Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Steinalt und doch modern

Einblicke in die Arbeit des Steinmetzmeisters Ralf Schrocke

Steinmetz Ralf Schrocke

Steinalt ist das Steinmetzhandwerk, so alt wie die Menschheit. Seitdem der Mensch Schutz in Behausungen suchte und Bauten zur Ehrung von Toten errichtete, gibt es Steinmetze. Sie haben die Pyramiden von Gizeh, die Akropolis von Athen, das Forum Romanum in Rom und viele andere bekannte Sehenswürdigkeiten errichtet.

Der Faszination des Steines konnte sich auch Ralf Schrocke nicht entziehen, nachdem er in der Tochter eines Steinmetzmeisters die Liebe seines Lebens gefunden hatte. Nach der Ausbildung zum Baufacharbeiter mit Abitur erlernte er als zweiten Beruf den des Steinmetzen und legte 1985 gemeinsam mit seiner Ehefrau Martina Ohlrich-Schrocke die Meisterprüfung ab. Obwohl ursprünglich die Übernahme des Betriebes der Schwiegereltern geplant war, entschloß er sich 1988, eigene Wege zu gehen und gründete seinen Betrieb in Woltersdorf.

Eine neue Werkstatt mußte errichtet werden, deren Bau sich auf Grund von Materialmangel lange hinzog. Deshalb wurde mit Trabant und Hänger aus der Garage, die zum Arbeitsplatz umfunktioniert worden war, agiert.

Anfang der 90er Jahre stellte Ralf Schrocke die ersten Mitarbeiter ein und vollzog die Wandlung vom reinen Grabmalsteinmetz zum Baudienstleister. Stück für Stück wurden immer größere Maschinen angeschafft und die Bearbeitung des Natursteins kontinuierlich erweitert und verbessert. Schnell wurde die Werkstatt zu klein und 1995 entschloß man sich, in Eggersdorf ein neues Firmengebäude mit größerer Produktionsfläche und Ausstellung zu errichten. Heute schaffen dort 8 Mitarbeiter.

Wer dem Firmensitz von NATURSTEIN SCHROCKE einen Besuch abstattet, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Vielfalt der Materialien überwältigt manchen Bauherren, der eine passende Arbeitsplatte für seine neue Küche sucht oder die Terrasse und den Eingangsbereich an seinem Haus neu gestalten lassen will. Über 40 Materialien sind im großen Rohtafellager ständig vorrätig, so daß der Bauherr sich seine Platte im Original anschauen und aussuchen kann. Das ist besonders bei stark strukturierten Materialien hilfreich, da es große Farbunterschiede geben kann und jede Platte ein Unikat ist. Die Natursteine in großem Format auf sich wirken zu lassen, hilft bei der Suche, auch daß man einfach die verschiedenen Oberflächen anfassen und ihre Wirkung spüren kann. Ein großer Vorteil für den Kunden ist natürlich die Flexibilität und Schnelligkeit, die Lager und hochmoderne Steinbearbeitungsmaschinen möglich machen.

Denn wer denkt, Steinmetze arbeiten wie eh und je hauptsächlich mit der Hand, wird in der Werkstatt eines Besseren belehrt: Denn dort ist längst Computertechnik eingezogen, entstehen Entwürfe für Treppen, Küchen- oder Badgestaltung mit Naturstein am Bildschirm, werden per Programm genaueste Angaben für die bearbeitenden Maschinen erzeugt. Doch genauso fit müssen die Mitarbeiter auch im Umgang mit dem Kunden und beim Aufmaß vor Ort sein, denn „ein Fehler kann hier weitreichende Folgen haben “, erklärt Schrocke die hohe Verantwortung jedes einzelnen.

Auch VDGN-Mitglieder beauftragten den sympathischen Steinmetzmeister, der mit seiner Firma seit Jahren Mitglied des Unternehmenspools ist, schon für besonders knifflige Aufgaben. „Außentreppen, die kurz nach der Wende mit Fliesen belegt wurden, sind heute oft baufällig und müssen erneuert werden“, erzählt er. Auch stellen sie ein Sicherheitsrisiko dar, weil bei Regen oder Schnee die Rutschgefahr ungleich größer ist als bei Treppenstufen aus einem Hartgestein wie Granit. Darauf hat übrigens auch der Gesetzgeber vor wenigen Jahren reagiert, indem er bestimmte, daß Hauseingangstreppen eine hohe Rutschsicherheit aufweisen müssen.So wurden in der 25jährigen Firmengeschichte über 2000 Treppen neu errichtet oder rekonstruiert.

Besondere Herausforderungen gilt es zu meistern, wenn Ralf Schrocke Aufträge anvertraut werden, die bis an die Grenzen des technisch Machbaren gehen. So erzählt er von einem Kunden in Berlin, der in seiner Küche eine schwarze 2,50 Meter lange und 1,40 Meter breite Arbeitsplatte aus Naturstein eingebaut haben wollte, die mit einer besonderen Falz versehen sein sollte – technisch und handwerklich eine extreme Herausforderung. An dem eigens für den Transport in die vierte Etage gefertigten Tischler-Holzrahmen mußten nachher alle acht Mitarbeiter anfassen. Die Erleichterung war riesengroß, als das gute Stück makellos am Bestimmungsort ankam – und millimetergenau paßte.

KG, RS

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