Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Für ein Glas Honig einmal zum Mond und zurück

Was Bienen für die Natur leisten und weshalb jeder Garten voller Blüten sein sollte

Im Vorgarten von Imker Waldemar Beger blüht es vom Frühjahr bis in den Herbst - ideal für seine 12 Bienenvölker
Waldemar Beger zeigt einen Einwabenkasten und schwärmt von seinem Hobby. Seine Frau Ida sorgt für das Schleudern und den Verkauf von Raps-, Robinien- und Lindenblütenhonig. Ein Frühstück ohne den süß-klebrigen Aufstrich kann er sich nicht vorstellen

Eine Augenweide ist der Vorgarten von Waldemar Beger – und ein Paradies für seine Bienen. Sommerblumen in Gelb dominieren die Szenerie, als wir dem Imker Anfang Juli einen Besuch in Neue Mühle, einem idyllischen Ortsteil von Königs Wusterhausen (Land Brandenburg), abstatten. Das Gelb der Blüten, ihr Duft, regt die Insekten an fleißig Nektar zu sammeln. 15 Milligramm davon kann eine Biene auf einmal in ihrer Honigblase wegschleppen. „Für ein einziges Glas Honig muß das Insekt einen Flug zum Mond und wieder zurück absolvieren“, erklärt der 84jährige Imker den sprichwörtlichen Bienenfleiß.

Für den Bauernsohn war es fast selbstverständlich, sich schon früh mit der Imkerei zu befassen. Mit 11, 12 Jahren fing er an und kann sich bis heute ein Leben ohne die Bienen nicht vorstellen. Seine 12 Bienenvölker brauchen regelmäßig Pflege und Betreuung. Alle acht bis zehn Tage müssen sie durchgesehen, auf Krankheiten – etwa den gefürchteten Milbenbefall – kontrolliert werden. Und: „Im Mai oder Juni kann man nicht einfach mal in Urlaub fahren, da ist Hochsaison.“ Dann fährt er seine Bienen an Standorte in der Umgebung, wo

Ahorn, Robinie, Linde oder Raps blühen – Grundlage für den köstlichen Honig, den Waldemar Begers Frau Ida selbst schleudert, in Gläser füllt und verkauft.

„Das war ein Ausnahmeereignis!”

Doch in diesem Jahr war alles anders. Mehr als ein Drittel der in Brandenburg lebenden zirka 39.000 Bienenvölker soll nach Angaben des brandenburgischen Imkerverbandes die extreme Witterung nicht überstanden haben. Waldemar Beger meint, daß manchenorts sogar die Hälfte des Bienenbestandes vernichtet wurde. Seit 1956 protokolliert der gelernte Landwirt und studierte Biologe, der zu DDR-Zeiten im Pflanzenschutz tätig war, Tag für Tag das Wetter, Temperaturen und Niederschlagsmengen. Für die Witterung der vergangenen Monate fehlt ihm jeglicher Vergleich: „Das war ein Ausnahmeereignis!“ Der lange Winter und das naßkalte Frühjahr, starker Regen und Hagel waren Gift für die Insekten, die am liebsten bei 18 bis 28 Grad Celsius und einer Luftfeuchte zwischen 50 und 60 Prozent ausschwärmen. Doch auch sonst ist das Leben der Bienen nicht immer ein Zuckerschlecken.

Einheimischer Honig ist Rarität

Sie finden zu wenig Nahrung, weil in Wohngebieten immer mehr Stein und Beton dominieren, blühende Blumen, Obst- und Laubbäume dagegen immer weniger werden. Mehr und mehr Monokulturen in der Land- und Forstwirtschaft werden den Insekten außerdem zum Verhängnis. Auch die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln kann für die empfindlichen Tierchen tödlich sein. Bei letzterem sei man sich aber in Königs Wusterhausen und Umgebung mit den Landwirten weitgehend einig und nimmt aufeinander Rücksicht, erzählt Waldemar Beger.

„Schützt die Bienen, denn sie schützen die Natur“, ist sein Wahlspruch und der seiner Kollegen im Imkerverein Königs Wusterhausen, der bereits seit 1908 besteht. Auf Veranstaltungen informieren sie über ihr Hobby, wollen junge Leute für das Imkern und Züchten begeistern, beides enorm zeitaufwendig und kompliziert. Gartenbesitzer, die auf Vielfalt setzen, Bienenblüten-Pflanzen anbauen und deshalb bevorzugtes Ziel von Nahrung suchenden Insekten sind, werden öffentlich geehrt.

Daß von den zu DDR-Zeiten existierenden Bienenvölkern in ganz Brandenburg nur ein Bruchteil übriggeblieben ist, bedauert Waldemar Beger sehr. Einheimischer Honig ist inzwischen eine Rarität, auch fehlen die Bienen für die so wichtige Bestäubungsarbeit in der Landwirtschaft. Schon nach zwei Jahren, erklärt Beger, bleiben so im Obstanbau die Erträge aus. Heute zahlen Obstbauern sogar dafür, daß Imker die Tiere zur Baumblüte in die Anbaugebiete bringen. Vier Bienenvölker wären für einen Hektar landwirtschaftlicher Fläche notwendig, tatsächlich sind es im Land gerade einmal rechnerische 0,7 Bienenvölker. Nur in Bayern sieht es ein wenig besser aus.

Auch Naturschützer bangen um die Artenvielfalt und lassen deshalb die nützlichen Insekten in die geschützten Bereiche extra einfliegen. Waldemar Beger führt das Aussterben einer seltenen Orchideenart im nahen Wolziger Naturschutzgebiet noch in den neunziger Jahren auf das Fehlen von Bienen und Hummeln zurück: „Als der letzte Imker dort kurz nach der Wende aufhörte, dauerte es nicht lang, und die geschützte Pflanze war auf Nimmerwiedersehen verschwunden.“

Wie man sich vor Stichen schützt

Heute konzentriert sich der Bienenfreund besonders auf das Züchten eigener Bienenköniginnen und Drohnen. Sein Ziel ist eine leistungsfähige, fleißige und zugleich sanftmütige Biene. Ein ordentlicher Honigertrag sei selbstverständlich das Interesse jeden Imkers. Zugleich liegt Beger daran, für mehr Verständnis und Toleranz bei den Menschen zu werben. Besonders bei jenen, die vielleicht schon schmerzhafte Erfahrungen mit stechlustigen Exemplaren gemacht haben.

Seine Tips: kein Parfüm oder andere stark duftende Kosmetika benutzen; denn die Bienen produzieren selbst einen besonderen Duftstoff, Pheromon genannt. Jeder, der anders riecht, wird als Eindringling angesehen und bekämpft. Ansonsten gelte: ruhig bleiben und nicht wild um sich schlagen. Beim Verzehr von Süßem oder Fleisch im Freien achtgeben, lieber nicht barfuß in der Wiese laufen, weil die Insekten mit Vorliebe dort herumschwirren. Besondere  Vorsicht müssen freilich jene walten lassen, die allergisch auf einen Insektenstich reagieren: Sie sollten  immer ihr Notfallset dabeihaben.  Wer erstmalig nach einem Stich mit  Atemnot, Unwohlsein oder anderen ernsten Symptomen zu tun hat, sollte nicht zögern und den Notarzt rufen.

Als Imker muß sich Waldemar Beger gleich ganzen Bienenschwärmen nähern. Deshalb taucht er seine Hände und Unterarme immer wieder in klares kaltes Wasser, damit kein fremder Geruch die Tiere irritiert und in Angriffslust versetzt. In seiner Nachbarschaft gab es deswegen all die Jahre kaum Ärger, betont er. Und wenn doch einmal, dann half ein Glas guter Honig aus eigener Herstellung, meint der mit vielen Auszeichnungen geehrte Imker und Naturfreund.

Kerstin Große

Hier finden Bienen Nahrung

Um den Bienen ein besseres Nahrungsangebot auch über den Frühling hinaus zu sichern, empfiehlt der Deutsche Imkerbund (www.imkerbund.de) beispielsweise Blumen anzubauen, wie Sonnenblume, Cosmea, Tagetes, Katzenminze, Kornblume, Aster, ungefüllte Dahlie, Herbstanemone. Bei den Kräutern sind Lavendel und Schnittlauch, Zitronenmelisse und Thymian gut für die Insekten. Auch solche Stauden und Zwiebelgewächse wie Schneeglöckchen, Krokus, Lungenkraut, Goldnessel, Fette Henne, Bärlauch, Salbei, Ziermohn, Kugeldistel und Sonnenhut locken die nützlichen Tiere. Bei Sträuchern sind es beispielsweise Wilder Wein, Clematis, ungefüllte Rosen, Beerensträucher, Schneebeere, Falscher Jasmin und bei Bäumen Obstbäume, Weide, Kastanie, Linde, Ahorn, Eberesche und andere.

 

 

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