Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wasser in den Kellern – der Staat muß handeln!

VDGN-Aktionsbündnis fordert komplexen Masterplan mit Gesetzeskraft

Auch bei Gabriela Groth aus Heinersdorf steht das Wasser im Keller. Sie arbeitet mit im "Aktionsbündnis für trockene Keller in Berlin"

Selber schuld – so heißt kurzgefaßt die Antwort des Senats an alle Berliner Grundstückseigentümer, die jetzt schon Probleme mit ansteigendem Grundwasser oder eindringendem Schichtenwasser haben oder diese in den nächsten Jahren bekommen werden. Denn sie seien Eigentümer von Häusern, „die nicht fachgerecht gegen Grundwasser abgedichtet sind“. So heißt es im Abschlußbericht des „Runden Tisches Grundwassermanagement“, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Abgeordnetenhaus vorlegen will. Eine Verantwortung dafür, siedlungsverträgliche Grundwasserstände zu gewährleisten, lehnt das Land Berlin ab. Und die Betroffenen speist es mit der dreisten Bemerkung ab: Was derzeit passiere, sei lediglich ein Wiederanstieg des Grundwassers auf sein natürliches Niveau. Wem deshalb das Wasser in den Keller laufe, der habe eben nicht richtig gebaut.

Das Steigen des Grundwassers liege am sinkenden Wasserverbrauch, so der Allgemeinplatz, mit dem dieser Bericht aufwartet. Von den tieferen Gründen für nasse Keller findet sich nichts. Zu ihnen gehört aber an erster Stelle der stark gestiegene Preis für das Trinkwasser und die Entsorgung des Abwassers, seitdem die Berliner Wasserbetriebe vor mehr als einem Jahrzehnt teilprivatisiert worden sind.

Darauf vor allem verweist das „Aktionsbündnis für trockene Keller in Berlin“, das sich unter dem Dach des VDGN gebildet hat, in seiner Stellungnahme zum Abschlußbericht der Senatsverwaltung. Der VDGN hatte den „Runden Tisch Grundwassermanagement“ schon lange als Alibiveranstaltung kritisiert und gefordert, die Koalitionsvereinbarung von SPD und CDU umzusetzen, die Aktivitäten für siedlungsverträgliche Grundwasserstände beinhaltet.

Das Aktionsbündnis und mit ihm der VDGN fordern weiter, siedlungsverträgliche Grundwasserstände als Ziel in der Berliner Landesverfassung festzuschreiben. Eingerichtet werden soll eine ständige Grundwasserkonferenz, die komplex die Grundwassersituation analysiert und einen Masterplan für die Aktivitäten erstellt, den dann das Abgeordnetenhaus als Gesetz beschließt. Gelöst werden müssen dabei auch die Probleme mit dem sogenannten Schichtenwasser, die beispielsweise in Teilen Pankows massiv auftreten, seitdem zu DDR-Zeiten gepflegte Drainagen vernichtet und Gräben zur Ableitung des Wassers zugewuchert sind.

Der VDGN hat immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß die Grundwasserprobleme in Berlin noch stark zunehmen können, falls die Wasserförderung weiter heruntergefahren wird. In weiten Teilen des Berliner Urstromtals, das sich von Spandau im Nordwesten bis Köpenick im Südosten quer durch die Stadt zieht, kann nach jüngsten Untersuchungen das Wasser einen Stand erreichen, der weniger als 2,5 Meter unter der Geländeoberkante liegt. Dann sind Fundamente und Keller gefährdet.

Der VDGN verwahrt sich nachdrücklich dagegen, daß die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jegliche Verantwortung für die Lösung der Probleme vom Staat weg und den Schwarzen Peter den Betroffenen zuspielt. VDGN-Präsident Peter Ohm: „Das Argument, wo heute Wasser in den Keller eindringt, sei falsch gebaut worden, ist der blanke Hohn. Wir können bis in die 1960er Jahre zurückverfolgen, daß die Berliner Behörden keine Vorkehrungen für einen extremen Anstieg des Grundwassers gefordert haben, wenn Baugenehmigungen erteilt wurden. Siedlungsverträgliche Grundwasserstände sind eine Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Es geht hier nicht nur um den Schutz von Bausubstanz, sondern auch um die Gesundheit vieler Berlinerinnen und Berliner.“

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