Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Schärfere Vorschriften für eine warme Hütte

Weniger Abgase, sparsamere Heizungen und Warmwassergeräte verordnet

Dunkle Rauchwolken wirbeln längst nicht mehr aus den Schornsteinen. Und selbst das zarteste Grau muß noch verblassen. Denn die Grenzwerte für das Ablassen von umweltschädigenden Gasen und Ruß (Emissionen) von Heizungsanlagen und Einzelraumfeuerungsanlagen werden stufenweise verschärft.

Und, die Europäische Union (EU) weitet die Vorgaben zum Energiesparen auf weitere Produkte aus. Bei Heizungsanlagen und Warmwassergeräten wird die Stellschraube für den  Energieverbrauch ab 2015 erheblich nach unten korrigiert.

Der alte Kamin muß raus
Vom 1. Januar 2015 an sind bis Ende 2024 deutschlandweit etwa 4,5 Millionen Einzelraumfeuerungsanlagen nachzurüsten bzw. auszutauschen. Dazu zählen Kamin- und Kachelöfen, Herde sowie offene Kamine, die als Zusatzheizung – also neben einer zentralen Heizungsanlage – genutzt werden.

Geregelt wird das Aufstellen und Betreiben dieser Feuerungsanlagen durch die

1. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) von 1988, deren Novellierung am 22. März 2010 in Kraft trat. Für die 1. Stufe, die bereits gilt, wurden Grenzwerte festgeschrieben, die dem heutigen Stand der Technik entsprechen und von vielen Anlagen eingehalten werden. Die Grenzwerte der 2. Stufe, die von Anfang 2015 an einzuhalten sind, setzen nun teilweise eine Entwicklung der Anlagentechnik voraus.

Damit Kamin-, Kachelofen & Co. auch weiterhin das heimische Wohnzimmer heizen dürfen, müssen Emissionsgrenzwerte eingehalten werden, die sich durch

- eine Bescheinigung des Herstellers (Grenzwerte für Staub von 150 mg/m3 und für CO von 4 g/m3) und/oder

- eine Vor-Ort-Messung (Grenzwerte für Staub von 150 mg/m3 und für CO von 4 g/m3) nachweisen lassen.

Kann der Betreiber diesen Nachweis nicht erbringen, unterliegen die betreffenden Feuerungsanlagen entweder dem Austauschprogramm oder sie sind mit einem der Bauart zugelassenen Staubfilter nachzurüsten.

Bestandsschutz hingegen gilt für

- nicht gewerblich genutzte Herde und Backöfen mit einer Nennwärmeleistung unter 15 Kilowatt,

- offene Kamine,

- Badeöfen,

- Grundöfen, (Einzelraumfeuerungsanlagen, die als Wärmespeicheröfen, wie beispielsweise Kachelöfen, aus mineralischen Speichermaterialien, die an Ort und Stelle handwerklich gesetzt werden),

- Einzelraumfeuerungsanlagen in Wohneinheiten, deren Wärmeversorgung aus-schließlich über diese Anlagen erfolgt und für

- historische Kamine und Öfen, die vor 1950 errichtet wurden.

Nach Informationen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) werden neue Feuerungsanlagen dieser Art ab 500 Euro zu erwerben sein. Die Nachrüstung mit Filtern beziffert die BMUB mit Aufwendungen in Höhe von 200 bis 500 Euro, wobei einfachere Lösungen weniger als 200 Euro kosten sollen.

Den Zeitpunkt für Austausch oder Nachrüstung legt der zuständige Bevollmächtigte Schornsteinfeger im Rahmen der Feuerstättenschau fest.                                   

EU-Ökodesign-Richtliniemdiktiert Brennwertgebot
Der Energieverbrauch muß weiter sinken – so will es die EU und weist den Weg, per Verordnung. Diese stößt nicht zwangsläufig auf Gegenliebe, man denke nur an den Wirbel, den das Glühlampenverbot mit sich brachte. Jetzt stehen weit größere Investitionen ins Haus, was der harmlos klingende Name „Ökodesign-Richtlinie“ nicht vermuten läßt.

Vor knapp zehn Jahren wurde von EU-Rat und Kommission, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, die besagte Ökodesign-Richtlinie (2005/32/EG) erlassen und durch das Energiebetriebene-Produkte-Gesetz vom 27. Februar 2008 (EBPG) umgesetzt. Die Richtlinie wurde seither erweitert und neu gefaßt – am 26. November 2011 trat das neue Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG) in Kraft.

Für viele Erzeugnisse wie Kühl-, Gefrier- und Fernsehgeräte, Glühlampen oder (erst im September) für Staubsauger sind die Umsetzungsverordnungen bereits erlassen. Nun kommen Heiz- und Warmwassergeräte an die Reihe. Bis zum 26. September 2015 ist die Durchsetzungsverordnung in Deutschland umzusetzen.

Das heiß daß für Heiz- und Warmwassergeräte von diesem Zeitpunkt an ein europaweit einheitliches Effizienz-Etikett – ähnlich dem von Kühlschränken – auf Basis der Verordnung für energierelevante Produkte (Energy-related Products,“ErP“) vorgeschrieben ist.

Die Innungen des SHK-Handwerks (Sanitär, Heizung, Klima) können zum jetzigen Zeitpunkt die Auswirkungen und Konsequenzen noch nicht genau abschätzen. Fakt sei aber, daß der Beratungsumfang für Kunden immens ansteigen werde.

Derweil kündigten einige Heizungskesselhersteller bereits an, die Produktion verschiedener Niedertemperaturheizgeräte* zum Sommer 2015 einzustellen. Heizgeräte und Speicher, die vor dem 26. September 2015 von den Herstellern bereits an den Großhandel verkauft wurden, unterliegen nicht den Anforderungen der ErP-Richtlinie und dürfen demnach auch über den 26.September 2015 hinaus vom Handwerker eingebaut werden. Indirekt gilt mit diesen Vorgaben ein Gebot für Brennwertgeräte.

Monika Rassek

*Niedertemperaturheizgeräte sind Heizungssysteme, die mit Vorlauftemperaturen zwischen 40 und 60 Grad Celsius betrieben werden. Als Energieträger kommen Öl und Gas in Frage.

 

 

S

zurück