Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Mehr schlichten als richten

Rechtsanwalt Volker Knobloch ist zugleich auch Mediator

Rechtsanwalt Volker Knobloch absolvierte 2012 erfolgreich die Ausbildung der Deutschen Anwaltsakademie (DAA) zum Mediator

„Nicht jeder Streit muß unweigerlich vor Gericht enden. Es gibt auch die Möglichkeit, sich zu einigen und ein vernünftiges Miteinander zu versuchen“, sagt Rechtsanwalt Volker Knobloch in Plauen. Bei Problemen rund ums Grundstück ist er Ansprechpartner für Mitglieder des VDGN aus der Region Plauen, Vogtland, Südostthüringen und Oberfranken. Selbst in verfahrenen Situationen, meint Volker Knobloch, gibt es Ansätze und triftige Gründe, um Konflikte außergerichtlich beizulegen – Mediation genannt.

Herr Rechtsanwalt Knobloch, warum setzen Sie auf diese Methode?
Als Anwalt vertrete ich die Interessen meiner Mandanten. Doch im Leben gibt es Situationen, die man einvernehmlich mit der gegnerischen Seite klären sollte. Nehmen wir einen heftigen Nachbarschaftsstreit, den ich als Anwalt für Grundstücksrecht recht häufig auf den Tisch bekomme. Hier ist die Mediation geeignet, für eine Deeskalation zu sorgen. Auch in familienrechtlichen Auseinandersetzungen, die meine Frau Utta betreut, kann Mediation sehr hilfreich sein.

Ist jeder Anwalt automatisch ein Mediator?
Nein. Dafür muß man sich zusätzlich qualifizieren. Lebenserfahrung und einiges Geschick im Umgang mit Streithanseln sind sicherlich weitere Voraussetzungen. Meine Frau und ich haben eine Mediatoren-Ausbildung der Deutschen Anwaltsakademie (DAA) in Dresden absolviert, die es in sich hatte. Nicht nur Theorie war da zu pauken, wir haben das Verfahren in vielen Rollenspielen regelrecht trainiert. In Plauen sind wir unter Anwaltskollegen meines Wissens die Vorreiter.

Aber Mediation gibt es schon länger…
Das stimmt, doch erst seit dem Juli 2012 auf sicherer Rechtsgrundlage, dem Mediationsgesetz. Auch die Zivilprozeßordnung ist entsprechend angepaßt worden. Jetzt erst haben wir Anwälte und auch die Gerichte klare Vorgaben, in welchen Fällen und auf welche Weise das Mediationsverfahren eingesetzt werden soll. Mein Eindruck ist auch: Viele Mandanten wissen noch sehr wenig über diese Möglichkeit, einen Streit beizulegen. Da müssen wir noch viel aufklären (in einer der nächsten Ausgaben des VDGN-Journals erfahren Sie mehr über das Mediationsverfahren, seine Vorzüge und Grenzen, rechtliche Grundlagen, Ablauf – die Redaktion).

Haben Sie schon praktische Mediations-Erfahrungen gesammelt?
Ich bin gerade dabei. In einem verfahrenen Nachbarschaftsstreit, in dem es sogar zu Handgreiflichkeiten kam, möchte ich den Streitparteien helfen, nach der gerichtlichen Entscheidung – denn auch in solchen Fällen kann Mediation hilfreich sein – wieder zueinanderzufinden. Denn Grundstücksnachbarn bleiben sie auch weiterhin. Da liegt es auf der Hand, daß ein Zerwürfnis keinem dient.

Wie läuft das ab?
Zunächst mal müssen die Streitparteien mit einem Mediationsverfahren einverstanden sein, sonst geht gar nichts. Interessen und Ziele der Mediation sollten zuerst eindeutig geklärt und schriftlich fixiert werden – bis hin zu einem Vertrag, den die Parteien schließen. Im Grunde bin ich der Moderator, sorge dafür, daß die Emotionen heruntergefahren werden und sich die Betroffenen auf sachlicher Ebene verständigen und annähern – im Idealfall. Die Lösung müssen beide Parteien selbst finden. Ich bin unparteiischer Gesprächsleiter, achte auf Fairneß und juristische Korrektheit.

Ihre Rolle in solch einem Verfahren widerspricht dem Klischee vom Anwalt, der alle Register zieht, um die Interessen seines Mandanten vor Gericht durchzupeitschen, wenn´s sein muß, rabiat und trickreich?
So wie nicht jeder Mandant der Mediation etwas abgewinnen kann, so gibt es sicher auch Anwälte, die dem neuen Verfahren eher reserviert gegenüberstehen. Für mich ist Mediation ein Weg, um Konflikte zu beenden, das Gespräch miteinander anzustoßen und eine Lösung zu finden, die alle Seiten mittragen. Es spart nicht zuletzt Kosten und nervenaufreibende Gerichtsverhandlungen, die sich ja oft über Jahre hinziehen. Meine Frau und ich, wir engagieren uns seit vielen Jahren in lokalen sozialen Projekten. Dafür braucht man Einfühlungsvermögen, auch für Menschen, die ein gänzlich anderes Leben führen als man selbst. – Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um als Mediator erfolgreich zu sein, denke ich.

Interview: Kerstin Große

Beratung für VDGN-Mitglieder:
Rechtsanwälte Knobloch, Plauen,
jeden 1. Donnerstag des Monats 16-18 Uhr, Anmeldung: 037 41 / 22 39 67

 

 

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