Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Das Wasser muß schnell raus“

Berliner Feuchteklinik unterstützt Betroffene in Hochwassergebieten

Als die Flut weg war, begannen die Aufräumungsarbeiten in den Überschwemmungsgebieten. Wie sie ihr Haus wieder trocken und bewohnbar bekommen, diese Frage beschäftigt die betroffenen Eigentümer nun besonders. Dabei unterstützt sie die Berliner Feuchteklinik, ein Mitglied des VDGN-Firmenpools. Die Redaktion sprach mit Ingo Thümler, dem Chef des Unternehmens.

Herr Thümler, Sie und Ihre Mitarbeiter sind derzeit im sächsischen Frankenberg aktiv bei der Beseitigung von Hochwasserschäden. Wie kam es zu diesem Einsatz?
Bereits 2002 hatte es dort eine Siedlung mit 12 Häusern stark erwischt, und wir halfen damals die Gebäude wieder trocken zu bekommen. Und nun hatten die Leute erneut das Wasser in ihren Eigenheimen stehen. Ein Anruf genügte, und wir waren zur Stelle.

Auch im bayerischen Passau engagieren Sie sich…
Dort beteiligten wir uns an einer Spendenaktion, die ein Autohaus ins Leben gerufen hat. Wir stellten 35 Kondenstrockner zur Verfügung, die zu einem vergünstigten Entgelt gemietet werden können.

Wie gehen die Leute, deren Häuser ja nicht zum ersten Mal im Wasser standen, mit dieser Katastrophe um?
Mir fällt auf, daß sie im Vergleich zu 2002 gefaßter sind. Die meisten wissen, was jetzt zu tun ist und „spucken in die Hände“. Zuerst mußte für Strom gesorgt werden, dann wurde aufgeräumt: unbrauchbar gewordene Möbel und Haushaltsgegenstände aus den Häusern geschafft, Schlamm beseitigt und mit dem Kärcher gereinigt. Alles in allem ist das keine leichte Situation für die Betroffenen. Umso mehr ist ihr Mut und ihre Umsicht zu würdigen.

Und wie werden Fußböden und Wände wieder trocken?
Das ist ein Wettlauf mit der Zeit: Denn  wenn die Bausubstanz nicht zügig trocknen kann, sind Schimmelbefall, an Holzteilen auch Hausschwamm, zu befürchten.Das gilt umso mehr, als kurz nach dem Hochwasser mit Temperaturen über 30 Grad Celsius ein wahres Brutklima für viele Schimmelpilze herrschte. Für uns als Fachfirma heißt es wie bei jedem Auftrag, den Schaden zu begutachten, Feuchtemessungen durchzuführen und zu untersuchen, um welche Baustoffe es sich handelt. Erst dann kann das passende Trocknungsverfahren eingeleitet werden. Trotzdem muß alles sehr schnell gehen, deshalb waren meine Mitarbeiter wenige Tage nach der Flut schon vor Ort – und sind es auch noch heute.

Was trocknet gut, und was macht Probleme?
Sandstein nimmt nicht so viel Wasser in der Tiefe auf, da hilft schon Lüften sehr gut. Ganz anders Gipskartonplatten: Hier lohnt sich ein Trocknen nicht, die müssen meist raus.Hohlräume im Bauwerk, beispielsweise in Fußböden oder auch zwischen Dämmschichten, stellen ein weiteres Problem dar. Aber mit der sogenannten Diagnose ist es uns möglich, Wasser auch an verborgener Stelle aufzuspüren und nach gezielter Bohrung dann die Trocknung einzuleiten.Hier leisten unsere Kondenstrockner ganze Arbeit: Sie blasen kontinuierlich – oft tagelang – warme, trockene Luft beispielsweise in die Bohrlöcher eines unterschwemmten Estrichbodens. Dort nimmt die Luft viel Wasser auf, passiert dann das Verdampfungsteil des Gerätes, wo ein Kältemittel für ihre Entfeuchtung und anschließende Kondensation sorgt. Das „gewonnene“ Wasser tropft nun in einen Sammelbehälter am Gerät. Selbst für uns ist es schier unglaublich zu sehen, welche hohen Wassermengen bei solchen Einsätzen wie in Frankenberg mit Hilfe der Trockner zutage gefördert werden.

Interview: Kerstin Große

 

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