Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Eine nochmalige Präzisierung

Erwiderung auf den Beitrag: „Sonne nutzen? Ja! Dämmung weglassen? Nein! Was gegen Wärmeverluste hilft – aus der Praxis eines Energieberaters

Von Konrad Fischer

Wieder einmal möchte ich mich für die Gelegenheit zur Stellungnahme bei der VDGN-Redaktion herzlich bedanken. Da Heinz Schöne in Heft 8/9-2013 meinen Ausführungen zur Sinnhaftigkeit der Wärmedämmung an Fassaden (Heft 5/6-2013) ja vehement widerspricht und dies die interessierte Leserschaft verunsichern könnte, dürfte eine nochmalige Präzisierung Sinn machen.

Brauchen wir Dämmung?
Wenn Herr Schöne meint, daß uns Menschen im Zuge der Evolution Darwinscher Manier auf dem Weg von den Bäumen die Wärmedämmung des Körpers namens Fell abhanden gekommen wäre und wir diesen Verlust – soweit infolge globaler Erkältung verkühlt – durch Kleidung, Hausbau und Heizung ersetzen müssen, erscheint das zu-nächst logisch.

Auch der Gedanke des sogenannten Mindestwärmeschutzes zur Sicherung vor tauwasserbedingter Bauwerksaufnässung möchte zunächst jedermann einleuchten, wobei mir zumindest in Westdeutschland genug Wohnbauten mit 24er Mauerwerksfassaden bekannt sind, in denen bis heute noch niemand erfroren ist. Wenn es aber um die Frage des Heizenergieverbrauchs geht, dürfen wir jedoch nicht übersehen, daß das Aufheizen schwerer Bauwerksmassen grund-sätzlich mehr Heizenergie verschlingt, als bei dämmstoffverstopften Leichtbauten. Als logische Folge der unterschiedlichen Bauwerksgewichte, nicht irgendeiner „Dämmwirkung”!

Nehmen wir die leichtgewichtigen Dämmkonstruktionen aber nach einigen Jahren auseinander, stoßen wir ab gewissen Dämmschichtdicken immer wieder auf überraschende Feuchteansammlungen und ekligen Schimmelpilzbefall in der Dämmkonstruktion von Wand und Dach – Folge des dort befindlichen Taupunkts und der bis heute eben nicht gelösten Problematik der dort durch zumindest mittelfristig offene Fugen im Sommer und Winter einströmenden Luftfeuchte, die es nur bei sehr dünnen Dämmschichten und intensiver Solarzustrahlung schafft, bei passender Gelegenheit wieder auszutrocknen.

 

Müssen wir ausKohlendioxid-Gründen dämmen?
Bei der mainstreamgerechten Verteufelung des Pflanzennährstoffs Kohlendioxid als Argument für die riskante Dämmstoffmaximierung verweise ich in gebotener Kürze auf die sogenannten Klimaskeptiker – insbesondere den ehemaligen ZDF-Meteorologen Dr. Wolfgang Thüne und seine auch im Internet findbare Publizistik sowie all die kritischen Fachbeiträge auf der Webseite des Europäischen Instituts für Klima und Energie EIKE – und die seit über einem Jahrzehnt trotz zunehmender Kohlendioxid-Konzentration fortschreitende Abkühlungsperiode.

Das alleine – mit dem gesunden Menschenverstand betrachtet – befördert den sogenannten Klimakiller Kohlendioxid – in Wahrheit ein Kostentreiber für raffinierte Ökoabzocke – ins Märchenreich.

Kann Wärmedämmung die Energieverluste durch die Bauwerkshülle „problemlos” 60-80 Prozent verringern?
Das geht nur auf dem Papier. Oder infolge einer neuen Heizanlage, die gegen eine stark überdimensionierte Vorgängerheizung ausgetauscht wurde. Das Begleitkonzert namens Vollwärmeschutz spielt dabei so gut wie keine Rolle, es sei denn, damit wurden vorher bestehende Löcher zugestopft. Doch wenn die Einzelmaßnahmen gemeinsam durchgeführt wurden, kann die Nutzlosigkeit der Dämmanstrengung nicht erkannt werden. Hier hilft ein Blick auf die Untersuchungen des sachverständigen Architekturprofessors Jens Fehrenberg. Er konnte an einer teilgedämmten Hannoverschen Wohnsiedlung aus drei Appartementhäusern an In-sich-Vergleichen nachweisen, daß die Heizungsmodernisierung gigantische Einspareffekte brachte, die im Folgejahr an nur einem Haus erfolgende nachträgliche Fassadendämmung jedoch nicht verringerte, sondern erhöhte Heizkosten. Das ist auch logisch, denn die Fassadendämmung blockiert die kostenlose Solarzustrahlung, die die winterliche Auskühlung mindert. Auch die an 47 Objekten groß angelegte Reihenuntersuchung der GE-WOS Hamburg erwies den erhöhten Heizbedarf U-Wert-optimierter Mehrfamilienhäuser im Vergleich zu den Massivfassaden. Ob das nun mit Rechenformeln dargestellt werden kann oder nicht, spielt da eigentlich keine Rolle. Und Energiesparwunder an Einfamilienhäusern sind dank der dort stattfindenden Maßnahmenpakete bei schwer beurteilbarem Vorzustand nur schwerlich zur energetischen Beweisführung geeignet.

Erwärmt Fassadendämmung die Innenwand?

Hier bringt Herr Schöne zwei sehr interessante Wärmebilder (Thermografien) zum Abdruck.

Was zeigen sie? Links eine Innenraumdecke mit einem Bücherregal vor ungedämmter Wand rechts. Die über den Buchreihen sichtbaren Wandflächen sind deutlich kühler als die gedämmte Wand links. Letztere liegt aber genau über dem heizluftabpustenden Konvektionsheizkörper. Das rechte Bild zeigt die Hausecke außen im Schnee und vielleicht gehe ich nicht allzu fehl in der Annahme, daß auch im linken Bild Heizperiode ist? Und der Schlagschatten des Buchregals die Wand dahinter vor dem Zustrom der Heizluft abschottet? Und sie genau deswegen etwas kälter ist? Das würde ja alles ganz natürlich erklären: Die warme Wandoberfläche über dem Konvektionsheizkörper und die kühlere hinter dem Buchregal. Mit Fassadendämmeffekten hat das dann bestimmt nichts zu tun.

Ob die von Herrn Schöne weiterhin erwähnte WBS-70-Dämmung tatsächlich auf Bauforschungsergebnissen der Praxis oder doch nur auf dem eingeschränkten Wissensstand auch der DDR-Dämmforschung beruht, ist mir nicht bekannt.

Vielleicht kann uns Herr Schöne mit der praktischen Grundlage seiner Behauptung, daß die dämmungslosen Plattenbauten tatsächlich „unbewohnbar” gewesen wären, noch vertraut machen. Ein von mir beratenes WBS-70-Hochhaus hat ohne Zusatzdämmung immerhin nur knapp über fünf Liter Heizöl je Quadratmeter und Jahr verbraucht. Nehmen wir dessen sechs Zentimeter Dämmstoff weg, werden es vielleicht vier? Oder sechs? Entscheidend nach meiner Meinung war aber die Heizung des Hochhauses: Alle Rohre auf Putz verlegt und großzügige Plattenheizkörper mit optimalem Betrieb: Ohne Nachtabsenkung, dafür mit hohem Wärmestrahlungsanteil.

Das Energiesparfenster
Bekanntermaßen kommt durch ein Einscheibenfenster mehr kostenlose Solarenergie als durch ein rahmenfettes und g-Wert-vermindertes Mehrscheibenfenster in gleicher Mauerlichte. Doch nachts scheint keine Sonne! Was machte nun der erfahrungsgesättigte Urgroßvater, übrigens ein ganz raffinierter Energiesparer, von dem wir alle noch viel zu lernen haben? Klapp- oder Rolladen zu – aus ist es mit dem dollen Wärmeverlust durch das Einscheibenfenster und es bleibt ein dickes Energiespar-Plus. Das hat Herr Schöne offenbar vergessen, in Erwägung zu ziehen. Obwohl ich dachte, es doch deutlich genug gesagt zu haben.

Die Wirtschaftlichkeit der Planung
Hier geht es um schuldrechtliche Pflichten des Planers. Bis zum BGH gibt es kein Rütteln an der Tatsache, daß Planungen vorzugsweise nach Werkvertragsrecht eingeordnet werden und deswegen unabänderlich „Wirtschaftlichkeit” schulden. Und daß mit zehn Jahren Amortisationsfrist die Grenze der Wirtschaftlichkeit von Energiesparinvestitionen erreicht wird, ist ebenfalls bis zum BGH ausgeklagt. Daran müssen wir Planer uns – und auch Energieberater wollen ja Planungsleistungen erbringen – messen lassen. Spätestens vor Gericht wird das deutlich. Bauherren, die es akzeptieren, wenn auf ihre Kosten Weltrettung und Dämmwahn gegeben werden soll, dürften vielleicht nicht mehr allzulange auf den Bäumen wachsen.

Und die Veralgung der Dämmfassaden?
Sie ist die zwangsläufige Folge allnächtlicher Unterkühlung der nicht wärmespeicherfähigen Dämmfassade. Nur deswegen kann uns das nächtliche oder morgendliche Wärmebild so kalte Dämmoberflächen zeigen, die dann oft genug den Taupunkt unterschreiten, Kondensat einfangen und aufnässen. Tagsüber sind sie aber mangels Masse schnell erhitzt und fördern kuschelwarm das Algenwachstum. Deswegen werden Dämmfassaden massiv vergiftet – mit auswaschbarem Pestizid, das dann unsere Gewässer und das Grundwasser vergiftet, so die Entdeckung der Gewässerforschung in der Schweiz, inzwischen auch recht skandalös im Rheinland. Das Fraunhoferinstitut für Bau-physik hat den unterschiedlichen Temperaturverlauf an Dämmfassaden und Massivfassaden übrigens seit vielen Jahren immer wieder gemessen und publiziert. Man müßte es nur lesen. So wie die jüngsten News zur abgefackelten Dämmfassade im Hamburger Schanzenviertel. „Brandbeschleuniger” sagte die Feuerwehr zur Fassadendämmung aus dem allseits beliebten Wunderbaustoff Polystyrol.

Konrad Fischer ist seit über 30 Jahren in seinem Beruf tätig und hat dabei rund 450 Alt- und Neubauprojekte betreut. Neben der Arbeit in seinem Architekturbüro in Hochstadt am Main hält er Fachvorträge für Architektenkammern, an Hochschulen, im Baugewerbe und vor Verbändevertretern. 

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