Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Was die Partei beschloß …

Oder: Auch der Berliner Fernsehturm und Pittiplatsch sollten verboten werden

Wer den Namen Philipp Mißfelder bei Google eintippt, bekommt von der Automatik der Suchmaschine den Vorschlag, das Ganze um den Begriff „Hüftgelenke“ zu ergänzen. Das erinnert an den Vorstoß des Chefs der Jungen Union im Jahre 2003, den Krankenkassen doch möglichst zu untersagen, bei alten Menschen Geld für neue Hüftgelenke auszugeben. Jetzt, zehn Jahre später, steht der Berufsjugendliche immer noch an der Spitze der CDU-Kampfreserve, und er läßt auch seine Verbotsvorschläge nicht sein. Der neueste: DDR-Symbole sollen verboten werden. Die CDU in Berlin schloß sich der JU-Initiative DDR-Symbol-Verbot bereits an.

Doch was gehört neben Hammer, Zirkel, Ährenkranz und NVA-Uniformen noch alles auf die Verbotsliste? Hier einige Vorschläge, damit möglichst wenig vergessen wird:

- Berliner Fernsehturm: Er ist als höchstes Bauwerk Deutschlands eindeutig ein Machwerk Walter Ulbrichts, der dieses Symbol von Unterdrückung und Geducktsein 1969 auch einweihte. Da der Fernsehturm die Skyline Berlins dominiert, reicht es nicht, wenn ihn Hans Kolhoff mit Hochhäusern umstellt. Er muß abgerissen werden.

- Johannes R. Bechers Text zur DDR-Nationalhymne: Zu verbieten sind Druck, Verbreitung, Besitz und Aufführung in Rezitation und Gesang. Es handelt sich um ein Machwerk menschenverachtender Propaganda. Zeilen wie „Laßt das Licht des Friedens scheinen,/ Daß nie eine Mutter mehr/ Ihren Sohn beweint“ sind außerdem nicht afghanistantauglich (verbotsähnliche Erfahrungen der Honecker-Zeit liegen vor, eine Ausnahmegenehmigung für deren Nutzung sollte erteilt werden).

- Pittiplatsch: Die Fernsehfigur gehörte neben dem organisiert-dressierten Topfsitzen zu den übelsten Instrumenten der Kinderdisziplinierung in der DDR. Vorhandene Puppen sind bei Pittiplatsch-Sammelstellen abzugeben, neue nicht herzustellen, Fernsehaufzeichnungen zu löschen.

- Berliner Ensemble (BE): Sein Gründer Bertolt Brecht wählte die Unfreiheit. Er ist eindeutig keine Vorbildfigur für die deutsche Jugend wie Hubertus Knabe oder Roland Jahn, sondern zeigte sich der DDR-Staatsideologie grundsätzlich verhaftet. Brecht rechtfertigte die Mauer schon vor deren Bau. Beweis: Sein Gedicht „Der Pflaumenbaum“: „Im Hofe steht ein Pflaumenbaum,/ Der ist so klein, man glaubt es kaum./ Er hat ein Gitter drum,/ So tritt ihn keiner um.“ Wegen der Spreenähe des BE bietet sich eine künftige Verwendung als Aquarium oder Spielstätte für Unterwasser-Halma-Turniere an. Claus Peymann bleibt Chef auf Lebenszeit.

- Berliner Tierpark:  Er wurde zum Zwecke systematischer Tierquälerei angelegt, sein langjähriger Chef Heinrich Dathe schon 1990 als „Ceausescu des Tierparkwesens“ geoutet. Und richtigerweise sofort aus seiner Dienstwohnung geworfen. Dathe zog die Konsequenz und gab wenige Tage später ein vorbildliches Beispiel ereignisbezogenen Frühablebens. Der Tierpark ist außerdem zu weitläufig. Seine Schließung bringt Ein-sparungen.

- Begrüßung per Handschlag: Das SED-Abzeichen zeigte einen Händedruck. DDR-Bürger wurden deshalb zum Händeschütteln gezwungen. Umerziehung zur Bussi-Kultur dringend empfohlen.

- Die Olsen-Bande: DDR-Bürger wurden zum Anschauen der dänischen Filmserie als Ergänzung zum SED-Parteilehrjahr  gezwungen. Wahrscheinlich handelt es sich bei den Hauptfiguren Egon, Benny und Kjeld um verkleidete Stasi-IM, die den Westen lächerlich machen sollten. Nachforschungen bei der Gauck-Birthler-Jahn-Behörde dringend erforderlich.

Um die JU-Initiative Symbolverbot mit Leben zu erfüllen und dabei deutsche Perfektion zu erreichen, sollten ungarische Erfahrungen nicht ohne Nutzung bleiben. Die Budapester Wissenschaftsakadamie nämlich hat bereits eine Liste zu meidender Namen und Begriffe angelegt. Wozu gehören „Pionier“ und „Partisan“, „Maxim Gorki“ und „Wladimir Majakowski“. Also ans Werk. Mißfelders Plan in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

 

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