Wiederverwertung sind ein Gebot nachhaltigen Wirtschaftens. Dabei hat Berlin mit einem Rücklauf von 89 Prozent bisher bereits ein geradezu sensationelles Ergebnis erreicht, das sich der Erfassungsquote des internationalen Spitzenreiters Schweiz (95 Prozent) näherte. Der Rückzug von Sammelbehältern aus den Wohnanlagen wird diese Quote absehbar senken. Das hat sich bereits in den drei zuerst betroffenen Stadtbezirken gezeigt, wo sich Flaschen und Gläser in den Höfen türmten und zunehmend die Restmülltonnen füllten. Diese Entwicklung vollzieht sich geradezu zwangsläufig. Denn das System der öffentlichen Glascontainer ist zu weitmaschig. Viele Menschen haben in ihren Wohnungen nicht den Platz, Flaschen und Gläser zu sammeln, um sie bei günstiger Gelegenheit zu einer öffentlichen Sammelstelle zu bringen. Mit Appellen an das Bewußtsein der Menschen jedenfalls, da sagt uns die Erfahrung, lassen sich Probleme des Alltagslebens nicht lösen.

Das Argument des DSD, die Qualität des erfaßten Glases sei zu schlecht, weil in den Hofanlagen nur nach Weiß- und Buntglas getrennt werde, können wir nicht akzeptieren. Auch in Nachbarländern Deutschlands mit sehr erfolgreichen Reycylingsystemen wie der Schweiz, Österreich und Dänemark wird in den Sammelbehältern nur Weiß- und Buntglas getrennt erfaßt. Und nach öffentlichen Aussagen der Berliner Stadtreinigungsbetriebe ist eine Verbesserung der Glasqualität möglich, auch wenn man beim bisherigen System bleibe.“

Was viele nicht wissen: Das Duale System Deutschland, das sich gern mit der Aura eines Öko-Wonneproppens umgibt, befindet sich heute überwiegend in den Händen britischer Finanzinvestoren. Inzwischen sind Stimmen laut geworden, der Rückzug der Sammelbehälter aus den Wohnhöfen diene nur der Kostenminimierung beim DSD. Angesichts gesunkener Preise beim Altglas wolle man Kosten beim Einsammeln sparen.

Das wäre nicht akzeptabel. Sollte sich bewahrheiten, daß die jetzigen Maßnahmen nur der Gewinnmaximierung beim DSD bei gleichzeitig verringerten Erfassungsmengen recyclingfähigen Altglases dienen, stelle sich das DSD selbst in Frage, heißt es im Offenen Brief des VDGN: „Dann sollte für Berlin unbedingt eine andere Lösung bei der Erfassung des Altglases gefunden werden als das jetzige Modell, bei dem ein umweltsensibles Geschäft in den Händen sprichwörtlicher ‘Heuschrecken’ liegt.“

 

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